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【 TAYLOR 】


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Ich erreichte Fairy Glen an einem frischen Frühlingstag. 

Schottland war nicht der typische Ort, wo ich meinen Urlaub sonst verbrachte, doch dieses Mal war es mir völlig egal, dass ich nicht nur meine Freundinnen in Monaco versetzte, sondern auch mein Manager gerade regelrecht Amok lief.

Mein Handy ignorierte ich, stattdessen konzentrierte ich mich auf das Navigationsgerät, damit ich trotz der zahlreichen schmalen Landstraßen nicht im Nirgendwo landete. Eds neue Musik dudelte aus meiner Anlage und endlich fuhr ich vorsichtig durch den Wald.

Daran konnte ich mich noch erinnern, als ich das letzte Mal von Fairy Glen aufgebrochen war. Und natürlich an all die Spaziergänge und Zärtlichkeiten mit Harry. 

Als das alles mit uns anfing, vor einigen Jahren, da hatten wir eigentlich von London aus in den Süden fliegen wollen.

Aber dann war Harry auf die Idee gekommen, dass wir doch einfach mal so weit mit dem Auto fahren sollten, wie wir kamen. Es regnete damals ununterbrochen und Harry weigerte sich die Zelte aufzuschlagen, so lange Sinkflut herrschte.

Erst als wir Schottland erreichten, da klärte der Himmel auf. Es waren wunderschöne Tage, wir waren am Strand, an der Küste, in Edinburgh, aber die meiste Zeit saugten wir die grüne Landschaft auf. Passierten kleine Dörfer, lernten freundliche Menschen kennen und probierten uns durch die schottischen Gerichte.

Finnan-haddies, Arbroath smokies, Crappid heids, ganze drei Kilo hatte ich nach dem Abenteuer zugenommen. Als unsere Reise sich dem Ende neigte, da kamen wir in Fairy Glen vorbei und aus einer Laune heraus kaufte Harry dort ein Haus.

Schon lange stand es leer und er verliebte sich direkt in diesen kleinen Flecken, etwas Abseits des Dorfes. Ich hielt das Grundstück für eine muffelige und bessere Bruchbude, doch Harry sah direkt vor sich, was man alles raus machen konnte.

Wir blieben in Fairy Glen über Nacht und spazierten am Morgen durch den Wald, umgeben von Hasenglöckchen. Oder wie die Briten die blaue Pflanze nannten; Bluebells. 

Seit dem existierte unsere kleine Kommunikation auf dieser Weise.

Vorsichtig lenkte ich den Wagen nun einen hoppeligen Hang herunter und dann sah ich das Haus. Es hatte ein neues Dach und die Hecke war ringsherum geschnitten. Dichte farbige Hortensien begrüßten mich und ich wunderte mich darüber, warum sie schon blühten.

Harrys Wagen war bereits da und ich schnappte mir mein Gepäck. Er hatte wirklich viel machen lassen, die Scheiben waren neu, der Anstrich auch und ich war gespannt, wie es im Inneren aussah. Unwillkürlich musste ich schmunzeln, denn sein Haus hatte etwas von einer Bude aus dem Wunderland.

Nur vielleicht nicht ganz so abgedreht.

„Du hast einen Sonnenschirm aufgesponnen?", rief ich und ließ meine Taschen vor der Tür stehen. Es war immerhin Frühling, doch von den Temperaturen ließ Harry sich nicht beeindrucken.

Lautes Gelächter war von den Hecken aus zu hören. Ich folgte dem schmalen, gepflasterten Weg und sah auf eine großen Teich, der vorher noch nicht dagewesen war. Sogar mit Seerosen. 

„Was zum Teufel ist das?"

Ich erreichte den Rand des Teiches und genau auf der andere Seite stand Harry vor einem gedeckten Tisch und zwei bequemen Rattansesseln. Mein Blick glitt über seine gelöste Gestalt, sein breites Lächeln saugte ich in mir auf und lachte erneut, als ich seine gekürzten Haare sah.

„Das, meine ungebildete Blondine, ist ein Eco-Pool", erklärte er mir arrogant und deutete meine gerunzelte Stirn richtig. „Alles läuft so gut, wie ökologisch. Richtig exklusiv", rieb er mir unter die Nase. „Und der neuste Schrei."

„Du bist der neuste Schrei", korrigierte ich ihn und ging um den Teich herum. „Fängst du jetzt an zu spinnen, so wie Michael Jackson?"

„Oh ja", heftig nickte Harry. „Ich bin dabei mein eigenes Neverland mit Tigern und so aufzubauen. Im Moment kann ich allerdings nur mit Füchsen, Fröschen und irgendwelchen Vögeln dienen." Er zuckte mit den Schultern: „Nun denn, schwarzen Tee oder Whisky, Taylor?"

Gar nichts davon.

Ich erreichte Harry und das Erste, was ich tat, war ihn am Kragen seines Hemdes zu ergreifen und zu mir zu ziehen. Dann küsste ich ihn und schloss die Augen.

Er schmeckte nach schwarzen Tee und Shortbread. Seine Wärme umfing mich und er zog mich näher zu sich. Sanft glitten meine Hände über seinen Rücken und ich tat nichts anderes, als diesen Kuss zu genießen.

„Ich bin so froh, dass du den Code verstanden hast", sprach er schließlich und ich piekste ihn mit den Zeigefinger in die Seite: „Wie kannst du an meinen Verstand zweifeln?"

„Weil ich deinen Letzten fast nicht verstanden hätte", gab er zu und verzog das Gesicht: „Irgendso ein Blödsinn von 'Aber ist das nicht das, was einen aufbaut? Wenn man einen Drink, eine Freundin und 45 Minuten Zeit hat. Es ist doch langweilig wenn immer alles glatt läuft. Ein bisschen Unheil, darüber lohnt es sich zu reden', nicht wahr?"

Ziemlich genau so. Damals hatte ich ihn in seiner Lieblingsbar in Los Angeles treffen vollen und Harry war tatsächlich gekommen. Natürlich, ein Anruf hätte es auch getan, aber so war es wunderbar aufregend.

Irgendwie anders.

Romantisch.

„Das ist kein Blödsinn!", hielt ich dagegen und spürte, wie Harry mir durch die Haare strich, dann wedelte er mit der Hand und verbeugte sich affig: „Bitte setzten Sie sich, Miss Swift. Das Essen wird kalt. Typisch schottisches Haggis."

Augenrollend tat ich, was er verlangte und nahm wie immer links Platz. Harry spielte den Butler, sprach allerdings: „Grey's Anatomy ist auf Dauer kaum zu ertragen, Taylor."

„Wenn du es dir ansehen würdest, dann wärst du anderer Meinung", behauptete ich und ließ zu, dass Harry mir einen Whisky eingoss, dann stießen wir an. Er kochte wie ein Gott und ich wurde nicht müde ihm das zu sagen. Am Ende würde ich wieder zunehmen, aber es war mir egal.

„Übrigens, dein Hofstaat hat sich bei mir beschwert", erzählte Harry mir. „Cara und Selena glaubten mir kein Wort, als ich meinte, ich wüsste nicht, wo du wärst. Zumindest wusste ich beim Telefonat nicht, ob du auf dem Weg bist."

Ich schnaubte: „Selena klammert sich an den Tequilla, als wär's ne Rettungsweste."

„Böse", behauptete Harry, „denn auch der Spruch ist aus Grey's."

Jetzt sah ich ihn überrumpelt an und dann musste ich laut auflachen: „Wieviele Staffeln hast du geguckt, bis du festgestellt hast, dass man Grey's nicht ertragen kann?"

Harry murmelte etwas in seinen nicht vorhandenen Bart.

„Ich kann dich nicht hören", neckte ich ihn und er gab zu: „Bis dieser eine Typ vom Bus überfahren wurde und starb. Danach hatte ich genug."

Mit dem Fuß strich ich an seinem Bein entlang und lächelte: „Gib doch einfach zu, dass es dir gefallen hat."

„Mir wüde etwas anderes noch viel besser gefallen", behauptete er. Kurz darauf riss er mich auf die Beine, hob mich hoch und ich kreischte laut auf.

„Sto-"

„Wollen wir mal sehen wie cool mein Eco-Pool ist."

„Neiiiii-"

Ich hatte keine Chance.

Das Abenteuer mit Harry begann erneut.

Und ich liebte es. So wie ihn. 

Bluebell ✓Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt