Harry POV  

Ich wachte in meiner Decke verknotet durch einen Luftzug, der durch mein Zimmer wehte auf. Meine Haut verwandelte sich schlagartig in eine Gänsehaut und ich schauderte. Mir war nicht nach aufstehen zu Mute, auch wenn ich dringend musste, denn mein Handy vibrierte bestimmt schon zum hundertsten Mal. Ich schaute auf das Display und überprüfte meine verpassten Anrufe. "21 Anrufe von Louis, 9 Anrufe von Niall, 37 Anrufe von Modest!" Die wollen mich doch verarschen?! Darf ich nicht mal eine Auszeit bei meiner Familie verbringen, einfach mich mal ausklinken? Es war doch Wochenende. Ich stöhnte auf und vergrub das Gesicht in meinem Kissen. Da klingelte es wieder und ich ging versehentlich dran. Es kann mir nichts passieren, dachte ich, sie sitzen drüben in London.

"Ja?", murmelte ich und hielt mein Handy weiter weg, um mein Gehör zu schonen.

"Scheiße, wo bist du Harry?!", schrie Gregs Stimme von Modest! und ich zuckte zusammen.

"Ehm... krank.", flüsterte ich und ein Schnaufen entfuhr ihm.

"Du weißt, dass gerade nicht die Zeit für eine verdammte Auszeit ist, oder?", rief er und ich wollte mir nicht vorstellen wie sein Gesicht rot bis lila wurde. 

Scheiße, er hatte Louis Lüge durchschaut.

"Musste sein.", antwortete ich knapp.

"Du tauchst hier in mindestens einer Stunde auf!", befahl er und ich schüttelte meinem Kopf.

"Lass mich wenigstens noch das Wochenende bleiben, ich hab da ein Anrecht drauf. Die Jungs werden es schon verstehen. Du hast ja die Vier mit denen du proben oder sonst was machen kannst. Ich werde pünktlich wieder da sein. Montag morgens.", stellte ich ruhig klar und fuhr mir durch die Haare.

"Nein, ich brauche euch alle.", zischte er.

Schnell drückte ich ihn weg. Dieses Wochenende würde ich hier bleiben und daran würde niemand etwas ändern. Ich schlüpfte in meine Hausschuhe und ging zum Fenster, um die kühle Frühlingsluft auszusperren. Es war schon um die Mittagszeit und ich dachte, dass ich diesmal so viel Schlaf nötig hatte. Am Liebsten wollte ich diesen Raum gar nicht verlassen und hier drin schlafen, nur schlafen. 

"Ein reges Treiben in Holmes Chapel. Wie in alten Zeiten, nicht wahr?", fragte meine Mutter lächelnd und musterte mich.

Ich nickte ihr nur zu und schaute dann wieder nach draußen. Die Straße war wie leer gefegt. Nur ein paar Vögel konnten dem Wind stand halten und flogen tapfer zum Himmel hinauf. Trotzdem schien die Sonne stark auf mein Gesicht. Meine Haut versuchte das Vitamin D aufzusaugen. Auf einmal spürte ich wie sie eine Hand auf meinen Rücken legte.

"Willst du nicht mal irgendetwas sagen?", sagte meine Mutter.

Langsam schüttelte ich den Kopf.

"Willst du etwas essen? Du musst was zu dir nehmen." sprach sie und ich verneinte wieder mit einer Körpergeste.

"Gehst du dann bitte duschen?", lächelte sie verzweifelt und wuschelte durch mein Haar.

Nein, das wollte ich nun wirklich auch nicht. 

"Okay, ich verstehe. Ich lass dich in Ruhe. ", murmelte sie und umarmte mich.

Ich seufzte und wendete mich dann wieder ab. Auf meinem Bett nahm ich wieder Platz. Meine Mutter drehte gerade an der Heizung.

"Es ist hier eisig...", murmelte sie und fröstelte. "Wenn du etwas brauchst, lass es mich oder Gemma wissen."

Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer und ich schaute nur starr auf die Decke über mir. Irgendwann fielen mir wieder die Augen zu, gewollt oder nicht.

Hinterland |hs|Lies diese Geschichte KOSTENLOS!