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【 TAYLOR 】


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Stumm saß ich in der alten Gusswanne, die Harry in seinem Haus installieren ließ. Sie war tief, wunderbar altmodisch und doch sehr modern. Alles in diesem Haus passte zueinander und obwohl man mit Harry absolute Modernität verband, so wirkte er hier nicht fehl am Platz.

Ich ließ die Hände durch das warme Wasser gleiten.

Obwohl ich mich so sehr auf diesen Urlaub mit Harry gefreut hatte, so trat das ein, was mir meine beste Freundin schon von Anfang an vorausgesagt hatte. Mir war all die Zeit nicht mehr genug, denn was war das schon, was wir hatten?

Ich war Harrys Geheimnis und mit jeder weiteren Minute erdrückte mich dieser Gedanke mehr und mehr. Diese Tatsache alleine sorgte dafür, dass ich Mühe hatte ruhig zu atmen. Hastig stand ich aus der Wanne auf und begann mich abzutrocknen und anzuziehen.

Im Spiegel sah ich mich an und schließlich wurde mir klar, dass es vielleicht am besten war dieses Spiel zu beenden. Ich brauchte Abstand von Harry und all den Gefühlen, denn waren wir ehrlich, wir würden niemals öffentlich zusammen sein.

Nicht einmal mit sehr viel Fantasie konnte ich mir das vorstellen.

Fast lautlos begann ich meine Tasche zu packen und noch einmal sah ich durch die Räume und mit klopfenden Herzen trat ich in den Flur. Der Fernseher lief, aber Harry war nicht im Wohnzimmer, sondern kam mit einem Geschirrhandtuch aus der Küche.

Es roch nach Gebäck, wahrscheinlich wollte er mir zeigen, wie man Brownies richtigmachte und obwohl es ein süßer Gedanke war, so heiterte er mich kein Bisschen auf. Draußen klopfte Nieselregen gegen die Fensterscheiben.

Harry lächelte, doch seine Miene veränderte sich, als er meine Tasche sah und dass ich nach meinem Mantel griff: „Was ist los, musst du früher zurück zur Arbeit."

„Nein", sprach ich angespannt und meine Finger hatten arg Schwierigkeiten mit den Knöpfen meines Mantels. Ich wollte nicht feige sein, also zwang ich mich ihn anzusehen. „Ich glaube, es ist besser, wenn ich fahre."

Alles passierte so plötzlich und ich verstand die Verwirrung, die von ihm ausging. Ich wusste selbst nicht, wieso mich mit einer heftigen Wucht der Wunsch nach Abstand erfasste. Vielleicht, weil meine Traumwelt zerplatzt war und die Realität nun auf mich einhämmerte. Direkt in die Brust, mit rostigen Nägeln.

„Ich... verstehe nicht", begann Harry und in diesem Moment kratzte ich jedes Bisschen Mut zusammen: „Das hat doch keinen Sinn", um meine Worte zu unterstreichen, breitete ich die Arme aus. „Was tun wir hier?"

Harry blinzelte: „Was?"

„Wir treffen uns, toll!", entwich es mir sarkastisch. „Wir haben Spaß, Sex und danach tun wir so, als wäre nie etwas passiert."

Genau so war es doch.

„Als wären wir auf Droge, betrunken oder würden uns dafür schämen, dass wir Zeit miteinander verbringen", zählte ich auf. „Öffentlich bin ich die Person, die deine Fans hassen und der du aus dem Weg gehst und inoffiziell weiß ich nicht einmal, was ich für dich eigentlich bin. Kumpel mit Spaß oder einfach nur ein Spiel?"

„Taylor", Harry atmete tief durch, „beruhig dich doch erst einmal, wir können drüber reden und-!"

„Worüber wollen wir reden?", fragte ich forsch. „Über Antworten, die du nicht kennst?"

Der Kloß in meinem Hals wurde größer und größer.

Harry versteifte sich: „Kennst du sie denn, die Antworten?"

Mein Herz raste und dann gab ich zu: „Ja. Ich weiß, was du für mich bist, ich hatte nur nie den Mut es laut auszusprechen, weil ich Angst hatte, dass dieses Spiel ein Ende findet."

Ich sah Harry an, prägte mir jeden Zentimeter von ihm ein und versuchte das Kribbeln in meinen Fingern zu unterdrücken. Wo war der eiskalte Stolz, wenn man ihn brauchte?

„Ich glaube, dass es für mich nie nur ein Spiel war", gab ich zu. „Für mich fühlte es sich echt an und ich ließ mich selbst glauben, dass... zumindest ein kleiner Funken von all dem Ernst ist. Aber das ist es nicht, nicht wahr?"

All die schönen Zitate, die Hasenglöckchen, die wunderbaren Reisen, nur wir zwei, es hatte sich angefühlt, als wäre es etwas Besonders. 

Als wäre ich Besonders. 

Jeder Buchstabe, jede Blume, jede Minute, all dies war Romantik – und doch eine Täuschung.

Taub bückte ich mich nach meiner Tasche: „Ich werde jetzt gehen, denn... ja..." Es tat zu weh weiter zu bleiben und zu wissen, dass all die kleinen Zärtlichkeiten, die Blicke und meine rosarote Seifenblase ein Fake waren.

Dumme, dumme, naive Taylor, musste sich erst wieder benutzen lassen, höhnte die Stimme in meinem Kopf.

Die Tür ließ sich wie ein Ausweg aus der Situation heraus öffnen. Kalte Luft schlug mir entgegen und hässlicher Nieselregen. In meiner Manteltasche war der Autoschlüssel. Ich wusste noch nicht, wann überhaupt ein Flug zurück in die Staaten ging oder wie lange ich bis zum Flughafen braucht, aber das war auch nicht wichtig.

Wichtig war nur jeder Meter Abstand zwischen Harry und mir.

Ich durfte nicht heulen und nicht aussehen, als wäre ich gerade dabei einmal über mein Herz zu trampeln. Wieso fühlte sich dieser Scheiß keine Spur besser an, als mit sechszehn? 

Ich hatte doch irgendwo ganz im letzten Winkel meines Verstandes gewusst, dass ich Harry niemals Vorwürfe machen sollte.

Er versprach mir keine Dinge, die er nicht halten würde, aber auch nicht das, was ich von ihm wollte. Wenn einer an diesem furchtbaren Gefühl in der Brust Schuld hatte, dann war das ich ganz alleine.

Der Wind zerrte an mir und ich stürzte fast schon zum Auto. Dort schloss ich den Kofferraum auf und wuchtete meine Tasche ins Innere, doch kaum hatte ich den Kofferraum zugeschlagen und ich mich umgedreht, da drückte sich jedes bisschen Luft aus meiner Lunge.

Ich stieß gegen das Auto und konnte überhaupt nicht so schnell reagieren, wie ich es hätte tun sollen. 

Harrys grüne Augen sahen in meine, er riss mir den Autoschlüssel aus der Hand und mitten im dunklen Regen warf er sie im hohen Bogen direkt in den Garten seines Hauses.

Mein Autoschlüssel verschwand zwischen den Büschen, als wäre er auf immer verschwunden.

Sofort riss ich den Mund auf und stotterte: „W-Was tust du da!"

Unaufhörlich hüllte uns der Regen ein und ich sah, dass innerhalb der kurzen Zeit Harrys Haare bereits auf seinem Kopf klebten und der hellgraue Pullover sich dunkel färbte. Er hatte den Blick kurz von mir genommen, fast wirkte es, als wollte er sicherstellen, dass ich den Schlüssel so schnell nicht wiederfand.

Seine Hände ballten sich zu Fäusten und ein angespannter Zug legte sich um seine Mundwinkel. Statt etwas zu sagen, standen wir uns schließlich schweigend gegenüber. Ich hörte nichts anderes, als den Wind, das Rascheln der Bäume und meinen angestrengten Atem.

„Es war kein Spiel", sprach Harry ruhig. „Es war ein Plan."

In diesem Augenblick wurde der Regen warm und mein Herz von der Dunkelheit erhellt.

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