Jenny POV 

Ich erreichte endlich nach gefühlten Stunden die Tür zur Praxis von Dr. Kenneth. Aber tatsächlich sah ich wie ein Licht anging, als ich klingelte. Mit Schwierigkeiten ging ich die Treppen hinauf. Dr. Kenneth schaute mich durch ihre Lesebrille an. Sie sah ziemlich überrascht aus. 

"Hi Jenny. Sie wissen schon das ich heute eigentlich geschlossen habe und Ihre nächste Untersuchung-", sagte sie und ich schaute sie mit schmerzverzehrtem Gesicht an.

"Ja aber ich habe extreme Rückenschmerzen.", klagte ich.

"Oh. Kommen Sie schnell rein.", sprach sie und zog mich zu sich rein.

Sie kramte in ihren Schubladen voller Tuben und Fläschchen herum. Als sie endlich eine Spritze und ein Fläschen fand, erschreckte ich mich schon aber ich würde alles tun, um diese Schmerzen zu lindern.

"Sie müssten jetzt ungefähr Anfang des siebten Monats sein, nicht wahr?", fragte sie und ich nickte.

Sie wies mir mich auf den Rücken zu legen. Die Spritze sollte direkt ins Rückenmarg gehen, um wirkungsvoll meine Schmerzen zu lindern. Das würde sicher weh tun. 

"Einfach ruhig ein und aus atmen.", hörte ich sie rufen. "Konzentrieren Sie sich nur auf ihre Atmung."

Das tut ich aber als die Spritze sich mit ihrer Nadel, den Weg in meinen Körper suchte, schrie ich und kämpfte mit den Tränen. Meine Hände verkrampften sich zu Fäusten und ich bis auf meine zerfetzte Unterlippe.

"Fertig. Bleiben Sie noch etwa zehn Minuten liegen, bitte.", bat sie und ich nickte.

Ich spürte wie das Mittel in der Spritze meine Schmerzen betäubte und sie langsam verschwinden ließ. Ein wunderbares Gefühl wie als wenn ich high war. Aber das hier war um einiges eine bessere Erleichterung. Langsam stand ich auf und ging zur Theke, wo Dr. Kenneth hektisch Daten in ihren Computer tippte und einen Schluck von ihrem Kaffee trank.

"Schulde ich Ihnen nicht etwas?", lächelte ich etwas verwirrt.

"Nein. Sie sind jemand Besonderes. Das müssen Sie nicht verstehen aber mir liegt etwas an Ihnen.", sagte sie und ich schaute sie etwas überrascht an.

Wahrscheinlich war es wieder das Mitleid, das jeder für mich empfand.

"Okay. Tschüss.", murmelte ich und ging zur Tür.

Ich ging wieder den Weg zurück und in Kevins Wohnung. Seinen Schlüssel hatte ich noch immer. Ich streifte Jacke ab und sah Kevin nicht mehr. Am besten suchte ich ihn erst in seinem Zimmer. Er bemerkte mich gar nicht. Mal wieder. Aber das was ich sah überraschte mich doch. Er saß auf seinem Bett und versteckte sein Gesicht in seinen verschrenkten Armen. Als er hoch schaute, sah ich, dass er geweint hatte.

"Was?!", schrie er mich laut an aber es klang nur sehr leise.

"Nichts. Ich bin nur wieder da.", zischte ich überrascht.

"Raus.", rief er und ich nickte.

Dann schloss ich seine Tür und hörte ihn leise wimmern. An der Tür noch ließ ich mich runtergleiten und fragte mich was ihn so bedrückte. Doch ich wusste nichts über ihn. Nur ein paar Mal hatte ich mit ihm rumgemacht aber das zählt ja nicht. Ich streifte meine Schuhe ab und streckte meine Beine aus. So saß ich hier auf dem Boden und glitt mit meinen Fingern über meine Haare.

Wie kann ich jetzt tapfer sein und für jemanden da sein, wenn ich selbst gebrochen bin?

Um ehrlich zu sein hatte ich Angst. Angst vor der Realität und davor das ich vergessen werden würde. Als ich in Kevins Kasse schaute, da ich uns etwas zu Essen kaufen wollte, sah ich das dort nur mikriege £5 drin waren. Mit dem Geld ging ich nach draußen und kaufte die billigsten Lebensmittel, die es gab. Nachher hatte ich viele Spaghetti und Tomatenketchup und Bier. Dann stapfte ich wieder nach Hause und bereitete das Essen. Kevin kam wieder herein.

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