Fast schien es, als hätte diese unsichtbare Macht, die nach ihm griff, ihn abgetastet und dann von sich gestoßen.

Gerrit bemerkte, dass er sich wieder frei bewegen konnte, leider traf dies auf Lisa nicht zu. Doch ihr Freund zog sie hinter sich her.

„Gerrit, ich kann nicht mehr,“ sagte sie nach kurzer Zeit, die Sonne war schon zur Hälfte versunken, fast schon verzweifelt.

„Du musst aber. Ohne dich geh ich nicht zurück nach Raichelbach! Und ich lass dich auch nicht zu den Statuen gehen,“ sagte Gerrit und packte jetzt auch Lisas anderen Arm und zog sie ein weiteres Stück hinter sich her.

Doch dann trat sie nach ihm und erschrocken ließ sie ihn los. Gerrit wusste, dass dies nicht an ihr, sondern vielmehr am Ruf der Statuen lag.

So schnell er konnte folgte er Lisa und riss sie zu Boden. Gemeinsam lagen sie nun im Feld, auf dem vor kurzem noch die Ernte eingefahren worden war.

Die Sonne war inzwischen fast vollständig am Horizont versunken und als Gerrit auf sah bemerkte er, dass sie sich erschreckend nahe am Wald befanden.

„Lass mich los,“ jammerte Lisa. „Ich muss da hin gehen!Ich will das nicht. Aber ich kann nicht mehr!“

Sie schlug nach Gerrits Gesicht und traf schmerzhaft seine Wange. Er hielt ihre Hand fest und wollte seine Freundin hoch ziehen.

Im Feld konnten sie nicht bleiben, er wusste nicht, ob die Statuen nicht unter Umständen bis dorthin kommen würden. Wieder einmal ärgerte er sich darüber, dass er, anders als Jonas, keine wirksamen Waffen gegen diese Dämonen besaß. Doch er war sich auch bewusst dass er nicht allzu viel damit hätte anfangen können.

Sein Blick fiel auf ein altes Steinkreuz, das ungefähr auf halber Strecke zwischen Raichelbach und dem Wald lag. Wenn sie es doch wenigstens bis dorthin schaffen würden.....

Die Sonne war nun vollständig untergegangen und schnell wurde es dunkler. Noch immer hielt Gerrit Lisa fest, als mit einem Mal ein Licht aus Richtung Raichelbach schnell auf sie zu kam.

„Ein Auto,“ dachte Gerrit und hoffte, dass sie auf diese Weise vielleicht Hilfe bekommen würden.

Tatsächlich stoppte der Wagen neben ihnen. Frau Huber saß am Steuer. Sie hatte das Fenster herunter gelassen und deutete auf die Tür zum Rücksitz.

„Los, steigt schnell ein,“ rief sie und mit Mühe zerrte Gerrit seine Freundin hoch und stieß sie unsanft auf die Rückbank ehe er hinterher kletterte und Frau Huber den Wagen auf dem Feldweg wendete.

„Hoffentlich rufen sie sie nicht auch,“ dachte Gerrit besorgt. Mit einem Auto wären sie so schnell am Waldrand.....

Doch Frau Huber beschleunigte das Tempo des Wagens und bald darauf erreichten sie Raichelbach.

Mittlerweile hatte sich Lisa wieder beruhigt und schuldbewusst sah sie auf Gerrits Wange. „Ich hab immer noch das Gefühl, als müsste ich zum Wald gehen. Aber es ist auszuhalten und ich kann mich dagegen wehren! Wie kommt das?“

„Das liegt an dem Eisenkraut,“ sagte Frau Huber grimmig und deutete auf einen Blumentopf, den sie auf den Beifahrersitz gestellt hatte.

„Ich dachte, das wäre nicht schlecht. Vielleicht wirkt es ja auch in Autos. Und wenn ich euch in so einer Situation schon suchen muss....“

Schnell stiegen sie aus und betraten den Gasthof. Mittlerweile war es fast vollständig dunkel geworden und im Ort brannten bereits die Straßenlaternen.

„Zum Glück hab ich im ganzen Haus dieses Kraut aufgestellt. Das hab ich ja damals schon gemacht, nachdem ich wusste, dass es hilft. Fast, als hätte ich geahnt, dass es noch mal Ärger mit Statuen gibt! Ihr wart doch da, oder? Ihr wart neugierig und habt nicht auf mich gehört,“ sagte die Gastwirtin streng und warf Gerrit und Lisa einen bösen Blick zu.

„Ja.Wir wollten wissen, womit wir es zu tun haben,“ antwortete Lisa kleinlaut und strich sanft über Gerrits Wange. „Tut mir leid, dass ich dich geschlagen habe. Hier drin fühle ich mich übrigens viel sicherer!“

„Schon gut,“ antwortete Gerrit und drückte Lisa an sich. „Es tut mir leid dass du überhaupt in die Situation gekommen bist. Es war meine Idee nachzusehen.....“

„Bleib heute Nacht hier, Lisa, bei Gerrit,“ sagte Frau Huber ein wenig freundlicher, ehe sie den Kopf schüttelte.

„Warum können junge Leute eigentlich nie auf Erwachsene hören? Schlimm ist so was! Und ich ruf gleich mal bei Jonas an.....“

„Tut mir leid, dass er schon wieder in so was rein gezogen wird,“ murmelte Gerrit bedrückt.

„Das ist doch nicht deine Schuld, und zu den Statuen wollte ich ja auch mit. Du hättest mich gar nicht davon abhalten können mitzukommen,“ sagte Lisa tröstend zu ihrem sich Vorwürfe machenden Freund.

„Hoffentlich kann Jonas überhaupt kommen. So lange wie diese Dinger hier in der Gegend umgehen und es auf uns abgesehen haben setze ich allein und vor allem im Dunkeln keinen Fuß mehr vor die Tür!“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!