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Schon 1960 hatte der MIT-Experimentalpsychologe Joseph Carl Robnett Lidlicker die Vision einer Symbiose zwischen menschlichem Gehirn und Computer. Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz wie auch des Internets war damals nur möglich, weil das Militär die Forschungen finanzierte, und die ersten Anstrengungen galten der Kryptographie (Alan Turing) sowie der Flugabwehr. Die ursprünglich freiheitlichen oder gar anarchischen Tendenzen in der Computer- und Internetwelt wurden nach und nach zurückgedrängt durch den Einfluss des „militärisch-industriellen Komplexes". Gleichzeitig gab es die Vorstellung von sich selbst regulierenden und selbst lernenden Systemen, der „algorithmischen Regulation", nach denen die Gesellschaften funktionieren sollten. Das Ergebnis war eine technokratische Gestaltung der Politik, bei weitgehender Liberalisierung der Wirtschaft und gleichzeitig zunehmender Kontrolle und Überwachung der Bevölkerung.

Der Science-Fiction-Autor Iain Menzies Banks hatte in seinem „Kultur-Zyklus" bereits die Vorstellung, dass Roboter sozusagen als eine Art Schutzengel und ständige Begleiter schweren Straftätern zur Seite gestellt werden könnten, um weitere Straftaten zu verhindern und dass man so keine Gefängnisse mehr benötigte. Gleichzeitig sah er dies aber als eine Art von sozialem Tod an, da jeder dadurch erkennen könnte, wer etwas Schlimmes verbrochen hatte. Um eine solche Stigmatisierung zu vermeiden, müsste es so sein, dass die Begleitung durch einen Roboter als Leibwächter und Hilfskraft allgemein üblich wäre. Die angewandte Quantenkybernetik und der erwähnte jetzt tatsächlich entwickelte Chip sorgten im unteren Frontallappen und in assoziierten Hirnregionen dafür, dass keine Entscheidungen getroffen werden können und zur motorischen Umsetzung gelangen, die gegen bestimmte einprogrammierte Regeln verstoßen, also zum Beispiel keinerlei Gewalttaten gegen andere oder sich selbst und keine gesetzeswidrigen Handlungen. Eine Art Korrekturmodul, das verhindern soll, dass spezifische störende Funktionsweisen des menschlichen Gehirns mit entsprechenden unerwünschten Verhaltensweisen auftreten. Zunächst wurde diese Intervention in den Zwanziger Jahren nur auf freiwilliger Basis und quasi experimentell eingeführt, als Wahlmöglichkeit, alternativ zur elektronischen Fußfessel und dem Hausarrest, da letztere bei vielen nach einiger Zeit zu einer Art Koller führten, verbunden mit Nervosität und Schlafstörungen, und auch für Personen, die in der sog. Sicherungsverwahrung untergebracht waren und auf Probe in die Freiheit entlassen werden sollten. Es zeigte sich, dass der Chip nach kurzer Zeit kaum mehr im Bewusstsein präsent war und in gewisser Weise verdrängt wurde. Die „Probanden" konnten ein ganz normales Leben führen und fielen höchstens dadurch auf, dass sie sich auch nicht die geringste Normabweichung gestatteten, also etwa im Straßenverkehr ein wenig schneller zu fahren als erlaubt oder an der Ampel bei Gelb noch schnell durchzupreschen. Unerwünschte Nebenwirkungen gab es zunächst nicht, auch nach längerer „Anwendung". Natürlich war dafür gesorgt, dass niemand heimlich den Chip entfernen ließ, und bei unerlaubter Entnahme wurde ein Alarm bei der zuständigen Behörde ausgelöst. Inzwischen hat man den Chip so weiterentwickelt, dass kein Alarm nötig ist: das Herausnehmen verursacht einen solchen Schmerz, dass keiner auf die Idee käme, es zuzulassen. Die mit dem Chip versehene Person käme ohnehin nicht in Frage, da das Entfernen des Chips ja zu den untersagten Handlungen gehört, so dass allenfalls eine andere Person dies veranlassen könnte. Einige der Träger waren so begeistert von der Sache, dass sie auf die Idee kamen, zusätzliche Parameter in den Chip eingeben zu lassen, um bestimmte von ihnen selbst unerwünschte Gewohnheiten abzustellen. Etwa wenn jemand zu dick geworden war, konnte man das Essverhalten auf diese Weise so modifizieren, dass eine Normalisierung des Körpergewichts erfolgte! Auch wenn jemand immer noch rauchte, trotz der enorm gestiegenen Tabaksteuer und immer strikteren Einschränkungen, der konnte so auf elegante Weise das Rauchen endgültig einstellen. Gleiches gilt für den Alkoholmissbrauch. Es war sogar möglich, bei vorherigem Kontrollverlust, nunmehr „kultiviert" zu trinken, also das berühmte eine Glas Wein zum Essen.

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