Aufflammende Wut

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Jaa mich gibt es auch noch... kaum zu glauben aber wahr. Alsoo ich bin wieder zurück und werde versuchen wieder etwas mehr zu schreiben. ^^ Entschuldigt die lange Pause aber mir ging es einfach nicht gut und deswegen konnte ich nicht schreiben. Aber jaa... egal :D

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Aufflammende Wut. Wut auf meinen Bruder. Wieso? Wieso hat er mir das alles angetan? Die Wut wird größer, wie ein aufflammendes Feuer. Nimmt meine Gedanken vollkommen ein. Die Wut macht mich handlungsunfähig. Lässt mich nicht mehr klar sehen. Wut. Ich kann mich fallen lassen in das Gefühl der Wut. Sie nimmt mich ein. Stiehlt mir dem Moment. Wird größer. Lodernder. Einnehmender. Die Flammen werden größer. Heißer. Gefährlicher. Ich will sie loswerden, diese Wut. Sie wird plötzlich so bedrohlich. Doch ich kenne keinen Ausweg mehr. Die Situation wird immer aussichtsloser. Je mehr die Wut aufflammt, desto aussichtsloser wird die Situation. Ich greife zur Klinge. Schneide mich, um der Wut, dem Kampf in mir, Ausdruck zu verleihen. Lasse mich von ihr mit ziehen. Das Blut fließt. Der Schmerz tritt ein. Ich merke, dass ich noch lebe und die Wut wird kleiner. Dafür setzt die Trauer ein. Trauer. Schmerz. Unbeantwortete Fragen. Ich schaue auf meinen Arm. Blut. So viel Blut. Ich merke, wie ich teilnahmslos an diesem Geschehen werde. Wie ich aus einer anderen Welt dabei zuschaue, wie ich versuche die Blutung zu stillen. Ich zeige keine Regung in meiner perfekten Maske. Nehme es einfach so hin, dass ich wieder versagt habe und mich von dem lodernden Feuer der Wut habe mitreißen lassen. Gleichgültig klebe ich ein Pflaster auf die Wunde. Ein kleines Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Der Kampf gegen diese Wut ist vorerst wieder vorbei. Ich werde ruhiger. Lasse den unbeantworteten Fragen, dem Schmerz und der Trauer den Raum, den sie benötigen und endlich wird es ruhig. Ruhig genug, um die restlichen zwei Stunden in der restlichen Nacht zu schlafen.
Der Morgen danach. 6 Uhr früh. Der Wecker klingelt. 2 Stunden Schlaf waren deutlich zu wenig. Ich komme kaum aus meinem Bett raus. Drücke fünfmal die Snooze Taste, um dann trotzdem fast zu verschlafen. Muss mich zwingen aufzustehen. Muss mich aufraffen, um vollkommen verschlafen in den Tag zu starten. Kann meine Augen am Frühstückstisch kaum offen halten. Bin auf Kaffee angewiesen, um halbwegs wach zu werden. Zwinge mich, ein Brot zu essen, doch es widert mich an. Denn diese Stimmen werden wieder lauter. Diese Stimmen der Magersucht. Diese Stimmen der Bulimie. Mit Ach und Krach schaffe ich es, diese eine Scheibe Brot aufzuessen. Ich schmiere das Frühstück für die Schule. Muss mich zwingen ausreichend Brote mitzunehmen.
Dann der Weg ins Bad. Eine neue Qual. Die Stimme der Bulimie schreit mich an. Ich gebe fast nach, doch mein Wille ist stärker. Ich schaffe es, mein Frühstück in mir zu behalten und nicht auf direktem Wege ins Klo zu befördern.
Jetzt der Blick in den Spiegel. Ich erkenne mich selbst nicht mehr wieder. Die Augenringe vom Schlafmangel werden auch nicht mehr kleiner. Ich spritze mir Wasser in mein lebloses Gesicht. Ein kläglich scheiternder Versuch, mich und meinen Körper und neu zu beleben. Ich frage mich, wie jeden Morgen, ob es niemand sieht. Sieht denn keiner, dass ich eigentlich schon nicht mehr lebe? Fällt keinem auf, wie traurig und verzweifelt ich eigentlich bin? Ich fange an zu lachen. Mein Gesicht verzerrt sich zu einer hässlichen Fratze und der Klang dieses Lachens ist unglaublich hohl. Ich bin scheinbar gut genug alles unter meiner perfekten Maske zu verstecken.
Ich verstumme sofort wieder, denn eigentlich ist mir nicht nach Lachen zumute. Ich müsste schreien. Weinen. Aber nicht lachen. Also schaue ich wieder ernster in den Spiegel. Schminke mich, um die perfekte Maske zu perfektionieren. Das Pflaster noch wechseln, denn es ist durchgeblutet.
Die Schultasche wie automatisiert packen und dann auf in die Schule. Auf in den täglichen Kampf des Verdrängens. Des Verdrängens der Schmerzen, die mir in meiner alten Schule zugefügt wurden. Noch immer spüre ich den süßen Schmerz von gestern Abend. Er begleitet mich durch meinen Tag, beruhigt die immer wieder neu aufflammende Wut ein wenig. Aber das hält nur bis zum Abend an, bis ich mich ihr erneut hin gebe. Doch bis dahin ist es noch ein langer Kampf. Denn ich muss wieder essen. Dieses mal vor Mitschülern, die mich früher, an meiner alten Schule, dick und fett genannt haben. Die Stimmen der Essstörungen werden lauter. Unerträglicher. Doch ich schaffe es erneut.
Ich bin am Ende meiner Kräfte angelangt und es ist gerade einmal 10 Uhr morgens.

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