Ich trocknete meine Tränen. Am liebsten hätte ich die Kappe ins Meer geworfen um mich nie wieder daran zu erinnern, dass der Käpt'n tot war, doch ich brachte es nicht über Herz. Ich stopfte sie stattdessen in meinen Rucksack und hob meine Sachen auf.

Ich durfte jetzt nicht aufgeben, die Hoffnung verlieren. Ich hustete und fühlte wie die Tränen meine Gedanken vernebelt hatten.

Es dauerte bis ich zur Gruppe stieß, der Koffer war schwer genug an Land, aber ihn durch die reißende Strömung des Flusses zu tragen war schon eine Herausforderung.

"So", sagte ich und stellte den Koffer vor dem Haufen, der sich dort angesammelt hatte ab.

"Was haben wir alles gefunden?"

Barbara und Theodor hatten doch tatsächlich einen wasserfesten und kaum beschädigten Erste-Hilfe-Kasten gefunden. Madison und John hatten zwei kleine, wasserfeste Planen und einen kleinen Koffer gefunden.

Sehr gut! freute ich mich innerlich und zeigte dann auf Angelo und seine Freunde.

"Und was habt ihr gefunden?"

Sie zeigten mir ein komisches Teil, was wohl mal zum Schiff gehört hatte und nun locker als Topf durchging. Das Brillenmädchen hatte noch eine kleine Kiste mit Schiffszwiback in den Händen, die sie eilig auf den Haufen legte.

Die rote Zora und ihr Bruder hatten einen Rucksack beizusteuern, die beiden Dicken hatten nur eine kaputte Lampe gefunden.

"Besser als nix!" munterte ich sie auf, als sie ihre klägliche Ausbeute auf den Haufen legten.

"Und jetzt?" fragte die Zicke und warf ihre Locken zurück.

Mann!

Hatte sie etwa ihre Periode?

"Also", begann ich zu erklären, "wir werden weiter ins Innere der Insel vordringen. Auf dem Weg werden Fräulein Periode und ihr Halbaffen-Bruder ein paar Kokosnüsse von den Bäumen klopfen, als Wasservorrat."

Die Zwillinge sah mich beide zornig an, sagten jedoch nichts.

"Wir folgen dem Flusslauf, damit wir immer einen Wasserzugang haben. Dann suchen wir einen Unterschlupf, ein dicht bewachsener Baum, eine Höhle, irgendetwas!"

Ich hob meine Sachen wieder vom Haufen und lief zum Fluss, damit wir ihm folgen konnten. Die anderen taten es mir gleich und schon bald konnten wir den Strand nicht mehr sehen.

Insekten schwirrten herum und ich sah einige Affen auf den Bäumen herumspringen.

Sehr gut, hier werden wir nicht verhungern, war mein erster Gedanke.

Bald fand ich eine gute Stelle um ein Lager auzubauen.

Es war eine kleine Lichtung. An der Flussseite lag ein mächtiger Felsen, wie eine schützende Mauer und mitten auf der Lichtung stand ein Baum. Er war kleiner als die umliegenden Bäume und war dicht belaubt mit tiefhängenden Ästen.

"Perfekt!" Ich ließ meine Sachen fallen und ordnete an Stöcke zu sammeln.

Alle sahen mich zuerst fragend an, folgten jedoch der Anweisung und bald darauf lag neben dem Fels ein ordentlicher Haufen Äste und Stöcke.

"Ok, du und du", ich deutete auf Pumuckel, den Typen mit dem lange roten Zopf und die Brillenschlange, "Ihr sammelt trockenes Holz und Laub oder Moos." Ich wendete mich Barbara und Theodor zu.

"Ihr werdet nach 1 Meter langen, etwas 5 Zentimeter breiten geraden Stöcken Ausschau halten. Angelo, du folgst ihnen! Such nach jungen Ästen und Palmwedeln!"

Die drei nickten und verschwanden, ebenso Pumuckel und Brille.

Ich drehte mich zu Fräulein Periode und ihrem Mitläufer um.

"Die Zwillinge werden Kokosnüsse holen", teilte ich ihnen mit und sie verschwanden mit bockigen Mienen und einem Schnauben.

Ich befahl den zwei Dicken noch aus Lianen Netze zu weben, dann verkündete ich John und Madison, dass wir zusammen die Ehre hatten unser Strandgut zu untersuchen.

Ich gab Madison ihren Koffer, den sie freudestrahlend entgegennahm und mir tausend mal dankte, dann macht ich mich daran den anderen Koffer zu öffnen.

Es war Männerkleidung darin und ein paar Decken! Jackpot!

John hatte sich den grünen Rucksack, den ich gefunden hatte vorgenommen und brachte Insektenschutzmittel, zwei Trinkflaschen, drei Dosen voll Dosennahrung, eine kleine Wolldecke und Batterien ans Tageslicht. Komisch, warum waren Batterien darin, aber nichts in die man sie einsetzten konnte? Wer hat das den gepackt?

Aber ich freute mich trotzdem über unsere Ausbeute, besonders als Madison den Inhalt des zweiten Rucksacks präsentierte: ein sehr kleines Erste-Hilfe-Set, zwei weitere Wasserflaschen, beide noch gefüllt, ein relativ neu aussehendes Taschemesser, eine Kochausrüstung, also einen winzigen Topf, eine Kelle und ein weiteres Messer und zu guter letzt eine Taschenlampe, ohne Batterien.

"Das sieht doch gut aus!" meinte ich und wir verstauten alles wieder in den Rucksäcken.

Es konnte gar nichts mehr schief gehen!

Wir warteten auf die anderen und unterhielten uns über belanglose Dinge wie Uni oder Hobby. Ich erfuhr das Alter der beiden. Er war zwanzig und sie würde in weniger als einer Woche neunzehn werden.

"Dann werden wir wohl feiern müssen!" plauderte ich fröhlich und sie stimmte mir zu.

Dann erhob ich micb und nahm die Stöcke, die wir neben dem Felsen gelagert hatten und baute eine zeltartige Struktur um den Baum und verflocht dessen Äste darin.

Es sah schon fast perfekt aus. Ich schnappte mir lediglich eine der beiden Planen und baute sie so in mein Zelt ein, dass sie wie ein Dach fungierte.

"Tadaaa!" präsentierte ich unseren Unterschlupf, der hoffentlich groß genug war, um uns alle zu beherbergen.

Nach wenigen Minuten kamen der Pumuckel und der Kasten zurück, voll beladen mit trockenem Holz und Laub als Zunder.

Ich zeigte ihnen, was sie damit zu machen hatten und erklärte, wie sie das Feuer entfachten. Ich gab ihnen dafür die Streichhölzer und ermahnte sie sparsam zu sein. Der Kasten nickte. "Geht klar."

Ich baute, während sie versuchten das Feuer zu entzünden, darüber ein Gestell aus Holz, an dem wir den Topf aufhängen konnten um zu kochen.

Es kamen Barbara und Theodor mit Angelo zurück und ich zeigte ihnen, wie sie aus ihren Materialien Matratzen bauen konnten, auf denen wir bequem schlafen konnten.

Die Zwillinge brachten Kokosnüsse und öffneten sie mit meiner Hilfe. Dann kamen auch die Dicken mit ihrem Netz und ich half ihnen es auszuwerfen.

Alles schien perfekt zu sein. Wir hatten unser Unglück besiegt und ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Es wurde dunkel und wir knabberten alle ein Stück Schiffszwiback, bevor wir uns niederlegten.

Das hier war ein Paradis! Wir würden nicht verhungern oder verdursten, wir würden ein Leuchtfeuer entzünden, um Schiffe auf uns aufmerksam zu machen und ich konnte versuchen mit meinem Handy ein Signal zu senden. Wir waren nicht verloren!

Und mit diesem Gedanken glitt ich in einen traumlosesn Schlaf.

Tja, zu früh gefreut!

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