Jenny POV 

Ich nickte Kevin zu bevor ich mich dazu aufraffte ins Bad zu gehen. Meinen Rucksack in der Hand, schloss ich sorgfältig die Tür, denn ich hatte keine Lust auf ungebetene Gäste. Das Bad war eine eckelhafte Nasszettel. Auf den Fliesen lagen unordentlich verteilte Bartstoppeln daneben ein Einwegrasierer und mehrere Zahnbürsten. Typisch Kevin, hatte extra für seine One-Night-Stands vorgesorgt. Mit schüttelndem Kopf griff ich nach einem hoffentlich frischen Handtuch und ließ meine Kleidung auf den Boden fallen. Schon drehte ich den Hahn auf und ließ das warme Wasser auf meinen verspannten Nacken aufprallen. Ich wusste nicht woran ich denken sollte, an eine relativ wilde Party oder an etwas schlimmeres? Als ich meinen Bauch betrachtete sah er so wie ich es sah, friedlich aus. Er war so unschuldig, so rein.

Nein, er passte nicht zu mir. Schnell ich brauchte Ablenkung. Man denkt zu viel in der Dusche und vergisst das Wesentliche. Nachdem ich frisch geduscht, ich fühlte mich noch immer wie eine der dreckigsten Personen in meinem Leben, stellte ich mich vor den kleinen Spiegel, trocknete mich ab, legte mir ein Cocktailkleidchen an, das an meinem Bauch spannte aber noch zu tragen war, schwarze Ballerinas und eine silberne Kette. Ich puderte mein Gesicht, tuschte meine Wimpern und zog eine dicke Linie Eyeliner darüber. Darauf föhnte ich meine Haare, lockte sie und stand schließlich in Vollendung da.

Gut genug für dieses verdammte Ghetto und um ein paar Scheinchen abzuzocken. Immer wieder hallten die Worte von Gin in meinem Kopf herum. 

"Jeder Mensch ist etwas besonderes." 

Sie lag falsch. Ich war ein gar nichts. Ohne Zukunft, verzweifelt und ich würde vergessen werden. Vergessen, ist es schlimmer als gehasst zu werden? Niemand wird an meinem Grab stehen, Blumen auf die kühle Erde legen und lächelnd sagen: "Ich liebe dich.", "Jenny, du musstest viel zu früh von uns gehen.", "Ich vermisse dich.". Wahrscheinlich würde ich noch nicht einmal ein Grab bekommen. Jetzt reicht es aber mit so melankonischen Gedankengängen.

Ich war in letzter Zeit so nachdenklich geworden, es war so viel passiert. Die Eindrücke, der Menschen, die ich kennengelernt hatte, hatten mich geprägt.

"Kommst du jetzt oder brauchst du eine extra Einladung?", schrie Kevin etwas angenervt und klopfte gegen die Tür.

"Beruhig dich, Kev. Komme ja schon.", lachte ich gekünstelt und trat selbstbewusst aus der Tür.

Er scannte mich ab und es fühlte sich neu an. Seine Blicke sendeten eine Gänsehaut  über meine Haut und ich versuchte mein aufgesetztes Pokerface beizubehalten.

"Starr nicht so! Lass uns los gehen.", meckerte ich und er nickte bis ich die Beule in seiner Hose sah.

"Ja.", murmelte er und kam auf mich zu.

"Nein Kevin, bitte nicht. Ich will das nicht.", flüsterte ich und drückte ihn weg von mir.

"Tut mir Leid, Jen. Ich war für einen Moment nicht ich selbst.", stieß er hervor und fuhr sich über seinen Kopf.

 "Mhm.", flüsterte ich und ging zur Tür.

"Ich wechsle die Hose...", verkündete er und ich blickte noch einmal auf den nassen Fleck der auffällig auf seinem Schritt prangerte.

So oft ich mit ihm geschlafen hatte, er war ein Ekel und insgeheim hasste ich ihn. Der jetzige Deal war das einzigste was uns verbinden sollte. Nicht mehr. Er war wie gesagt nur einer von vielen, mit denen ich geschlafen hatte aber mit ihm war es öfter, da er Geld hatte. Sie waren alle leichte Opfer für mich, unterschätzten mich. Langsam leckte ich über meine Unterlippe und tippelte mit meinen Ballerinas über den Boden. Nach ein paar Moment völliger Gedankennebel stand er vor mir eingekleidet in einer simplen schwarzen Hose und einem dunkel blauem Shirt. Ich drehte auf meinem Absatz um und hackte mich bei Kevin unter. Die Nacht konnte beginnen, ich war  wohl oder übel bereit.

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