9. Kapitel - Erkundungstour mit Folgen

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Als ich oben in Victorias Zimmer stürmte, keuchte ich ziemlich, weil ich immer zwei Treppenstufen auf einmal genommen hatte um schneller zu sein. Sie schaute mich belustigt an: „Hat dich irgendwer verfolgt oder warum bist du so gerannt?" Ich lächelte leicht, war aber noch nicht wirklich in der Lage zu reden, ich ging kurz ins Bad und trank etwas Wasser, danach ging es wieder. „Also, ich durfte gerade Tessa Parker kennen lernen. Wer ist sie und was hältst du von ihr?", erklärte ich mehr oder weniger mein Anliegen und sprach ihren Namen dabei mehr wie eine Schlange, sprich zischend und nicht wie ein Mensch aus. „Okaaaay, magst du sie nicht?", fragte Vic argwöhnisch. „Äh ne, bin ich da etwa die einzige?!", fragte ich bestürzt. „Nein nein, Dominik mag sie auch nicht und die ganzen Zicken die wegen ihr nicht das Sagen haben.", stellte sie die Situation klar und kämmte sich die Haare. Interessant, Dominik mochte sie also nicht. „Ich verstehe nicht was euer Problem ist. Wie kann man Tessa nicht mögen, sie ist voll nett.", sagte Victoria während sie sich hochkonzentriert den Pony kämmte. Ich lachte laut auf: „Nett? Ne ganz bestimmt nicht." „Schau mal, sie hat einen Hund aus dem Tierheim adoptiert, statt sich einen Rassehund zu holen, er heißt übrigens Gucci und ist unglaublich knuffig.", versuchte sie mich umzustimmen nachdem sie fertig war. „Ihr Hund heißt Gucci??? Ach du große Güte. Da ich ja von dir nichts erfahre geh ich jetzt mal besser ne. Guten Appetit.", sagte ich und ging zu Tür. „Bist du sauer?", fragte Vic leicht panisch. „Neein, salzig.", trällerte ich und sprang die Treppenstufen hinab.
Immer wenn ich nachdachte musste ich laufen, deshalb machte ich seit zwei Stunden einen Rundgang durch das gesamte Gebäude. Ich hatte dabei interessante Dinge entdeckt, es gab ein Schwimmbad, und ein Teil des vierten Stockwerkes stand leer, von dort war ich aber ich auch mehr oder weniger sofort geflüchtet, weil ich sowas gruselig fand, also leer stehende Häuser, Schwimmbäder gehen voll klar. Irgendwann kam ich dann schließlich auch zu den Küchen, es roch verdammt gut hier unten, nach Essen, alles was das Herz begehrt. Ich stellte mich interessiert an die Durchreiche und beobachtete die Köche und Köchinnen bei der Arbeit, es wurde mit Geschirr geklappert, Pfannen geschwenkt, in Töpfen umgerührt, es hatte etwas entspannendes. Doch dann wurde ich je aus meinen Gedanken gerissen, ein Typ stand vor mir und schaute mich fragend an. „Öhm hast du was gesagt?", fragte ich und lächelte leicht bedröppelt. Er trug diese typischen karierten Kochhosen, also war er ein Küchenjunge. „Ich habe dich gefragt was du da genau machst...", wiederholte er seine Frage und legte den Kopf leicht schief. „Naja ich habe mehr oder weniger einen Rundgang gemacht um besser denken zu können und dabei bin ich hier gelandet.", erklärte ich und blickte nervös zur Seite, was wollte der Typ von mir? War das irgendwie verboten, oder was?
Plötzlich lachte er: „Kein Grund so angespannt zu sein, es kommt nur sehr sehr selten vor das Internatsschüler nach hier unten verlaufen." „Woher weißt du das ich aus dem Internat bin?", fragte ich erstaunt. „Erstens gibt es nicht viele andere Möglichkeiten und zweitens verrät dich deine Uhr.", erwiderte er und nickte zu meinem Handgelenk. Ich rückte sie unwillkürlich gerade und fragte weiter: „Wie jetzt, warum verrät mich meine Uhr? Das ist doch eine ganz normale Céline Uhr!" „Das ist es ja eben, nur die Internatsschüler können sich das leisten bzw. ihre Eltern...", antwortete er und warf mir einen abschätzigen Blick zu. Die Uhr war ein Erbstück, sie hatte mal einer meiner Urgroßmütter gehört. „Dafür kann ich doch nichts!", verteidigte ich mich. „Ne natürlich nicht, nur es ist ziemlich ungerecht.", meinte er und drehte sich um. „Warte!", rief ich leicht panisch. „Was ist denn noch?", jetzt klang er sogar genervt. „Ähm also könnte ich dir vielleicht helfen in der Küche..., wie heißt du eigentlich?", wagte ich einen Versuch. „Ich heiße Marlon.", jetzt grinste er wieder. „Was willst du denn groß machen, du willst doch wohl nicht das deine schönen zarten Händen etwas angetan wird!", und wieder dieser abschätzige Blick. „Das stimmt überhaupt nicht, du hast zu viele Vorurteile!", warf ich ihm vor. „Und du bist naiv.", hielt er dagegen. „Einerseits bin ich Vaters Töchterlein, die alles zugesteckt bekommt, aber was machen darf ich auch nicht!", sagte ich vor den Kopf gestoßen. Er verdrehte die Augen und sagte: „Okay, aber wenn du heute nicht eine effektive Hilfe bist brauchst du nie wieder anzukommen!" Ich quietscht leicht und umarmte ihn: „Danke Marlon, du wirst es nicht bereuen." 

Jolene - Eine Internatsgeschichte Lies diese Geschichte KOSTENLOS!