Ein Aufbruch in fremde Gebiete

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Schweißgebadet vor lauter Stress stopfte ich mein ganzes Hab und Gut in einen großen Stoffbeutel. Getrocknete Früchte, getrocknetes Fleisch, zwei Wasserschläuche, Kleidung, meine Rüstung, die Karte aus dem verbotenen Elfenbuch, sowie Verbandszeug. Mein Schwert schnellte ich mir an der Hüfte fest und sofort ließ mich der Anblick von der fein gearbeiteten Waffe verträumt drüber streichen. Da fiel mir ein Gedanke ein. Bevor ich diesen Ort verlassen werde, sollte ich mich von allen verabschieden, jedenfalls so, dass sie es nicht merken, dass es ein Abschied für lange Zeit sein wird. Und bei dem lieben Aturas werde ich anfangen. 

Ich stoppte auf Jakul's Rücken direkt vor seiner Schmiede. Es war noch erst der Anbeginn der Nacht, so hatte ich erwartet, dass er noch in der Schmiede arbeitete. Tatsächlich befand er sich noch an dem knirschenden Blasebalg. Ich stieg von Jakul ab, trat in die erhitzte Hütte und blickte mich um. Alles sah noch genauso unordentlich aus, als ich das letzte Mal hier war. ,,Meister Aturas?" fragte ich, doch das Blasebalg war zu laut und so wiederholte ich meinen Satz aufs Neue, nur mit mehr Lautstärke. Der Muskelbepackte, alte Mann drehte sich zu mir um und schob eine buschige Augenbraue hoch. ,,Was ist? Du hältst mich von meiner Arbeit auf." Ich trat näher zu ihm, zog das Drachenritterschwert hervor. Seine Augen funkelten und er strich über sein Werk. ,,Ich wollte mich bei euch bedanken, Meister. Diese Klinge ist unbeschreiblich schön, auch meine Rüstung und die Drachenrüstung von Shruikan ist wunderbar gelungen." Ein Lächeln von ihm ließ zahlreiche Falten auf seinem kahl geschorenen Kopf erscheinen. ,,Was hast du erwartet? Ich vollende meine Arbeit immer mit Präzision," schnaubte er. ,,Aber dennoch, danke." Ich lächelte breit und steckte das Schwert wieder zurück an meinen Gürtel. Er winkte nur brummend ab und drehte sich wieder zum Blasebalg um. ,,Ich hoffe, ich werde dieser Ehre dieses Schwert zu führen gerecht," meinte ich mit Nachdruck in der Stimme, verließ die Schmiede und blickte plötzlich auf einen breiten Männer Rücken, der bei Jakul stand. Komischerweise wirkte dieser gar nicht nervös oder gar aggressiv, sondern ließ sich von dem Mann sogar streicheln. Ich räusperte mich verwirrt. Der Mann drehte sich überrascht um und lächelte mich entschuldigend an. ,,Entschuldigung, ich konnte nicht widerstehen. Zu sehr muss ich daran denken, dass ich damals die Prüfung mit den Riyuba's mit einem gebrochenen Arm bestanden hatte," lachte er und kratzte sich am kahl geschorenen Kopf. ,,Tutrin?" ,,Ja?" fragte er mit dem altbekannten, witzelnden Grinsen. ,,Dich hab ich echt ewig nicht mehr gesehen Aya, aber dein Jakul hier, dem bin ich des öfteren in den Stallungen begegnet." ,,Kann sein, ich war in letzter Zeit auf Auftrag außerhalb der Stadt unterwegs..." Er nickte anerkennend. ,,Ich hab gehört, du bist jetzt ein richtiger Drachenritter. Oder soll man lieber Drachenritterin sagen?" ,,Mir egal," grinste nun auch ich. Es fühlte sich komisch an. Er wirkte nun gar nicht mehr wie ein eingebilderte Vollidiot. Er...war erwachsen. Seine breiten Schultern, das ernste Gesicht, du wissenden Augen. Ob Lurion auch inzwischen so erwachsen aussah? Ein Schmerz machte sich in meinem Brustkorb breit. ,,Alles in Ordnung Aya?" Er trat näher, doch ich wich zurück. ,,J-Ja. Alles gut. Du hast mich nur etwas erschrocken. Du siehst echt aus wie ein richtiger Mann." Er brach in Gelächter aus. ,,Nun, dass bin ich ja auch. Egal, war schön dich mal wieder zu sehen. Übrigens, wie ich sehe trägst du das Schwert endlich. Meister Aturas hat Tagelang dran gearbeitet ohne zu essen oder zu schlafen." Meine Augen weiteten sich. ,,Was?" Tutrin blickte zur Schmiede. ,,Er ist gar nicht so griesgrämig, wie er eigentlich vorgibt zu sein, nicht wahr?" lachte er. ,,Ich muss jetzt dem alten Mann helfen. Es sind wieder Bestellungen rein gekommen. Auch," er räusperte sich stolz ",die Bestellung von einem gewissen Sattel." In meinem Kopf ratterte es eine Weile, bis ich begriff. ,,Oh! Meine Glückwünsche!" ,,Danke. Sie ist wirklich wundervoll. Mein Drache meine ich. Sie ist noch etwas ungestüm, aber das legt sich noch, meinte mein baldiger Flugstaffel Anführer." ,,Wie hießt sie?" ,,Kelithra. Sie ist ein prächtiger Feuerdrache." ,,Da bin ich mir sicher," lächelte ich. Ich freute mich mit ihm. Er hatte so lange auf einen eigenen Drachen gewartet, da er, nach den Erzählungen über ihn, keine Familie hatte, die ihm einen Drachen hätte vererben können. ,,Nun, ich muss dann mal. Man sieht sich," verabschiedete er sich von mir und verschwand in der Schmiede. 

Aya -Tochter der DrachenLies diese Geschichte KOSTENLOS!