Kapitel 27

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Pov. Luca
"Wo soll ich schlafen?" ,frage ich nach einer Weile. Max und ich stehen nebeneinander in seinem Zimmer und schauen auf sein Bett. "Wir könnten die Matratze von Chiara neben mein Bett legen." ,meint Max und sieht zu mir rüber. "Stört sie das nicht?" ,frage ich verwundert. "Bei dir nicht." ,meint dieser nur und verlässt das Zimmer. Schnell folge ich ihm in das Zimmer seiner Schwester. Max nimmt den rießen Teddy vom Bett und legt ihn auf den Boden. Ich beobachte ihn dabei genau und kann mir nicht verkneifen ihm auf den Arsch zu schauen. Mein Blick hebt sich aber schnell wieder als er meinen Namen sagt. "Äh was?" ,frage ich. "Ich hab gefragt ob du mir tragen helfen kannst." ,wiederholt Max und ich nicke schnell. Gemeinsam tragen wir die Matratze in sein Zimmer und legen sie neben Max' Bett. "Ich hol schnell ein Kissen und eine Decke." ,meint Max und verlässt sein Zimmer.

Ich nutze die Zeit und sehe mich ein wenig in seinem Zimmer um. Eine Stelle an der Wand sticht mir sofort in's Auge. Über seinem Bett hängen ziemlich viele Bilder und drumherum eine Lichterkette. Ich kniee mich auf sein Bett um mir die Bilder genauer ansehen zu können. Auf vielen Bildern ist er selbst und ihm Hintergrund sind meistens irgendwelche Sehenswürdigkeiten. Aber auf einigen Bildern sieht man auch Seppl, Chiara, eine Frau die ich als seine Mutter identifiziere und einen Mann, der Max verdammt ähnlich sieht. Der Mann ist aber nur auf älteren Bildern mit drauf. Auf den Neueren ist Max nur alleine oder mit Seppl drauf. Was wohl psssiert ist? "Gefallen dir die Bilder?" ,fragt Max mich. Ich drehe mich um und sehe ihn leicht lächelnd neben dem Bett stehen. "Du reist gerne oder?" ,frage ich und lächle dabei schief. Max kommt zu mir auf's Bett und knieet sich neben mich. "Ja. Früher sind wir immer mit der ganzen Familie gereist. Ich hab das geliebt, aber zur Zeit reise ich eigentlich nur alleine und auch nicht mehr so oft wie früher." ,erklärt er mir. Wir schauen weiterhin auf die Bilder und Max legt seinen Kopf auf meiner Schulter ab. "Was ist passiert?" ,frage ich nach einigen Minuten der Stille. "Was meinst du?" "Wieso reist ihr nicht mehr als Familie?" ,frage ich weiter. "Aus mehreren Gründen." ,meint dieser nur und steht von dem Bett auf. "Was für Gründe?" ,frage ich hartnäckig weiter. "Luca, ich will da drüber nicht reden okay? Ich glaube es ist besser wenn wir jetzt schlafen gehen." ,meint dieser nur abweisend. Ich nicke und stehe ebenfalls auf. Wir machen uns Bettfertig und gehen schlafen. Max im Bett und ich auf der Matratze seiner Schwester. Er schaltet das Licht aus und murmelt ein "Gute Nacht". Ich wünsche ihm auch eine gute Nacht, kann aber nicht einschlafen. Wieso will Max es mir nicht sagen? Der Mann auf den Fotos ist devinitiv sein Vater, er sieht ihm so ähnlich. Ist sein Vater vielleicht gestorben? So wie meine Mutter? Ich zerbreche mir noch ein wenig den Kopf darüber, bis Max plötzlich anfängt zu sprechen.

"Ich weiß nicht ob du schon schläfst oder noch wach bist, aber ich werde es dir jetzt einfach erzählen. Der Mann auf diesen Fotos ist mein Vater. Eigentlich nenne ich ihn schon lang nicht mehr so. Für mich ist er kein Vater mehr, wenn er mein Vater wäre hätte er uns nicht einfach so verlassen. Er ist mit einer fünfzehn Jahre jungeren Frau abgehauen, einfach so. Ich habe ihn seit dem nie wieder gesehen. Will ich auch um ehrlich zu sein gar nicht. Seit er weg ist muss Mom immer mehr arbeiten und sie hat nicht mehr so viel Zeit wie früher. Irgendwann ist Seppl dann auch noch ausgezogen und Chiara und ich sind meistens allein zuhause. Ich kümmer mich auch immer um das Essen, die Wäsche, ich putze das Haus wenn es nötig ist und ich versuche für Chiara da zu sein. Chiara braucht mich hier, Mom braucht mich hier, ich kann nicht einfach weg und Urlaub machen. Ich vermisse es aber sehr, das Reisen hat mir immer das Gefühl von Freiheit gegeben und das habe ich schon lang nicht mehr gefühlt. Meine Freunde vernachlässige ich auch immer mehr. Alex kommt manchmal noch zu mir oder wir machen was zusammen, aber das auch nicht mehr so oft wie früher. Luna seh ich auch nur noch in der Schule, weil immer wenn ich mal Zeit hab hat sie keine und umgekehrt. Ich vermisse mein früheres Leben, das hier ist scheiße. Wieso hat mein Vater das getan? Wieso hat er uns allein zurück gelassen? Wieso musste er mein Leben zerstörn? Okay vielleicht übertreibe ich mit dem Letzten ein bisschen, aber es fühlt sich halt nicht mehr so an als würde ich leben. Es ist einfach nur...ich kann nicht das machen was ich will. Klar es gibt Ausnahmen, so wie heute. Aber es ist halt nicht's im vergleich zu früher. Ich hasse meinen Vater dafür. Er ist ein verdammtes Arschloch." Max hat immer mehr angefangen zu schluchzen und weint mittlerweile bitterlich. Ich kann dabei nicht mehr zuhören und stehe auf. Vorsichtig schlüpfe ich zu Max unter die Decke und umarme ihn von hinten. Er dreht sich in meinen Armen um und umarmt mich fest. Max schmiegt sich an mich und legt seinen Kopf auf meine Brust. Das Weinen wird leiser und er schluchzt nur noch. Ich streichel ihm beruhigend über den Rücken und gebe ihm immer wieder kleine Küsse in die Haare. Irgendwann verstummt Max und man hört nur noch das gleichmäßig Atmen von uns beiden.

"Danke." ,nuschelt er irgendwann gegen meine Brust. "Für was?" Max hebt den Kopf um mich ansehen zu können, umarmt mich aber weiter. "Dafür das du für mich da bist und vielleicht auch für den Abend heute. Er war einer der Schönsten, seit langem." ,meint er und lächelt schief. "Hab ich gern gemacht." ,sage ich und lächle vorsichtig. Er erwidert es und ich streiche ihm die Tränen, die er noch auf der Wange hat, weg. Wir schauen uns ein Moment lang in die Augen, bis Max sich räuspert. "Es ist bestimmt schön noch beide Elternteile zu haben oder?" ,fragt er mich jetzt. Das Lächeln aus meinem Gesicht verschwindet und Bilder von meiner Mutter tauchen in meinem Kopf auf. "Das kann ich dir auch nicht sagen." ,meine ich traurig. Max bemerkt es sofort und setzt sich auf. "Hab ich was falsches gesagt?" ,fragt er vorsichtig und sieht mich mitfühlend an. "Nein, es ist nur- meine Mutter lebt nicht mehr." ,sage ich schließlich und kann eine Träne nicht zurückhalten. "Was ist passiert?" ,fragt er vorsichtig und kommt wieder näher zu mir. "Sie ist an einem Herzinfarkt gestorben. Ich hab sie gefunden, aber es war schon zu spät." ,erzähle ich und wische mir über meine Augen. Max sagt nicht's sondern umarmt mich nur still, so wie ich vorhin ihn. "Wann-also wann ist sie gestorben?" ,nuschelt er leise ihn mein Ohr. Ich ziehe ihn noch näher an mich und lege mich auf den Rücken, sodass er jetzt auf mir liegt. "Vor Fünf Jahren." ,murmel ich in seine Haare. Er hat sein Kinn auf meine Schulter und seinen Kopf an meinen gelegt. Es ist wieder still zwischen uns, keiner sagt etwas. Max traut sich wahrscheinlich nicht's zu sagen, aus Angst er könnte mich damit verletzten. "Du kannst ruhig fragen wenn du willst." ,sage ich in die Dunkelheit hinein. Nur die Lichterkette bei seinen Bildern, spendet ein wenig Licht. Max bewegt sich kurz und hebt seinen Kopf. Er legt seine Arme auf meine Brust und seinen Kopf auf seine Arme. Seine eine Gesichtshälfte wird von der Lichterkette angestrahlt, die andere bleibt dunkel. Er sieht so schön aus, aber das dachte ich auch schon vorher.

"Hatte deine Mutter davor schon irgendwelche Herzprobleme?" ,fragt er langsam. "Nicht das ich wüsste, aber meine Eltern hätten mir es wahrscheinlich verschwiegen. Sie wollten nie das ich mir wegen irgendetwas Sorgen mache. Komisch ich weiß." ,beantworte ich seine Frage. "Was hast du gefühlt als du sie gesehen hast?" Ich schließe meine Augen um mich an den Moment zurück zu erinnern und verziehe das Gesicht. "Im ersten Moment wusste ich auch gar nicht was ich machen soll. Ich kann all diese Gefühle gar nicht wirklich beschreiben. Es war aber schrecklich und ich hoffe das ich so etwas niemals wieder erleben und fühlen muss." Ich öffne wieder meine Augen und schaue in die Schokoladenbraunen von Max. "Jetzt fühl ich mich dumm." ,meint dieser und lächelt vorsichtig. "Warum das?" ,frage ich verwundert. "Weil das was du erlebt hast viel Schlimmer war oder besser gesagt ist, als das mit meinem Vater." ,erklärt er mir. "Das würde ich so nicht sagen. Es ist beides auf seine Art und Weise schlimm." ,sage ich. Max nickt leicht und wir schauen uns wiedermal stumm an.

"Deine Mutter wäre bestimmt stolz auf dich." ,unterbricht Max wieder die Stille. "Wieso?" ,frage ich zurück. "Du bist erfolgreicher YouTuber, so ziemlich jeder mag dich. Du siehst gut aus und wirst später bestimmt mal eine schöne Frau heiraten und Kinder mit ihr bekommen." ,meint Max und irgendwie sieht er ein bisschen traurig aus während er das sagt. "Und was wenn ich das nicht will?" ,frage ich lächelnt. "Wie meinst du das? Du willst später mal keine Kinder?" ,fragt er verwundert. "Doch schon, aber ich will keine Frau. Ich will dich."

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