- Prolog -

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【 TAYLOR 】


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Manchmal war mir danach mir die Haare zu färben, mir Fake-Tattoos auf die Arme zu malen und mich in abgewetzte Klamotten zu schmeiße, um anschließend abzuhauen.

Einfach weg.

Die nächste U-Bahn ins Nirgendwo.

Ich musste ja nicht gleich nach Timbuktu flüchten, aber bis nach Subway würde es mir schon reichen. Einmal wieder völlig ungestört ein ganzes Sandwich essen, ohne, dass man gleich ein Foto von mir machte.

Meine weiße Fratze konnte ich nicht mehr sehen, ganz egal, welches Klatschmagazin ich durchblätterte, ich stolperte immer über ein hässliches Bild von mir. Dabei interessierten mich die Fehltritte anderer Leute. Nicht meine eigenen.

Müde huschte ich in den Fahrstuhl des Hilton-Hotels. Am Vorabend hatte ich ein Konzert in einem ausverkauften Stadium gegeben und heute war ich zuerst beim Lunch mit Jimmy Kimmel und anschließend bei den Grammys.

Drei Preise gingen an mich, aber ich konnte mich nicht richtig drüber freuen. Stattdessen dachte ich schon wieder an die nächsten Tourtermine und das mein Urlaub unglaublich begrenzt war. 

Ein neues Album musste auch geschrieben werden, doch alles, was ich wollte, war endlich mal wieder aufzuwachen, ohne mich zu fragen, in welchem Hotel oder gar Land ich mich gerade befand.

Ich liebte meinen Beruf, zumindest die meiste Zeit über. Doch manchmal wünschte ich mir, dass ein paar Gänge zurückschalten konnte.

Der Page wünschte mir einen angenehmen Abend und ich verließ den Fahrstuhl wieder. Auf mich wartete eine leere Suite.

Dunkel, einsam und verlassen.

Noch an der Tür schlüpfte ich aus meinen silbrigen Pumps und warf die Clutch beiseite. Dann zog ich die erste Nadel aus meiner Hochsteckfrisur und erinnerte mich an all den Rummel auf dem roten Teppich.

Das Blitzlichtgewitter tat mir mittlerweile weh in den Augen, mein Kopf dröhnte und ich konnte mich nicht erinnern, ob ich nach dem Lunch bei Jimmy überhaupt noch etwas gegessen hatte. 

Mein Magen war ein einziger Knoten, meine Füße übersät von schmerzenden Blasen und der Wonderbra unter diesem herrlichen eisblauen Dior-Kleid schnitt mir ins Fleisch.

Ohne einen Blick für das Blumenmeer zu haben, das bereits im Wohnzimmer anfing, schritt ich barfuß ins Schlafzimmer. Dort stieß ich die Doppelseitige Flügeltür auf und kickte die Schuhe am Boden weg.

Noch immer sah es in meinem Schlafzimmer aus, wie in einer Boutique. Zahlreiche Kleider hingen an einer rollbaren Stange. Taschen stapelten sich und mein Schminkspiegel war beladen von Make-up. 

Zumindest musste ich mich um nichts kümmern. Meine persönliche Assistentin würde das Zeug morgen räumen lassen.

„Uh", entwich es mir, als ich mich auf das gigantische Bett fallen ließ. Mir war es egal, ob ich noch immer das Kleid von Dior trug. Keine Ahnung, wie ich da ohne Hilfe rauskommen sollte.

Erledigt sah ich an die Decke.

Ich brauchte eine Pause.

Eine richtige Pause.

Schwerfällig drehte ich mich auf die Seite und sah direkt ins Wohnzimmer. Das Blumenmeer war beängstigend. Rosen in sämtlichen Farben dominierten. Ganz rechts erkannte ich einen Strauß aus pinken Gerberas, er war 100 Prozentig von meiner besten Freundin Abigail.

Daneben fand ich Tulpen. Die Roten von Selena, die Gelben von Gigi und die Weißen von Ed. Irgendwie hatte sich die Kombination irgendwann ergeben. Gerade wollte ich müde die Augen schließen, als mir etwas Blaues auffiel.

Sofort hob ich den Kopf und blinzelte.

Tatsächlich.

Ich sprang auf, vergessen war die Müdigkeit. 

Zwischen all den Rosen hätte ich die kleinen blauen Blumen fast übersehen. Hastig eilte ich auf den Tisch zu und schob die Rosen beiseite. Vorsichtig berührte ich die Blüten mit den Fingern und sofort fühlte sich mein Herz leichter an.

„Hasenglöckchen", stellte ich fest und bemerkte die Karte unter der Vase. Ich zog sie hervor und erkannte bereits an der Schrift, dass sie nicht vom Floristen geschrieben worden war.

Es war unverkennbar Harrys Schrift.

Schon lange hatte ich nichts mehr von ihm gehört, aber Hasenglöckchen mit einer Karte zu schicken gehörte zu unserem Code. Genauso, dass wir im inneren der Karte Zitate aus Filmen und Serien verwendeten.

Nur für den Fall der Fälle, dass der Falsche die Karte in die Hände bekam.

Ich liebte es.

Ich liebte alles, was mit Harry zu tun hatte und niemand je wirklich verstehen würde. 

Mit den Fingerspitzen berührte ich die geschriebenen Zeilen.

»Clara fragt mich manchmal ob ich träume.

'Natürlich träume ich!' antworte ich ihr, 'Jeder träumt.'

'Wovon träumst du?' fragt sie dann.

Und ich antworte: 'Das was jeder träumt. Ich träume davon, wohin ich gehe.'

Das bringt sie zum Lachen. 'Du gehst nirgendes hin, du wanderst nur herum.'

Das stimmt nicht - nicht mehr. Ich habe ein neues Ziel. Meine Reise ist die Gleiche wie eure, die Gleiche wie die jedes anderen. Ich habe so viele Jahre gebraucht, so viele Leben, aber endlich weiß ich wohin die Reise geht.

Dahin wo ich immer hin gegangen bin: Nachhause. Mit einem langen Umweg.«

Ich kannte keine Clara, aber das war auch nicht wichtig. Zweimal las ich, was er mir geschrieben hatte und dann wusste ich, wo ich Harry finden würde.

Mein Urlaub begann jetzt und niemand würde mich aufhalten. Ich kämpfte mich aus dem Kleid, bat meine Assistentin einen Flug und einen Mietwagen zu buchen. Meine Reise ging nicht nach Holmes Chapel, so dumm waren weder Harry, noch ich.

Wir trafen uns nie an Orten, an denen man uns vermuten würde. Sondern nur dort, wo wir sein konnten, wer wir waren.

Abseits von Aufmerksamkeit, Blitzlicht und Schein.

Mein klopfendes Herz beflügelte mich.

Ich ging und verschwand.

Das war der wirklich kostbare Preis an diesem Abend.

Bluebell ✓Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt