Eine magische Aura

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Die paradiesische Schlucht wurde von kleinen Echsen, herum schwirrenden Kolibris, Rehe, freudig herum tollende Eichhörnchen und noch viel mehr Arten von Tieren, von denen ich bisher nur in Büchern gelesen hatte, beheimatet. Wir kamen nicht mehr aus dem Staunen heraus, als wir an den großen Elfen Statuen vorbei gegangen waren und den bezaubernden Wald betraten. Jakul hatte sich derweil auf seine starken Hinterbeine hoch geschwungen um an Früchte an einem großen Baum heranzukommen. Shruikan beobachtete derweil mit hungrigem Blick die ruhig grasenden Rehe. Ich gewehrte ihm seinen Hunger ebenfalls zu stillen. Somit verschwand auch er in den warmen Gebieten der Schlucht. ,,Wir sollten hier rasten. Wer weiß ob es, wenn wir weiter wandern, noch immer so eine rege Fauna und Flora gibt," meinte Helen, die bereits dabei war eilig Jakul's Satteltaschen ihm abzustreifen, damit er in Ruhe an den grün sprießenden Ästen knabbern konnte. Wir machten es uns also zum ersten Mal seit wir diesen Irrlichterweg betreten hatten wieder einmal so richtig gemütlich. Das weiche Gras unter den durchlaufenen Schuhen fühlte sich wunderbar an, als ich diese von mir streifte. Helen hatte derweil den Bach entdeckt, schlüpfte freudig aus ihrer Kleidung und sprang in das klare Wasser. Ich blieb trotz allem noch immer leicht angespannt und ließ meine Umgebung nicht einmal aus den Augen. Dennoch lockte auch mich das kühle Nass und ich streifte auch mir die dreckige Ordensuniform bis zum letzten Leinenhemd ab. Mein Schwert legte ich dicht neben dem Bach, falls ich es schnell erreichen musste, ehe ich mich auch schon zu Helen gesellte. ,,Wie lang ist es her, dass meine Haut Wasser berührt hat?" wehklagte sie und schrubbte sich den haftenden Schmutz von ihrer blanken Haut. ,,Eine Ewigkeit," gab ich ihr seufzend Recht, als ich mich Rücklinks auf das Wasser fallen ließ und ließ mich einfach treiben. Die breiten Baumwipfeln überschatteten selbst den Bach und ich konnte nur spärlich den blauen Himmel hindurch schimmern sehen. Vögel schwirrten über uns umher, sangen ihre Lieder und wirkten mit dem Wald beinahe schon im Einklang. ,,Als wären wir mitten in einem Paradies gelandet," seufzte Helen. ,,Mhm. Wir können aber nicht ewig hier bleiben." ,,Ja ich weiß. Du musst mich nicht so früh daran erinnern Aya," maulte sie und spritzte mir das Wasser mitten ins Gesicht. Aufkeuchend drehte ich mich entrüstet zu ihr um und spritzte zurück. Das artete schnell in einer kleinen Wasserschlacht aus. Wir benahmen uns wie herumtollende Kleinkinder, doch irgendwie störte es mich nicht im geringsten. Ganz im Gegenteil, ich hatte lange nicht mehr so einen Spaß gehabt und die Ruhe, der Frieden und die Fröhlichkeit, welche in der Luft lagen überkam auch uns. Prustend stiegen wir zurück an Land, zogen uns trockene Hemden aus den Satteltaschen über und beschlossen unsere dreckige, stinkende Kleidung im Bach zu waschen. Danach hingen wir sie in den umstehenden Büschen auf und kümmerten uns um unsere Mahlzeit. Shruikan ist mit Sicherheit noch mit seiner Jagd beschäftigt, als das er uns hätte etwas jagen können. Also beschloss ich selbst mein Glück zu versuchen, während Helen darauf bestand Beeren und Früchte zu sammeln. ,,Jagen ist nicht so meins," hatte sie nur gemeint und ist eilig in dem Dickicht verschwunden. ,,Entfern dich nicht zu weit," rief ich ihr noch hinterher. Dann schnappte ich mir meinen Dolch, den ich in meinem Beutel verstaut hatte und schnitzte mir aus einem langen, stabilen Ast einen Speer. Mein stolzes Drachenritterschwert werde ich wohl kaum nach einem Beutetier werfen. Ein gut geschnitzter Speer tut es auch. So machte ich mich auf und schlich leise zwischen den Bäumen hindurch. Meine bloßen Füße machten kaum einen Mucks auf dem lang gewachsenen Gras und ich schaute immer wieder nach frischen Fährten. Ich musste mich unweigerlich zurück erinnern, wie ich das erste Mal jagen war. Mein Vater hatte es mir gezeigt, falls wir uns nichts leisten konnten und das war häufig der Fall. Er hatte mir damals gezeigt wie man Fallen aufstellte, doch dies würde jetzt zu lange dauern. Und Helen's Magen hörte ich selbst bis hier her knurren. Also genügte ein einfacher Wurfspeer zum erlegen von Beute. Ein rascheln ließ mich aufmerksamer werden. Den Atem anhaltend lugte ich um einen der dunklen Holzstämme. Es war ein Vogel. Nur war es glaube ich ein Fasan oder so. Ich hatte noch keinen vorher gesehen, aber in meinen Büchern war einmal ein Bild von diesem Tier enthalten. Die bunten Federn glitzerten auf und kurz war ich fasziniert von seinem wild gemusterten Federkleid. Doch als er sich langsam mit eigenartigen Geräuschen von mir entfernte, musste ich schnell handeln. Ich holte aus und warf den Speer. So oft hatte ich schon mit solch einer Art Waffe umgehen müssen, so war es kein Wunder, aber doch ein kleiner Triumph für mich, dass der Speer sein Ziel traf. Direkt am Kopf, sodass das Tier keine unnötigen Schmerzen haben musste. Die vorher laut glucksenden Geräusche verebbten somit abrupt und hinterließen meine Umgebung fast geräuschlos. Nur die Elstern und Grünfinken saßen noch immer singend in den Baumwipfeln, als wäre nichts geschehen. Ich hob den schlaffen Leib auf und war kurz überrascht wie viel er wog. Ob er nicht doch zu viel für zwei wäre? Jetzt war es eh zu spät und so ging ich zurück in unser kleines Lager. 

Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!