Kapitel 7

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Die Fahrt dauerte etwas länger. Ich konnte die ganze Fahrt über diesen Druck in mir nicht halten und heulte. Als wir ankamen, nahmen mich die zwei Männer am Arm und zogen mich aus dem Wagen. Jetzt heulte ich noch lauter und zappelte rum. Sie brachten mich wieder in diese Halle und banden mich fest an einen Stuhl. Dort stand bereits dieses Werkzeugkoffer wieder. Eins der Männer öffnete es gelassen und holte eine Zange heraus. Er kam auf mich zu, hielt mein Bein fest und zog mir den Schuh und die Socke aus. Dann ergriff er mit der Zange meinen kleinen Zehennagel. Ich realisierte was er vor hatte und fing an wild durch die gegend zu brüllen und wie verrückt am Stühl zu kippen. Den Mann machte es wütend. Er guckte mich böse an, sehr böse. Als er merkte, dass ich nicht aufhörte, zog er an meinem Nagel. Es tat höllisch weh, und je mehr er daran zog, desto lauter wurde mein Geschrei. Irgendwann zog er mit ganzer Kraft ein meinem Nagel, sodass es sich von meinem Fleisch löste und es anfing wie verrückt zu bluten. Ich schrie noch lauter. Mein Geschrei war noch nie so laut. Mir flossen tausende von Tränen über die Wange. Es waren höllische Schmerzen, die mein Fuß überdeckten. Der Mann stand auf, nahm seine ganze Kraft zusammen und gab mir eine heftige Ohrfeige. Ich fiel mit dem Stuhl auf den Boden. Ich jauchzte laut und mein Geschrei war immernoch sehr laut. Der Mann guckte nochmal wütend und ging dann weg. Ich heulte mehrere Minuten, wenn nicht mehrere Stunden, es tat höllisch weh. Es war so als ob dir jemand ein Stück von deinem Leben wegriss. Ich konnte die Tränen nicht unterdrücken und musste einfach heulen. Nach einer Weile linderte sich der Schmerz etwas und ich riss mich etwas zusammen. Dann bemerkte ich, dass keiner kam. Ich dachte nochmal über alles nach. Dann kamen mir die Worte von einen dieser Männer wieder in die Gedanken.

'Glaub mir, das was dir passieren wird, ist neben dem hier nichts!' Ich dachte über diese Worte nach. Was hatten diese Leute nur vor mit mir?

Ich war in Gedanken vertieft, doch plötzlich kam der Mann von vorhin wieder. Er hebte den Stuhl wieder hoch. Dann löste er meine Fesseln und hielt mich so fest am Arm, dass es wehtat. Er zerrte mich wieder heraus. Ich erkannte die Gegend wieder. Es war die gleiche Gegend,

wie vor ein paar Monaten, als sie mich das erste mal hier her brachten. Er zerrte mich zurück in den Transporter. Ich sah wieder Davut vor mir sitzen. Links und rechts neben mir saßen wieder zwei dieser Männer. Sie waren alle gleich gekleidet und daher konnte man sie nicht voneinander unterscheiden.

"Und, wie war's? Erzähl

mir mal was du da drinne so erlebt hast." sagte Davut.

Mir kamen erneut die Tränen, aber ich blieb leise. Er holte mein Socke und meinen Schuh und zog sie mir wieder an. Dabei tat er so, als wäre er fürsorgend. Es tat immer noch höllisch weh.

"Nagut, dann nicht. Ich wollte dir nur mal zeigen, was so passiert, wenn du mir nicht gehorchst." gab er lächelnd hinzu.

Dann gab er ein Handzeichen und der Wagen fuhr los. Die ganze Fahrt über kamen mir ab und zu unbemerkt die Tränen, aber diesesmal gab ich kein Ton von mir. Als wir ankamen, wandte Davut nochmal seine Blicke zu mir. Er hielt

mich am Kinn fest und zog mein Kopf in seine Richtung.

"Du bist uns für eine Weile los, aber glaube ja garnicht, dass wir nicht wiederkommen." sagte er wieder mit seinem bösen lächeln.

Sie setzten mich vor meiner Haustür ab. Ich ging zittrig die Treppen hoch. Als ich den Schlüssel aus der Jackentasche holte und die Tür damit öffnen wollte, öffnete sie jemand. Meine Mutter und mein Bruder standen mit gepacktem Koffer im Flur.

"Woher kommst du? Ich dachte du schläfst!" schrie sie wütend.

"Es ist 5 Uhr morgens, wo warst du? Gib mir eine Antwort!" gab sie schreiend hinzu.

"M-Mama? Ich war frische Luft schnappen. Hatte Kopfschmerzen." sagte ich zittrig.

"Gut!" sagte sie mehr oder weniger unüberzeugt.

"Wir fahren wieder zurück!" sagte sie immernoch wütend.

Mir kamen die Tränen. Ich fiel ihr in die Arme.

"Passt gut auf euch auf! Ich liebe euch." sagte ich heulend.

Ihr Wut löste sich und sie umarmte mich ebenfalls. Dann löste ich mich von ihr und gab meinem kleinen Bruder einen Kuss auf die Stirn. Sie gingen raus und stiegen in den Fahrstuhl. Ich winkte ihnen nocheinmal weinend zu. Dann schlossen sich die Türen des Fahrstuhls. Ich ging in meine Wohnung rein und setzte mich ins Wohnzimmer. Ich zog meine Socken aus und schaute auf mein Fuß. Die Stelle an dem der Nagel nichtmehr da war, war schon etwas getrocknet. Ich lief ins Badezimmer, waschte die stelle und machte ein kleines Verband drum. Dann ging ich in meim Zimmer und zog mir frische Sachen an. Dann verließ ich das Haus und machte einen Spaziergang in Richtung Friedhof. Vorher ging ich in einen Blumenladen und kaufte weiße Rosen. Dann stezte ich meinen Weg fort. Als ich ankam, lief ich zum Grab meines Vaters. Ich setzte mich hin und legte die Rosen auf sein Grab.

"Vater? Es ist soviel passiert. Ich weiss nicht wo ich anfangen soll. Aber du fehlst mir sehr! Warum hast du uns nur allein gelassen? Was hattest du nur mit diesen schmutzigen Leuten zu tun? Schau nur, sie lassen mich nicht mehr in Ruhe!..." dabei füllten sich meine Augen "...Sie haben mir schreckliche Sachen angetan! Sie verlangen etwas von mir, was ich nicht machen kann! Ich hab noch nie etwas illegales gemacht!" Ich fing an zu weinen. Mehrere Minuten legte ich mein Gesicht auf das Grab und heulte still. Dann lächelte ich gezwungen.

"Aber es sind auch gute Sachen passiert. Ich habe Mert kennengelernt. Er ist ein sehr guter Mensch! Er hat mir geholfen und ich fühle mich nur noch bei ihn wohl. Ich hab immer so ein komisches Gefühl, wenn ich neben ihn stehe. So ein kribbeln im Bauch, so ein zittern an den Händen und Knien, so ein warmes Gefühl ums Herz. Er tut mir einfach so gut! Ich denke du würdest ihn auch mögen, wenn du ihn kennenlernen würdest."

Ich stand auf, wischte meine Tränen weg und verließ seinen Grab...

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