Mein Ich aus der Zukunft

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Gestern hatte ich überraschend Besuch von meinem Ich aus der Zukunft. Es sagte, es wäre grad zufällig in der Gegend und müsste aufs Klo, aber hier kennt es leider niemanden außer mir.

Ich war sehr aufgeregt. Mir fielen direkt einige 100 Fragen an mein zukünftiges Ich ein, aber es antwortete nur, es müsse wirklich ziemlich dringend.

Als es - ich - wieder herauskam, hatte sich die Zahl meiner Fragen bereits auf 42 reduziert; die anderen waren doppelt gewesen.

Zuerst fragte ich ihn - mich -, ob es nicht zu einer Instabilität im Raum- Zeit-Gefüge führen müsse, wenn man sein eigenes Ich trifft. Aber er meinte, das könne nur bei den taiwanesischen Billig-Zeitmaschinen aus dem Baumarkt passieren. Aus diesem Grunde seien die USA auch nicht eingeschritten, als China ...
Er brach mitten im Satz ab, offenbar durfte ich das noch nicht wissen.

Bevor ich noch eine weitere Frage stellen konnte, eröffnete er mir, dass ich eines langsamen und schmerzhaften Todes sterben würde. Danach hatte ich jetzt garnicht fragen wollen, aber vor allem: Woher konnte mein Ich aus der Zukunft das wissen?

Diese Nachricht verdrängte aber meine Lust auf alle weiteren 41 Fragen. Und so tranken wir wortlos meine beiden letzten Biere. Immerhin versprach er mir zum Abschied, mir eine Freundschaftsanfrage über Facebook zu schicken. Ich hörte ein Geräusch aus dem Arbeitszimmer, sah kurz zu meinem Computer herüber und wollte mich bei ihm bedanken, aber er war weg. Nur ein leichtes Schimmern war noch sichtbar und ich meinte, ein PRAKTIKER-Logo in der Luft zu erblicken.

Als er, also ich, weg war, bin ich direkt zum Computer und hab mich bei Facebook eingeloggt. Ich weiß, dass das Unsinn war, aber mir ist in letzter Zeit viel schräges Zeug passiert. Weil keine Freund­schafts­anfrage aus der Zukunft vorlag, ging ich zum Kühlschrank, um mir irgendwas Alkoholisches zu holen. Ein Bier lag noch da.

Wo ich schon mal eingeloggt war, habe ich diesen Eintrag begonnen. Vielleicht ist mein Ich aus der Zukunft ja ein Held, der in die Vergangenheit (also: ins Jetzt) gereist ist, um das Weltenende durch taiwanesische Billigzeitmaschinen zu verhindern und mir kommt die ehrenvolle Aufgabe zu, diese Warnung zu verbreiten!

Als ich das Bier aufhatte, sah ich kurz zum Fenster heraus. Für einen Moment schien es mir, als hätte ich eine zweite Sonne am Himmel gesehen.

Das mit dem Bier gab mir zu denken.

Mein Ich aus der ZukunftWhere stories live. Discover now