Harry POV 

Es war schon Sonntag angebrochen. Gestern konnte mich keiner dazu bewegen mein Zimmer zu verlassen. Meine Träume hindurch, waren da diese braune Augen. Jennys Augen. Deshalb bin ich auch jedes Mal aufgewacht. Aber dann sagt mein Kopf wieder, das sie mich nicht haben will, das ich sie gar nicht retten kann, weil ich selber so schwach bin. Als ich vor dem Fenster sah, konnte ich sehen wie die Sonne gerade die ganze Welt in ein romantisches Rot tauchte. In meiner blassen Hand hielt ich einen Kaffeebecher. Es war wirklich ein sehr edyllischer Anblick, den ich nicht oft erleben durfte. Die ganze Häuserreihe leuchtete mir entgegen. Ein warmes Gefühl durchflutete meinen Körper. 

Gab es einen Sinn das Leben, welches ich führte weiterzuleben? Existierte er doch noch? Im Moment wusste ich nicht mehr ob irgendwas, was ich im Hier und Jetzt tat Sinn machte.

Als ich in dem Zimmer saß Stille, als ich das Fenster öffnete Stille. Schließlich beschloss ich einen Spaziergang zu machen. Ich reckte mich und ging runter. Mir war egal das ich ungewaschen war und so zog ich mir Anorak, grauen Beanie und Boots an. Dann setzte ich vorsichtig einen Fuß aus der Tür. Zu meiner Überraschung war es nicht kalt, sondern warm. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht auf. Die ganze Welt sah magisch aus. Wie früher, wenn ich Ruhe brauchte, ging ich an der Häuserreihe vorbei und erreichte schließlich den Feldweg. Das frische Feld strahlte in goldenen Farben. Der  Wind wehte die Hefe an manchen Stellen durcheinander und hinterließ Vertiefungen. An den Rand der Straße setzte ich mich hin und schloss die Augen. Die Welt war heil und unberührt. Für einen Moment vergaß ich meine Depressionen, die Band und meine Verpflichtungen. Da war nur ich und in meinen Gedanken und sonst nichts. Ich streifte mit meinen Fingern das zart-grüne Gras und summte leise Melodien. Ich wollte diesen Platz einfach nicht verlassen. Ich schloss die Augen und ließ mein Gesicht den warmen Wind spüren. Ich konnte die Vögel hören wie sie den kommenden Frühling begrüßten. Ich steckte mit einen Zahnstocher zwischen die Lippen und kaute etwas darauf rum. Nach einer Weile hatte mich jeglicher negativer Gedanke verlassen und ich fühlte mich entspannt.

Mit einer gewissen inneren Ruhe, die sich in mir aufgebaut hatte, stapfte ich den Weg zurück. Diesmal ließ ich mir noch mehr Zeit, um so viele Erinnerungen und gute Eindrücke zu sammeln. Schon stand ich wieder vor unserer Haustür und ging in die noch von mir geöffnete Tür. Meine Mutter kam gerade im Morgenmantel herunter und gähnte. Als sie mich sah, lächelte sie.

"Dieser Morgen ist wunderschön, nicht wahr?", lächelte sie.

Ich nickte und folgte ihr in die Küche. Sie fragte nicht nach wo ich war und warum ihr Sohn in der Frühe weggegangen war. Ein Stein viel von meinem Herzen. Ich war nicht der Typ für Erklärungen.

"Willst du auch einen Tee?", fragte sie und ich nickte.

Während sie den Tee bereitete, lehnte ich an der Küchenzeile und schaute mir die Fotos an der Pinnwand an. Der kleine Harold hat eine Spinne auf der Hand. Klein Harry liegt auf der bunten Coach. Ich mit Gemma. Ich mit Mum. All diese Erinnerungen steckten an einer einfachen Pinnwand aus Weinkorken. 

"Bist du bereit?", fragte Mum und wir gingen auf die Terasse.

Wir setzten uns auf die zwei Holzstühle und schauten hinaus in den Garten. Ich umklammerte die warme Tasse, so dass sie meine FIngerspitzen wärmte.

"Ich bin für dich da, Harry.", sagte meine Mutter.

"Das weiß ich.", antwortete ich und konzentrierte meinen Blick auf unseren fahrenden Rasenmäher.

"Der Traktor? Weißt du noch als du drauf gefahren bist und geschrien hast 'Ich hab keine Bremsen! Ich hab keine Bremsen!'. Ich erinnere mich nur zu gerne daran zurück."

Hinterland |hs|Lies diese Geschichte KOSTENLOS!