21. Lügen und Wahrheit

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Lied: JRY, Rooty - Pray

Reading Night ~ t h r e e

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Starr blicke ich auf den Tisch vor mir, während Hailey mich besorgt mustert. "Baby, ist alles gut?", fragt sie sanft nach und setzt sich neben mich auf die Couch. Zac steht grübelnd an der Seite ohne ein Wort zu verlieren. "I-ich wurde angelogen. Die ganze Zeit lang.", murmel ich fassungslos und stütze meinen Kopf in die Hände. Nachdem Jason mir alles erzählte und dann auch noch Mason erwähnte brach für mich eine Welt zusammen. Mein ältester Bruder, der von dem ich dachte er wäre immer ehrlich gewesen. Ja ich war noch ein Kind, aber man glaubt nicht wie weh das tut.

Der Gedanke, dass er so viel Macht gehabt hatte und ich nichts davon wusste, nichts von seiner anderen Seite wusste bringt mich um. Es ist klar, dass man einen Menschen, wenn er nicht länger da ist, niemals vergessen wird. Jedoch hat man ständig die Angst auch nur die kleinste Sache an dieser Person zu vergessen. Immer mehr schwinden die kleinsten Erinnerungen und geben einem das Gefühl, die Person nie richtig gekannt zu haben.

Egal ob es die banalsten Dinge sind, wie der Klang der Stimme oder auch nur der Gang, hat man Angst.

Von Tag zu Tag wird alles verschwommener und hinterlässt Ungewissheit.

"Lin, sag uns was wir machen sollen.", murmelt Hailey bittend und streicht mir über die Schulter. "Geht.", hauche ich leise und hebe meinen Blick an. "Ihr müsst nichts und könnt nichts machen, also geht. Ich komme klar." Zac schüttelt den Kopf. "Wir lassen dich doch jetzt nicht-" "Bitte.", unterbreche ich ihn flehend und raufe mir verzweifelt durch die Haare.

"Bitte geht einfach." Zögernd steht Hailey von der Couch auf und nickt Zac auffordernd zu. "Na los." Ohne ein weiteres Wort verlassen sie meine Wohnung und lassen mich allein. Sobald sie draußen sind brodelt die Wut an die Oberfläche und lässt mich komplett ausrasten. Sauer schmeiße ich das Kissen in meinem Schoß gegen die Wand. Darauf folgt die Vase, der Blumentopf, meine Tasse.

Verzweifelt werfe ich Unmengen an zerbrechlichen Dingen durch die Wohnung, ehe ich erschöpft auf den Boden falle. Jedes mal, wenn ich denke alles wird gut, kommt was neues und zerstört alles.

Es stimmt, ich vermisse Asher, ich vermisse alle, meine Mum, sogar die Schule.

Doch irgendwann kann ich das alles nicht mehr halten.

Mason als Anführer einer Gang. Der liebevolle, fürsorgliche Bruder.

Er belog mich. Alle belogen mich.

Ist es denn wirklich zu viel verlangt ehrlich zu sein, jemandem nicht ins Gesicht zu Lügen und auch nichts vor zu machen?

Ich habe nie etwas von jemanden verlangt und das ist der Danke dafür? Ich hätte auch niemals Danke verlangt, denn so bin ich einfach nicht. Doch die Wahrheit wäre zur Abwechslung mal ganz nett gewesen.

Unerwartet zucke ich zusammen, als es an der Tür klopft. Mit zitternden Knien gehe ich auf sie zu und öffne sie ein wenig.

Trotz der Müdigkeit in meinem Körper reiße ich die Tür weiter auf und sehe ihn besorgt an.

"Was hast du schon wieder gemacht?", frage ich leise und ziehe Asher an seinem Arm in die Wohnung. "Dieser Drake ist ein Arschloch.", zischt er genervt und fasst sich an die blutige Unterlippe. "Drake?", frage ich verwundert nach. "Der Wichser denkt echt mich provozieren zu müssen. Steht unten vor deiner Tür, raucht 'nen Joint und grinst mich pervers an." Wütend sticht sein Kiefer hervor, während seine Hände zu Fäusten geballt sind.

Fucking Complicated / Asher-FortsetzungLies diese Geschichte KOSTENLOS!