Chapter 13

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Unsicher werfe ich einen Blick über meine Schulter, und sehe Cassy an, die mich entschuldigend ansieht. Blitzschnell winde ich meine Handgelenke aus Nicos Griff und sehe ihn herausfordernd an.

„Machen wir einen Deal. Wenn du gewinnst, kidnappen wir sie nicht. Gewinne ich, erpressen wir das Lösegeld und du und ich werden eine eher unerfreuliche Begegnung haben“, droht Nico mit einem hintergründigen Lächeln. Ich muss schlucken.

„Nico, das ist nicht fair“, wirft Mate ein.

„Ich weiß“, gibt Nico schulterzuckend zu. Ich beiße die Zähne zusammen.

„Ich glaube an dich!“, flüstert Cassy mir zu und Nico lacht. „Irgendwie mag ich deine Freundin!“ Wütend sehe ich ihn an. Das war’s. Jetzt kann er seinen Kampf haben!

„Na schön!“, versuche ich möglichst fest zu sagen, doch meine Stimme wackelt trotzdem ein bisschen.

„Du bist so süß, wenn du Angst hast. Weil du genau weißt, dass du keine Chance gegen mich hast. Wie vor neun Jahren, als wir uns kennen gelernt haben.“ Meine Knie drohen nachzugeben. Süß? Überrascht und erstaunt sehe ich ihn an. Er erinnert sich daran, wie viel Zeit vergangen ist, seit wir uns kennen gelernt haben?

„Denkst du etwa ich hätte das vergessen?“, flüstert er mir zu, worauf ich rot werde.

„Nico, du schummelst!“, ermahnt ihn Mate, doch da hat Nico mir schon die Beine weg gezogen.

„Du gemeiner Schuft!“, fluche ich und versuche mich aus seinem Griff zu befreien.

„Wie süüß!“, seufzt Cassy hinter mir.

„Cassy, dass ist kein Liebesfilm! Steh nicht so blöd rum, sondern hilf mir!“, schimpfe ich und bekomme Nicos Handgelenk zu fassen.

„Ok! Was soll ich tun?“, fragt Cassy. Verzweifelt schließe ich die Augen und Nico fängt an zu lachen. Ich spüre das Beben von seinem Körper und verfluche mich selber, als mein Bauch wieder zu kribblen anfängt.

„Zieh ihm die Beine weg!“, antworte ich schließlich und versuche seine Arme unter Kontrolle zu bekommen. Voll Tatendrang stürzt Cassy sich auf seine Beine, worauf er laut anfängt zu fluchen und zu schwanken.

„Waaa!“, rufe ich entsetzt, als er nach vorne kippt. Gerade noch so schaffe ich es, mich aus seinem Griff zu befreien und mich zur Seite zu rollen. Ich springe wieder auf die Beine und lasse mich einfach auf ihn fallen.

„Ja, Liz, wir schaffen es!“ Cassy hängt immer noch an Nico, der fluchend auf dem Rücken liegt. Jetzt muss ich nur noch seine Schultern auf den Boden drücken, dann haben wir gewonnen! Doch da packt er meinen einen Arm und mit seiner noch freien Hand streicht er mir eine jetzt erst recht verzauste Haarsträhne aus dem Gesicht. Verdutzt halte ich inne. Dieser Moment reicht ihm aus, um mir meinen Arm auf den Rücken zu biegen und mich von sich herunter zu werfen. Ich bin schon wieder auf ihn hereingefallen. Das gibt es doch nicht! Wütend stehe ich wieder auf.

„Du … Mistkerl! Das war ungerecht!“ Doch Nico lacht nur und versucht sich von Cassy zu befreien, die immer noch fest entschlossen an seinen Beinen hängt. Ich will mich gerade wieder auf ihn stürzen, als er sich losreißt und aufsteht. Jetzt stehe ich direkt vor ihm, sehe hoch in sein Gesicht, das meinem so nahe ist. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und streiche vorsichtig mit der Hand durch sein Haar. Es fühlt sich weich und irgendwie warm an. Dann streiche ich ganz behutsam, als könnte ich mich an ihm verbrennen über seine Wange.

Nico sieht mich mit weit geöffneten Augen an, während das Kribblen meinen ganzen Körper zu durchfluten scheint. Dann ziehe ich ihm plötzlich die Beine weg. Noch während seinem Sturz scheint Nico zu begreifen, was ich da gerade getan habe, da sich seine Augen verengen.

Ich werfe mich mit meinem ganzen Gewicht auf ihn, damit er nicht sofort wieder aufstehen kann.

„Rache!“, sage ich triumphierend.

Er muss grinsen.

„Du lernst schnell!“, antwortet er und packt meine beiden Handgelenke. „Aber gegen mich hast du trotzdem keine Chance.“

In dem Moment packt Mate Nico an beiden Schultern und drückt ihn in seiner Verwunderung auf den Boden.

„Gewonnen!“ Cassy und ich fallen uns, und dann Mate um den Hals.

„Das war unfair!“, protestiert Nico und richtet sich wieder auf. „Mate!?“

Doch der grinst nur. „Es ist ihre erste Freundin, ich musste ihr den Gefallen tun.“

„Danke!“ Ich drücke ihn ganz fest an mich und sehe, wie Nico lächelt.

„Ok. Ich lasse sie in Ruhe. Deine erste Freundin.“

Strahlend umarme ich Nico, bis ich ihn verlegen wieder loslasse.

„Gut. Ich muss noch was erledigen, Liz, erklär ihr die Regeln, und du Mate. Du kannst dich schon mal nach einer Möglichkeit umsehen das verlorene Geld wieder zubekommen!“

Mate lacht. „Alles klar, Boss!“

„Bis Morgen!“ Nico wuschelt mir durch die Haare und geht zur Haustür.

Ich sehe ihm hinter her, dann drehe ich mich zu Cassy um.

„Wollen wir in mein Zimmer gehen?“

Sie nickt und wir machen es und auf meinem Bett bequem.

Cassy versteht die Regeln sehr schnell: Zu niemandem ein Wort, sonst wird nicht nur sie, sondern auch alle anderen, denen sie davon erzählt hat, daran glauben müssen. Außerdem darf sie keinen Aufträgen in die Quere kommen, sonst hat das ähnliche Konsequenzen. Wir machen uns noch einen gemütlichen Abend, bis sie nach Hause muss. Ich bringe sie zur Tür, dann gehe ich ins Wohnzimmer zu Mate.

„Na?“ Er lächelt mich an und klopft neben sich auf das Sofa. Ich setze mich neben ihn und lege den Kopf auf seine Schulter.

„Ich bin so froh, dass du wieder da bist“, murmel ich und schließe die Augen.

„Mhhmm. Ich hatte am Anfang auch Bedenken, dass alles glatt laufen würde, aber auf Nico ist eben verlass!“

Ich muss lächeln. Nico. Verlegen versuche ich die Gedanken zu verdrängen, doch es will mir nicht richtig gelingen. Erst jetzt merke ich wie müde ich eigentlich bin und so neben Mate, der Sicherheit und Ruhe ausstrahlt, schlafe ich ein.

Geheimagenten reden nichtLies diese Geschichte KOSTENLOS!