18. Gefühlschaos

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Lied: Charlie Puth - Dangerously

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         Lin's P.o.V

Mit stark verschwommener Sicht renne ich die Stufen hinunter, als meine Knie nachgeben und ich mit dem Po auf eine Stufe falle. Schluchzend verdecke ich mithilfe meiner Hände mein Gesicht.

Immer wieder hallen mir seine Worte durch den Kopf und schießen neue Tränen in meine Augen.

>Ich liebe dich, Melinda<

Meine Tränen rinnen mir pausenlos übers Gesicht. Ich spüre seine Finger immernoch auf meiner Haut. Zitternd ziehe ich mich am Geländer hoch, doch schaffe es nicht und falle erneut hin. Innerlich hasse ich mich dafür nicht stark genug zu sein, um ihm zu verzeihen. Ich kann diesen Schmerz nicht mehr spüren, denn von Tag zu Tag ersticht er mich, fühlt sich an, als ob mir Millionen Mal am Tag ein Messer in die Brust gerammt wird.

Meine Brust schmerzt, als mir seine Tränen in den Kopf kommen, seine Verzweiflung, seine Worte.

Doch ich kann nicht vergessen, wie er in dieser leeren Halle stand und so herzlos, so...nicht Asher war.

Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an ihn denke, an dem ich ihm nicht um den Hals fallen, ihm verzeihen will, ihm zeigen will, dass ich nichts auf dieser Welt mehr Liebe oder Begehre, als ihn.

Doch ich halte es nicht mehr aus, ihm in die Augen zu sehen, seine 'Sekretärin' zu sein, solange der Schmerz nicht vergeht. Und er wird auch nicht vergehen, denn das tat er die letzten Jahre auch nicht.

Da ich mich so langsam beruhige, versuche ich es nochmal mich hochzuziehen und gehe auf wackeligen Knien bei der nächsten Etage aus der Tür, um den Fahrstuhl zu nutzen.

Ich will garnicht wissen, wie angeschwollen meine Augen sein müssen. Seufzend drücke ich auf den Kopf, während mir erneut die Tränen in die Augen steigen.

>Ich kann nicht ohne dich<

Schmerzhaft zieht sich meine Brust zusammen.

>Nicht mehr<

Schniefend gehe ich in den Fahrstuhl und lehne mich erschöpft gegen die Wand. Draußen vor den Gebäude steige ich mit zitternden Händen auf mein Motorrad und starte es gleich.

Knapp eine halbe Stunde später komme ich vor der Wohnung an und spüre bereits wie meine Gefühle sich einen Weg durch die Mauer meißeln. Sie kratzen daran, flehen darum endlich richtig raus gelassen zu werden.

Sobald ich die Tür aufschließe zieht ein stechender Schmerz durch meinen Magen, während mir erneut die Tränen aufsteigen. Ich kann nicht mehr. Kann nicht mehr alles reinfressen.

Und da überrannt mich alles.

"Oh da bist-" Schluchzend falle ich auf die Knie und lasse alles raus. Die Frust, die Verzweiflung, den Schmerz, meine Liebe zu Asher. Zac stürzt sofort zu mir auf den Boden und rüttelt leicht an meiner Schulter, doch nichts dringt zu mir durch. Wie in Trance schlägt meine Hand immer wieder auf den Boden, doch ich ignoriere den Schmerz in ihr.

Ich ignoriere den Schmerz, der durch meine Adern pulsiert, lasse mich fallen.

Immer wieder tropfen neue Tränen auf das dunkle Parkett, während meine Hand schon rot anläuft. "Hey hey, sieh mich an."

Ich bin nicht im Stande ihm zu antworten, da alles ankommt, als würde ich in Watte stecken. Erneut tauchen seine Bilder in meinem Kopf auf. Wie zart er mich küsste, wie er mich mit seinem typischen Grinsen anblickte, mich beschützte, wie er mich dazu brachte mich ihm hinzugeben, mit wieviel Lust und Begierde er mich ansah.

Ich hab ihn verloren, weil ich zu schwach bin.

Plötzlich wird meine Hand festgehalten und stark an eine Brust gedrückt. Geschockt blicke ich zu Zac, der mich traurig ansieht, ehe seine Arme mich stark umschließen und mich an ihn drücken. Heulend kralle ich meine Finger in seinen Hoodie um den nötigen Halt zu finden. Sanft streicht er mir durch die Haare.

"Shh, es wird alles gut werden.", raunt er mir beruhigend zu, doch nein. "Ich liebe ihn so sehr, ich kann nicht mehr.", schluchze ich stark in seine Schulter. "Ich hab ihn verloren." Nichts als ein lautes krächzen verlässt meinen Hals, woraufhin Zac sich löst und mir besorgt in die Augen sieht. "Was ist passiert?"

Als die Erinnerungen erneut auf mich einprasseln, entweicht mir ein Schluchzen. "I-ich kann ihm n-nicht verzeihen."

♤♤♤

Starr liegt mein Blick auf dem Fenster, welches den Ton vom Aufprall des Regens wiedergibt. Seit gefühlt zwei Stunden sitze ich in der gleichen Position, mit dem gleichen Ausdruck auf dem dunklen Sessel, während mein Gehör sich auf den Regen konzentriert.

"Hier.", unterbricht mich Zac und reicht mir lächelnd eine Teetasse. Zögernd nehme ich sie an und setze mich in den Schneidersitz. "Ich weiß man will sowas nicht hören, aber...willst du reden?" Zwar schüttel ich meinen Kopf, doch richte meinen Kopf anschließend in seine Richtung.

"Wurdest du schon mal so sehr verletzt, dass du an dir selbst gezweifelt hast?", frage ich leise und lege meine beiden Hände um die wärmende Tasse. "I-ich denke nicht." Verwundert sehe ich ihn an, wobei er sich nervös die Hände reibt. Auf die Lippe beißend hebt er seinen Kopf, ehe er mir in die Augen sieht.

"Ich zweifelte an mir, weil ich derjenige war, der verletzte." Seufzend rauft er sich die Haare. "Als ich 19 war, traf ich auf dieses Mädchen und gott, sie war eine Göttin. Das schönste das ich damals sah. Sie war genau wie jedes andere Mädchen, aber trotzdem so anders. Auf ihre eigene Art war sie was besonderes. Ich sprach sie an, wollte mehr über sie erfahren und dann fing alles an."

Grübelnd beiße ich mir auf die Lippe.

"S-sie fing an sich mit mir zu treffen und irgendwann verliebte sie sich. Aber ich war erst 19 und verdammt naiv und dumm. I-ich wusste, dass ich sie mindestens so sehr liebte wie sie mich, jedoch wollte ich es mir nicht eingestehen. Zu der Zeit verfiel ich immer mehr in eine Sucht und trank ununterbrochen. Sie versuchte alles was sie konnte und dann, dann betrog ich sie." Gequält verzieht er sein Gesicht.

"Melinda, ich erzähle dir das nicht, weil ich mich jetzt ausheulen will. Sondern weil ich weiß, wie sehr man eine Tat bereuen kann. Ich liebte sie und verlor sie. Zwar kenne ich eure Geschichte nicht, doch vielleicht bereut er es mehr als du denkst." Kopfschüttelnd blicke ich in meinen Schoß, als Zac sich vor mich auf den kleinen Tisch setzt und mein Kinn anhebt.

"Menschen machen Fehler. Fehler sind dazu da, um etwas daraus zu lernen und vielleicht versucht er genau das. Ich beschütze ihn nicht, denn um ehrlich zu sein hätte ich es gern mit dir versucht-", grinst er und zuckt mit seinen Schultern. "Aber selbst ein blinder würde sehen, wie sehr du an diesem Mann hängst. Und so wie ich das sehe bist du nicht verzweifelt, weil du ihm nicht verzeihen kannst. Du bist verzweifelt, weil dir das alles Angst macht. Gefühle sind wohl das eigenartigste auf dieser Erde und verdammt sie lassen uns dumme Dinge tun und uns Sachen bereuen. Doch so sehr Liebe uns glücklich machen kann, so sehr kann sie uns auch brechen. Gib nicht auf, Lin." Überrascht sehe ich ihn an.

"Wow.", murmel ich lächelnd und ziehe ihn in eine Umarmung. "Danke Zac, doch ich weiß nicht ob ich das eingehen will." Zügig stehe ich auf -ignoriere sein frustriertes Seufzen- und gehe die Treppen nach oben in mein Bett.

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Ich gehe davon aus, dass bis zum Wochenende kein Kapitel kommen wird, weil ich ziemlich viel Schulsachen zu tun habe -_-😢

Sorry🙈

Karina😚

Fucking Complicated / Asher-FortsetzungLies diese Geschichte KOSTENLOS!