Jenny POV

Die Sonnenstrahlen kitzelten mein Gesicht, sodass ich wach wurde. Schwermütig reckte ich mich zu allen Seiten und wischte mir mit der linken Hand übers Gesicht. Ereignisse von gestern pressten sich durch meinen Kopf. Der verwirrende Junge namens Harry, das Marihuana und den Zeitpunkt an dem ich den harten Schlag in mein Gesicht von meiner Mutter gespürt hatte. Ich schwörte, dass ich auf der Stelle noch immer ein vehementes Pochen spüren konnte. Als ich merkte, wie mein Top hochgerutscht war, zog ich es so lang wie möglich über meinen Bauch, welcher nun noch mehr zur Geltung kam. Genervt stöhnte ich auf und kramte in einer der Schubladen nach einem weiten Kleidungsstück, einen Pullover oder so. Nachdem ich einen schwarzen, weiten und weichen Pullover über meinen Kopf gestülpt hatte und in meine eine Jeans geschlüpft war, fühlte ich über meinen versteckten Bauch.

"Es tut  mir Leid, dass das alles so für dich kommen muss, kleines Wesen.", flüsterte ich mitleidig. "Das tut mir Leid, hörst du? Aber ich habe dich nicht verdient und du gehörst nicht zu mir. Diesen Unfall, da kannst du nichts für, es ist halt passiert. Ich helfe uns nur zu unserem Glück. Glück, kann man das so nennen? Nein wahrscheinlich nicht aber nun lass uns abhauen."

Mit diesen Worten griff ich nach meinem großen Rucksack und steckte Slips, ein paar BHs, Tops, Kleider, Röcke, Hosen und Spitzenstrümpfe hinein, nahm mein Portemonaie und stellte fest, dass es leer war. Nachdem ich alles somit in den Rucksack gestopft hatte, ging ich in den verlassenen Flur auf dem Weg zur Tasche meiner Mutter. Darin fand ich noch einen 100£-Schein, entwendete ihn und steckte ihn dann in meine Börse. Mich wunderte, dass sie überhaupt noch so viel Geld besaß. Mit ein wenig Haarspray sprühte ich über mein braunes Haar, sodass es etwas Halt bekam und zog mir meinen  schwarzen Beanie über, Handschuhe, Boots und Anorak an.

Mit all meinem Hab und Gut, trat ich in den gelben, viel zu strahlenden Flur und eilte die Treppen herunter.

"Jennifer! Wo willst du hin?!", schrie meine Mutter, die anscheinend doch dar war.

"Weg von hier und nie wieder herkommen.", spuckte ich und verließ so schnell wie es ging das Etagenhäuslein. 

Wie gerne ich den verzweifelten Blick von ihr gesehen hätte, sie wusste, dass dieser Tag so kommt. Das ist alles ihre verdammte Schuld.

"Warte.", zischte sie und erreichte mich prustend.

Aber ich schüttelte nur den Kopf und drehte mich wieder um, um weiterzugehen.

"Wenn du gehst...", zischte sie giftig. "...dann geh für immer, kleines Miststück."

Mein Mund sprang weit auf. Wie hatte sie mich gerade genannt?! Meine leibliche Mutter hatte mich 'kleines Miststück' genannt?!

"Fick dich. Du hast so jämmerlich versagt, Mutter. Du bedeutest mir gar nichts, Schlampe.", giftete ich, während ich innerlich bebte.

Nun viel ihr Mund auf aber bevor sie etwas erwiedern konnte, flüchtete ich mich vor Wut kreischend den Weg entlang. Die Februarsonne schien auf mich hinab aber das kümmerte mich nicht, denn es war kalt, kalt wie immer. Die lächelnden Menschen, die Hand in Hand über grasgrüne Rasenflächen eilten, ignorierte ich sturr. Ihre Blicke als sie mich sahen, studierte ich nicht. Es war wie in einem Tunnelblick als ich endlich die Innenstadt Londons erreichte und erleichtert eine Pause an einer Mauer einlegte. Wohin konnte ich an diesem Morgen gehen? Wenn man es so sah, war ich nun obdachlos und ohne festen Wohnsitz. Meine einzigste Option war, so sehr ich es auch bereute und nicht zugeben wollte, Kevin. Der Kevin mit dem ich mich letztens geprügelt hatte. Schwer schluckend bahnte ich meinen Weg durch die breiten Gassen, hinter verrottete Zäune bis ich schließlich vor der Tür stand. 

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