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„Der Chef ist wach und stabil, wenn auch noch nicht ganz klar. Er wird noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben und sich dann selbst bei dir melden. LG Robby."

Diese wenigen Zeilen ließen eine Welle der Erleichterung durch ihren Körper strömen, welche ihr erneut die Tränen in die Augen trieben. Diesmal allerdings vor Erleichterung. Es war ihr natürlich klar, dass jetzt nicht alles gut war. Dass er überlebt hatte, war nur der erste Schritt. Der erste Schritt einer langen Genesung, deren seelische Wunden sicher größer waren als das, was das Heroin in seinem Kopf angerichtet hatte. Erleichtert zeigte sie Jason die Nachricht und lehnte sich, noch immer nur halb angezogen, an die Brust ihres Mannes, welcher seinen schweren Arm um sie legte und sie einfach nur festhielt.

***

Es war ein sonniger Sonntagvormittag, der nicht wirklich zu ihrer trüben Laune passen wollte, als Kate am Haus ihrer besten Freundin klingelte. Sie hatten sich zum Brunch verabredet um sich mal wieder auszuplaudern über all die schlimmen aber auch guten Dinge, die in letzter Zeit passiert waren. Sie hatte ihr noch am gleichen Abend, als sie Josh mit der Überdosis gefunden hatte, geschrieben. Sie hatte mit ihrem Mann reinen Tisch gemacht, es war an der Zeit, auch ihre beste Freundin in ihre momentane Lebenssituation einzuweihen. Auch, wenn sie sich noch nicht ganz sicher war, ob sie jedes noch so schreckliches Detail erzählen sollte. Aber wozu hatte man eine beste Freundin, wenn man nicht mit ihr über alles reden konnte? Kate verlangte von Rosemarie, dass sie ihr von all ihren Lasten erzählte, damit sie ihr beim Tragen helfen konnte. Wie konnte sie dann die schweren Gewichte, die auf ihren eigenen Schultern lagen, vor ihr geheim halten?

Rose begrüßte sie mit einem herzerwärmenden Lächeln, was winzige Fältchen um ihre rehbraunen Augen warf und Kate stellte einmal mehr fest, dass sie dieses engelsgleiche Wesen einfach niemals verlieren wollte.

Sie trat in das Haus ein.

Chris war immer noch krankgeschrieben und saß auf dem Sofa. Für einen Moment blieb Kate in der Tür stehen, presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und wusste nicht, wie sie auf ihn reagieren sollte.

Auf der einen Seite tat es ihr leid, was sie ihm angetan hatte und auf der anderen Seite würde sie es jederzeit wieder tun, wenn sie noch einmal sehen sollte, wie er seine Hand gegen ihre Freundin erhob. Chris sah sie an und mit einem grüßenden Kopfnicken befreite er sie aus ihrer temporären Stasis. Sie erwiderte die Geste, dann folgte sie Rose in die Küche, wo der Tisch schon reichlich gedeckt war.

Der herbe Geruch von eben gebrühtem Kaffee stieg ihr in die Nase. Dazu mischte sich eine Komposition aus dem Duft noch warmer Bäckersbrötchen, süßem Honig und Rührei.

 „Mh, du hast dir aber Mühe gegeben", sagte Kate und rieb sich vorfreudig die Hände. Ohne den Blick von den Leckereien losreißen zu können, nahm sie Platz.

„Wie geht es Chris?", fragte sie schließlich lieber ihre Freundin als den Verletzten selbst.

„Besser", antwortete Rose, verteilte Brötchen auf beide Teller und goss Kaffee ein „Unkraut vergeht nicht. So schnell kriegt den nichts auf Dauer von der Arbeit weg." sie lächelte wieder ein wenig."Er wird bald wieder arbeiten gehen"

„Freut mich zu hören", sagte Kate. Schnitt sich ein Brötchen auf und legte sich Rührei auf eine der Hälten. „Ich habe auch positive Nachrichten. Jason hat jetzt einen Nebenjob in einem Fitnesscenter als Trainer. Dort arbeitet er jetzt halbtags und verdient etwas dazu, sodass wir nicht mehr so Geldprobleme haben."

Rose' Augen weiteten sich erfreut und ihr Mund öffnete sich einen Spalt breit

„Wirklich?" fragte sie „das ist ja super! Woher kommt dieser plötzliche Sinneswandel?"

Addicted  - Schuld und SühneLies diese Geschichte KOSTENLOS!