Kapitel 7

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Hohe schwarze Tannen, deren Zweige mich festhalten wollten. Ich rannte, weshalb wusste ich nicht.

"Avelle!"

Schrie meine Mutter panisch

"Avelle!"

Immer und immer wieder.

"Avelle"

Plötzlich veränderte sich das Rufen, es war nicht mehr ein panischer Aufschrei, es war mehr ein verlockendes Herrufen, so süß, dass es mir ein Schauer den Rücken herunter rieselte.

"Avelle"

Das war nicht mehr die Stimme meiner Mutter. Sie wahr viel rauer, tiefer. Es war die Stimme eines Mannes.

"Avelle"

Doch es war auch nicht die Stimme meines Vaters. Diese Stimme war mir nicht vertraut, jedoch auch nicht völlig unbekannt.

"Avelle"

Die Person kam immer näher und plötzlich wurde mir bewusst, dass ich vor etwas weg lief, dass ich vor Ihm weg lief .

"Avelle"

Ich drehte mich um, konnte jedoch nichts sehen. Ich rannte weiter.

"Avelle"

Da stand er plötzlich vor mir, groß, schlank.Sein gelocktes, dunkelbraunes Haar fiel ihm locker in den Nacken. Ich wollte stoppen, stehen bleiben, umdrehen und in die andere Richtung weiter davon laufen, doch rannte stattdessen immer weiter geradeaus.

"Avelle.  

Du kannst mir nicht entkommen!"

Bei den Worten blitzten seine blauen Augen kalt und bedrohlich auf.

Käuchend und schweißgebadet fuhr ich hoch. Meine Hand tastete nach dem Schalter meiner Nachttischlampe und nach kurzer Zeit erleuchtete ein warmes gelbes Licht den Raum.

Nun wusste ich zu wem diese durchdringend blauen Augen gehörten, doch ich wünschte, ich hätte es nie erfahren.

Warum träumte ich immer wieder von ihnen, von Ihm?

Ich verstand es nicht.

Warum versetzten mich diese Augen in solch eine Panik? Warum hatte ich solche Angst?

Ich bekam den Rest der Nacht kein Auge mehr zu. So beschloss ich, mal wieder an mein Handy zu gehen und meine ganzen Nachrichten zu lesen.

Ich habe sechs Anrufe von Cloe verpasst und 83 neue Nachrichten. Ich überflog sie nur. Der Inhalt aus allen zusammen gefasst ergab das hier:

Hi Avelle, warum gehst du nicht ans Handy, love Cloe

Avelle ich vermisse dich, warum meldest du dich nicht?

Ich mache mir echt langsam echt Sorgen! Geh endlich an dein verdammtes Handy! Wozu hast du denn so'n Ding!?

Ich hatte ein schlechtes Gewissen, ihr die ganze Zeit nichts zu schreiben, aber irgendwie hab ich das voll verpeilt. Ich schrieb ihr zurück:

Entschuldige bitte, dass ich dir nicht direkt geschrieben habe! Ich wollte dir echt keine Sorgen bereiten, aber hier ist so viel los, dass ich voll verpeilt habe dir zu schreiben. Es tut mir sooo leid! Lass uns doch heute mal telefonieren, ja? Hab dich gaaaa...aaanz dolle lieb.

Ich rechnete nicht mit einer Antwort innerhalb der nächsten sechs Stunden, da wir fünf Uhr morgens hatten und Cloe immer bis in die Puppen schläft. Daher war ich um so Überraschter, als mein Handy anfing zu vibrieren.

~Ja? fragte ich nachdem ich abgenommen hatte, ich wusste wer es war, habe mir aber angewöhnt immer  'Ja?' zu fragen

-Avelle! kam es schrill und laut aus meinen Lautsprechern, so laut, dass ich das Handy von meinem Ohr weghalten musste.

-Avelle! Wie konntest du dich nicht melden? Du weißt doch, dass ich mir immer furchtbar schnell Sorgen mache! Und du *higs* du hattest jetzt fast vier Tage Zeit mir wenigstens ne SMS zu schreiben, wo drinn steht : mir geht's gut. - Das *higs* hätte mir gereicht!

Vier Tage sind wir erst hier? Es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit!

-Avelle? Bist du noch dran?

~ Ja klar. erst jetzt fiel mir auf, dass sie leicht lallte

~Cloe bist du betrunken?

-Ich? fragte sie empört -Ich doch nicht! Die anderen hier sind alle betrunken, aber ich bin absolut nüchtern!

Das kannte ich. Eines Nachts waren wir auf der Party von einem Bekannten und wärend ich mich zu Tode gelangweilt habe, hat sie ein paar Spielchen gespielt und wurde immer betrunkener. Als ich sie auf dem Rückweg - ich hatte sie dabei erwischt, wie sie vor ein paar sehr unangenehmen Jungs angefangen hatte zu strippen und sie daraufhin von der Party weggeschliffen  - fragte, warum sie sich so betrinken musste antwortete sie nur "Ich bin doch nicht betrunken! Du hättest Marcel sehen müssen, der war betrunken!" das unterstrich sie mit einem häftigen Schluckauf und gab ein irres Lachen von sich. Ich war unglaublich enttäuscht gewesen, weil sie mir noch kurz vor der Party versprochen hatte nichts zu trinken, da es immer in einer Katastrophe endete, die ich immer ausbaden durfte.

~Ja, das mit dem nichts trinken kennen wir ja noch. sagte ich emotionslos

-Du hälst mir das, was auf Johnas' Party damals passiert ist immer noch vor ne? Dabei hab ich jetzt einen viel größeren Grund auf dich sauer zu sein. DU HAST MICH JA SCHLIESSLICH DIE GESAMTEN LETZTEN VIER TAGE NICHT ANGERUFEN!!!! brüllte sie in den Hörer und legte auf.  Auch das war ein Grund, warum ich nie wollte, dass sie sich betrinkt, sie hatte unkontrollierte Stimmungsschwankungen. Aber sobald sie sich vernünftig ausgeschlafen hat, wird es ihr besser gehen und dann kann man normal mit ihr telefonieren. Sie hatte allerdings recht. Sie hatte wirklich einen Grund sauer auf mich zu sein, schließlich hatte ich sie - meine Sandkasten-Freundin - vier Tage lang vollkommen vergessen.

Naja, dafür verfolgen mich ja jetzt diese blauen Augen zur Strafe.

L'Histoire d'AvelleLies diese Geschichte KOSTENLOS!