2. gemähter Grashalm

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Die Zeit bei meinen Eltern war schrecklich, wie fast immer. Nichts gegen meine Eltern, sie waren schon lieb und so, aber ihre Art und Kontrolle trieb mich einfach fast in den Wahnsinn. Sie waren einfach so komplett anders als ich, hatten das im Gegensatz zu mir aber entweder nie bemerkt oder ignorierten es einfach.

Schon das Kaffeetrinken war anstrengend. Meine Eltern wussten immer noch nicht, dass ich alles hingeschmissen hatte um in einer Band zu spielen, die im Monat maximal zwei Gigs hatte, und das auch nur, wenn es hochkam. Hätten sie eine unserer Proben gesehen, wären sie vermutlich schreiend davon gerannt und hätten mich nie wieder sehen wollen.

Das wäre vielleicht nicht einmal so schlimm gewesen, aber irgendwie waren sie ja trotzdem meine Eltern. Das Einzige Problem an ihnen war, dass sie so scheiße verbohrt waren. Leistung bedeutete ihnen alles und meine Liebe zur Musik würden sie nur so lange akzeptieren, wie ich darin sehr erfolgreich war. Andernfalls war Musik für sie bloß irgendeine bedeutungslose Branche in der ihnen zu viele Drogenabhängige waren, als das sie sie irgendwie schätzen konnten. Meine große Schwester war genauso, mein großer Bruder war immerhin normal, aber eben leider weg. Er lebte jetzt schon seit fünf Jahren in Australien, wo er inzwischen geheiratet hatte Ich hatte ihn seit er gegangen war nicht ein einziges Mal gesehen. Mein Bruder war Meersebiologe, was laut meinen Eltern ein nicht zukunftsfähiger Beruf war. Irgendwann hatte es ihm gereicht mit den Vorwürfen und er war ausgewandert. Bevor er gegangen war, hatte er zu meinem damals dreizehnjährigen Ich gesagt "mach einfach das was du willst, ansonsten wirst du irgendwann genauso verbittert wie sie. Ich glaub an dich Ben."

Diese Worte würden für immer in meinem Kopf bleiben und waren oft das, was mit Kraft gab und mich nicht aufgeben ließ. Wenigstens ein Mensch auf dieser Welt glaubte an mich und unterstützte mich so, wie ich war.

Ganz im Gegensatz zu meiner Familie, mit der ich nun seit über zwei Stunden an einem Tisch saß und Konversation halten musste. Es war so furchtbar, das ich es nicht einmal wirklich beschreiben konnte. Alle starrten sie mich mit diesen grünen, neugierigen Augen an, die auch ich geerbt hatte, und die wohl das einzige waren, was wir gleich hatten, und wollten so ziemlich alles aus meinem Leben wissen.

Zu allem Überfluss hatte meine Mutter auch noch meine Ex eingeladen, denn sie war der festen Überzeugung, sie würde mir gut tun. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wären wir inzwischen vermutlich verlobt und würden im Haus nebenan wohnen und würden beide ein Studium absolvieren, dass uns später einmal steinreich machen würde. Tja so war es aber nicht. Denn was meine Mutter nicht wusste war, dass ich sie eine Woche bevor ich nach Auckland gegangen war mit Jason, einem Typen aus meiner Schule, geschlafen.

Das hatte mir irgendwie die Augen geöffnet und ich hatte sofort mit ihr Schluss gemacht und beschlossen nie wieder mit so einem verwöhnten etwas wie ihr, zusammen zu sein.

Sie hatte das definitiv auch begriffen, da war ich mir sicher, aber dennoch saß sie jetzt da und verschlang mich fast mit ihren Blicken. Shit man ich konnte nicht noch eine Amalia gebrauchen,eine reichte vollkommen.

"Und Bennet wie läuft es denn so mit dem Studium. Bist du immer noch der beste Pianist der Uni?", fragte meine Mutter neugierig und bewies mir damit einmal mehr, warum ich mein Zuhause nicht ausstehen konnte.

"Nicht mehr ganz. Da ist dieser Chinese, der toppt uns alle", log ich und versuchte nicht einmal so zu tun, als würde mich das groß stören. So sehr musste ich dann auch nicht übertreiben.

"Dann musst du wohl wieder mehr üben Bennet. Du darfst dir keine Durchhänger erlauben", befahl mir nun mein Vater und ich nickte nur gequält. Wie hielten die es nur selbst aus, so zu sein? Das musste einem doch auf Dauer total auf den Sack gehen.

Ein Abend frisch gemähtes GrasLies diese Geschichte KOSTENLOS!