#18

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Kate war an diesem Abend ausgelaugt und war müde, aber vor allem fühlte sie sich hilflos. Schon fast schwerfällig stieg sie die Treppenstufen zu ihrer Wohnung hinauf. Sie hatte zur Zeit eine Doppelbelastung. Zum einen ihre Arbeit, die ihr zwar eine gewisse Erfüllung gab, aber auch viel Zeit in Anspruch nahm. Und ihre Bemühungen, Josh wieder auf die Beine zu bringen. Das alles kostete sie körperlich und besonders psychisch so viel Kraft, dass ihr die Stufen zu ihrer Wohnung, wie der Mount Everest vorkamen. Ein steiler Hang hinauf zum Gipfel, auf dem das eigentliche Ziel wartete.
Jason kam viel zu kurz, seit dem Josh die Überdosis genommen hatte. Ihr Ehemann hatte es verdient, dass sie sich vollkommen auf ihn konzentrierte. Besonders nach all diesen Problemen der letzten Zeit.

Als sie endlich am Gipfel angekommen war und ihre Flagge in den Boden, oder eher den Schlüssel in das Schloss steckte, wurde sie von warmer, gut riechender Luft begrüßt.
Nanu ?
„Jason?", rief sie vorsichtig, schloss die Tür hinter sich, streifte sich Mantel, Seidenschal und Schuhe ab, bevor sie durch den kleinen Flur in ihr gemeinsames Wohn-/Esszimmer kam. Es war, wie die ganzen letzten Tage schon dunkel draußen, als sie nachhause kam. Die Rollos waren herab gelassen, Kerzen waren angezündet ihre Hausschlappen und ihr Schlafanzug lagen auf dem Sofa bereit für sie und daneben saß ihr Mann, Jason. Er hatte seine Akustikgitarre im Arm und begann ohne zu zögern oder sie erst anzusprechen, die ersten Töne einer Ballade zu spielen.

Sie setzte sich auf den Sessel ihm gegenüber, um ihm zu lauschen. Auch wenn seine Musik für sie inzwischen einen bitteren Beigeschmack hatte, wusste sie, dass das folgende nur für sie war. Die sanften, satten Klänge der saiten erfüllten den Raum und vermischten sich mit dem warmen Schein der Kerzen. Dazu mischte sich Jasons tiefe, raue aber gefühlvolle Stimme.

Sie kannte die Melodie nicht. Weder aus dem Radio, noch von ihm.

„Ich lief blind einem Traum hinterher,

doch blieb stecken, wie in tiefschwarzem Teer.

In Hoffen, in Arbeit, in sinnlosem Tun,

In Wünschen, in Sehnsucht, Gedanken an Ruhm.

Wir stritten und hassten, vertrauten uns nicht.

Wir logen, betrogen. Mein Herz, es sticht,

- Bei dem Gedanken daran, das unsere Liebe zerbricht.

Ich dachte nur an MICH, nur an das was ICH will,

ihr Rufen wurde leiser, verstummte, war still.

Verzeih mir, ich ließ dich durch die Hölle gehen,

ließ dich alleine im Regen stehen.

Ich merkte deine Angst erst viel zu spät,

und wie meine Welt ohne dich aus den Fugen gerät... "

Der Text des Liedes trieb ihr Tränen in die Augen, er sang von ihrer Geschichte. Über ihre Liebe, ihre Trennung, ihre Gefühle. Die Missverständnisse, die Ängste die er und sie gehabt hatten, aber was viel wichtiger war: Er sang von einer besseren Zukunft. Er sang das alles so innig so voller Gefühl. Das Leid in seiner Stimme war echt, ebenso wie das Versprechen, das nun alles gut werden würde. Als die letzten Saiten der Gitarre verstummten, musste Jason sie schnell zur Seite legen, da Kate auf ihn zustürzte und die Arme um ihn schlang.

„Das war wunderbar", flüsterte sie und eine Träne kullerte ihre Wange herab, wurde jedoch gleich von seinem Shirt aufgenommen. Es tat immer so gut, wenn sie sich an seine starke Brust drücken konnte und seine Arme sich um sie schlossen. Schützend festhielten, als könne sie nichts auf der Welt auseinander bringen. Und nach langer langer Zeit war dieses Gefühl nun auch wieder da.

„Ich habe meine Bewerbung für den Bund schon abgeschickt." konnte sie seine Stimme hören, welche melodisch an ihr Ohr trat, welches gegen seine Brust gepresst war. Sie konnte diese Information noch nicht sofort verarbeiten und war froh, das er gleich weiter sprach. „Es wird sicher etwas dauern, aber ich bin mir sicher, dass sie mich gerne wieder zurücknehmen."

Ihr Griff um seinen Nacken wurde noch fester und schweigend drückte sie sich einfach an ihn. Es bedurfte keiner Wort mehr. Jetzt kreisten ihre Gedanken einfach glücklich um Jasons Worte und ihre gemeinsame, viel bessere Zukunft.

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Hach, endlich mal was positives!  Soll es bei uns auch mal geben! Selten, aber durchaus vorhanden.

Addicted  - Schuld und SühneLies diese Geschichte KOSTENLOS!