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Nachdem er allen Schmutz von sich gewaschen hatte und das warme Wasser dennoch für Minuten nicht ausgestellt hatte, fühlte er sich wie eine schrumpelige Wasserleiche aber gleichzeitig auch ein klein wenig besser als vorher.

Bevor Kate doch noch auf die Idee kommen konnte, vor Sorge ins Badezimmer zu platzen, entschied er seinem Rendezvous mit dem heißen Nass ein Ende zu setzen.

Da sie keine frische Kleidung mit hereingenommen hatten, rubbelte er sich mit einem Handtuch lediglich die braunen Haare trocken, sodass sie in alle Himmelsrichtungen abstanden, und wickelte es sich dann um seine Hüften.

Für gewöhnlich waren ihm seine Male unangenehm, die die vielen Spritzen in seinen jungen Jahren auf seinem gesamten Körper hinterlassen hatten, doch er hatte nicht mehr das Gefühl sich vor Kate für irgendetwas schämen zu müssen.

Sie kannte schlimmere Seiten an ihm als diese.

Als er aus der Tür hinaustrat, stand Kate am Fenster und blickte mit besorgt zusammengezogenen Brauen in den Himmel. Unter ihren braunen Augen lagen dunkle Schatten, doch als sie sich zu ihm drehte, erschien ein Lächeln auf ihren Lippen. Ihr Blick wanderte für einen Moment seinen Körper hinab und verharrte ein paar Wimpernschläge lang an seinen Tattoos, insbesondere an dem an seiner Hüfte, welchem sie früher schon besondere Beachtung hatte zukommen lassen.

„Und?", fragte sie, als sie ihre Musterung beendet hatte.

„Fühl mich wie ein neuer Mensch", antwortete er mit einem schiefen Grinsen, ließ seine Schultern jedoch weiterhin kraftlos hängen. Er trottete an Kate vorbei zu dem Schlafzimmer und wühlte dort frische Kleidung aus seiner Sporttasche. Als er das Handtuch ohne Vorwarnung fallen ließ und seiner Freundin kurzerhand seinen Allerwertesten prästentierte, hörte er sie kurz „uh!" sagen und er war sich sicher, dass sie sich jetzt umdrehte. Josh zog sich schwarze Shorts, eine graue, weite Jogginghose und eines seiner Masters-of-Hardcore-T-Shirts an. Der weiße Dämonenschädel auf dem schwarzen Stoff sah auch gut aus, ohne, dass man wusste, zu was dieses Merchandise gehörte.

„Josh, mal ehrlich", begann Kate, als er wieder zu ihr in den Wohnraum schlurfte, „warum hast du das alles aufs Spiel gesetzt?", sie deutete um sich herum, insbesondere auf das Bild seiner Familie.

Er konnte ein tiefes Seufzen nicht unterdrücken und warf sich aufs Sofa, streckte die Beine von sich und legte seine Arme über die Lehne.

„Ich bin in dieser Welt groß geworden. Meine Mutter war eine scheiß Nutte und hat mich einfach ausgesetzt. Ich erinnere mich nur noch vereinzelt an Szenen davon, nur das Gefühl der Verzweiflung habe ich noch ganz klar in mir. Ein Mann fand mich ganz alleine und nahm mich auf. Aber es war nicht der nette Familienvater von nebenan sondern ein Drogendealer und Zuhälter und das im großen Stil. Er hat mich in diese Welt gebracht, in ihr groß gezogen. Titten, Ärsche, Koks, Alkohol, Gewalt und Sex, das war alles, was ich kannte. Er hat mich nicht zum braven Daddy herangezogen, sondern zu einem Kriminellen. Ich hatte Glück, denn er hätte mich auch einfach auf den Strich schicken können. Es gibt viele Kerle, die einen Haufen Geld dafür hinblättern würden, ihren Schwanz in den Knackarsch von einem kleinen Jungen zu stecken. Aber dieser Junge sollte irgendwann sein Imperium übernehmen. Und das habe ich getan, als er starb. Nach einem großen Deal kam er nicht zurück. Vermutlich haben sie ihn abgeknallt und im Main versenkt oder so. Auf jeden Fall war ich jetzt der Boss. Und dann habe ich meine Frau kennengelernt. Sie war toll, ich habe zum ersten mal Respekt und Liebe gegenüber einem Mädchen empfunden. Bisher waren sie für mich nur Ware oder Kunden. Ich habe für sie aufgehört Heroin zu nehmen, ich habe mit keinen Nutten mehr geschlafen. Meinen Konsum habe ich einzig und allein auf harmlose Sachen reduziert, ganz aufhören kann ich nicht. Andere nehmen Medikamente, ich eben das. Aber ich konnte diese Welt auch nicht vollkommen hinter mir lassen. Ich habe keinen anerkannten Schulabschluss und hätte niemals nur in ein normales Leben gepasst. Und ich wollte es auch nicht. Es ist einfach meine Welt, Kate. Dort kenne ich mich aus, dort habe ich meinen Platz. Und nenn mich naiv zu glauben, dass ich beide Leben schon unter einen Hut bekommen würde. Ich wollte Anna nicht enttäuschen. Ich wollte ihr keine Sorgen machen. Mein Kontakt mit den Prostituierten war immer ohne Gefühle. Außerdem wollte ich Anna nie mit meinen dunkelsten Seiten konfrontieren. Ich habe Vorlieben, die ich an ihr niemals ausleben könnte oder wollte. Deswegen habe ich mich für ein Doppelleben entschieden", er spielte an seinem Zungenpiercing herum und legte den Kopf in den Nacken, „ich hasse es, über mich zu sprechen. Ich bin halt einfach ein abgefuckter Typ", nun konnte er nicht verhindern, dass sich ein schiefes Grinsen auf seine Lippen schlich.

Kate, die bisher schweigend vorm Fenster gestanden und ihm zugehört hatte, kam nun auf ihn zu. Sie ließ sich neben ihn auf das Sofa sinken und legte eine ihrer Hände auf seinen Oberschenkel. Sie kaute auf ihrer Lippe herum und suchte wohl nach den richtigen Worten, doch Josh wusste, dass es diese nicht gab. Doch letztendlich sagte sie etwas, mit dem er sicher nicht gerechnet hatte:

„Also ich mag den abgefuckten Typen."

Sie stupste ihn mit ihrem kleinen, spitzen Ellbogen in die Rippen und grinste. Daraufhin legte er einen Arm um ihre Schulter und drückte sie an sich heran.

„Danke, Kate, du findest echt immer die passenden Worte um einen aufzuheitern."

„Warte, ich bin doch noch gar nicht fertig", erwiderte sie mit erhobenem Finger, „eine schlaue Sache habe ich noch", sie atmete tief ein und bereitete sich darauf vor, den Philosophenspruch des Jahrhunderts hervor zu bringen.

„Man kann in mehr als einer Welt zu Hause sein und dein Platz in dieser ist nicht verloren. Ich werde dich in ihr halten, mit allem was ich habe. Deine Frau muss nur auch den anderen Josh kennenlernen und verstehen, dass auch der ein echt cooler Typ ist. Irgendwie werden wir ihr zeigen, dass du sie liebst und dass du immer nur das Beste für sie wolltest. Indianer-Ehrenwort!"

Kate hob ihren kleinen Finger verschwörerisch an und nun musste Josh endgültig aufgeben und loslachen.

„Du bist echt bescheuert, Kate", lachte er und hakte aber trotzdem seinen Finger bei ihr ein. 

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Könnt ihr Joshs Entscheidungen verstehen? Und nun wisst ihr auch, wer der kleine Junge aus dem Polog des ersten Teils war

Addicted  - Schuld und SühneLies diese Geschichte KOSTENLOS!