07 || Das Portrait

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Avery

Er schaute zu mir runter.

Es fühlte sich an, als ob ein Herrscher zu seinem Sklaven runterschauen würde. Ich gehörte ihm.

Ich versuchte meinen gleichmässigen Herzschlag zurück zu bekommen, atmete regelmässig ein und aus. Ohne den Blickkontakt zu ihm zu verlieren. Ich konnte nicht aufgeben, noch nicht. Ich war erst seit ein paar Stunden in seiner Gewalt, und so schnell lasse ich mich nicht runterkriegen. Er ist ein Vampir wie jeder andere, und ich werde mich nicht einfach von ihm unterwerfen lassen. Meine Grossmutter Tat es nicht, und ich werde es ebenso wenig tun. Mit zitternden Beinen hob ich meinen Körper hoch, bis ich wieder auf meinen Füssen stand. Auf seinen Lippen bildete sich ein Grinsen, als er jede meiner Bewegungen aufsaugte. Er wusste was mein Erheben bedeutete.

„Bemerkenswert". Mit langsamen Schritten setzte er sich in Gang, und kreiste um mich. Die schweren Schritte die auf dem Marmor aufprallten, liessen ein dumpfen Ton erklingen, dass den ganzen Raum zu erfüllen schien.

„Ihr besitzt ein starkes Herz Miss Johanson, nur leider wird es euch nicht viel nutzen" er stand hinter mir. Ich blieb in meiner standhaften Position. Seine Hand glitt über meinen entblössten Hals. Federleicht fuhren seine kalten Finger mein Schlüsselbein und der goldenen Kette die ich von Alex bekommen hatte, entlang. Als ich plötzlich seinen warmen Atem an meinem linken Ohr spürte. „Trennt euch von der Illusion, dass ihr euch mir auf irgendeiner Weise wiedersetzen könntet". In einfachen Worten: Gib die Hoffnung auf...

„Niemals" flüsterte ich. „Ein vorlautes Mundwerk Besitz ihr anscheinend schon" meinte er und stand plötzlich wieder vor mir. Erschrocken stolperte ich einen Schritt zurück. Ich dachte ich wäre stark, doch die vergangenen Stunden liessen Wunden zurück. Ich hatte Hunger, Durst und war müde. Wenn man bedenkt das ich vorher beinahe erstickt worden war, hatte ich mich bis jetzt doch gut geschlagen oder?

„Es ist spät, geht euch hinlegen" seine Stimme war streng, wie ein kleines Kind kommandierte er mich um und zeigte in das Obergeschoss. Langsam nickte ich und lief zur alten Treppe die sich rechts von uns ausstreckte. Sie war sehr breit, überzogen mit einem Weinroten Teppich. Unschlüssig ob dies wieder irgendeine Falle war, stieg ich Stufe für Stufe hoch. Das kalte Geländer liess mich Anfangs zusammenzucken, doch es gab mir halt. Als ich so ziemlich die Ganze Treppe bestiegen hatte, schaute ich zurück in die Halle runter, wo ich vor einigen Momenten war. Mein namenloser Meister stand immer noch da mit verschränkten Händen hinter seinen Rücken. Lauf weg! Schrie mein Instinkt. Doch meine Kräfte liessen so etwas nicht nochmals zu. Ich wäre ein zu leichtes Opfer. Und wenn ich schon mal fliehen werde, würde ich einen Plan haben..

„Ein ander' Mal" redete ich mir leise ein.

Alleine und mit langsamen Schritten, irrte ich durch das Obergeschoss. Wo sollte ich denn bitteschön schlafen? Und warum liess er mir die Wahl dafür? Ich fand es nicht für nötig, mir weiter den Kopf über diese Frage zerbrechen zu lassen und ging durch die Gänge entlang. Erst jetzt bemerkte ich wie gross das Haus wirklich war. Ein typisches Haus aus dem 16ten Jahrhundert. Es war nicht schwer zu verstehen, dass dieses Haus einer wohlhabenden Familie gehörte. Die Wände waren in einem beige-braunen Ton gestrichen. Ich hielt kurz an und betrachtete es genauer. Meine Hand fuhr über die feinen Verzierungen an den jeweiligen Ecken.

Etwas angeekelt nahm ich meine Finger von der alten Fassade und wischte mir den Staub an meinen Händen weg. Ich ging weiter, meine Füsse tapsten auf dem bemusterten Teppich. Es wurde immer wie unheimlicher, als plötzlich Bilderrahmen mit verschiedenen Portraits von Menschen auf den Seiten auftauchten. Oder waren dies Vampire?

Besonders lange hielt ich meinen Blick auf eines dieser grossen Portraits.

Ihre Haare waren zu einer hochsteck-Frisur zusammengebunden und einzelne blonde Locken fielen Ihr über die Schultern. Ihr wunderschönes Flieder gefärbtes Kleid, reichte ihr bis zum Boden. Sie stand an neben der Treppe, die selbe Treppe wo ich soeben gestanden bin. Ich schluckte schwer.

Ich bückte mich runter und suchte nach Details. Mein Blick checkte das gesamte Gemälde ab, und da! Unten, ganz klein und geschwungen geschrieben..

Cathlyn Camilla Hawkins im Jahre Gottes 1725

„Hatte ich euch nicht befohlen euch zu Bett zu begeben Ms. Johanson?".

„AHH!!!" schrie ich vor Schreck und drehte mich ruckartig um. Ich könnte schwören das mein Herz für einen Schlag aussetzte. „Was für eine erfreuliche Reaktion" schmunzelte er sarkastisch, wobei sich kleine Grübchen an den Wangen abzeichneten. Schnell versuchte ich irgend einen Satz zu bilden und ihm zu antworten. Wobei es mir nicht wirklich gelang.

„Ich, j-ja das habt.. ehm.. Ihr-" und lief einige Schritte weg von ihm um den Abstand so gross wie möglich zu behalten.

"Und warum gehorcht ihr meinen Befehlen nicht?". Wut flackerte in seine Worte auf. Mit langsamen Schritten kam er näher. "Ich...ich.. weis nicht welches Zimmer..". Es dauerte nicht lange bis er mich schmerzhaft gegen die Wand schmiss. "Wenn ich euch etwas befehle, habt ihr euch daran zu halten, Ms. Johanson". Ich hatte solche Angst, mit aller Kraft versuchte ich meine Tränen zu halten. Ich wollte nicht vor Ihm weinen. Nicht schon wieder..

"E-es tut mir leid, ich bitte euch ich-" flüsterte ich und schaute zu Boden.

"Wählt ein Zimmer aus los!" unterbrach er mich und zog mich vor drei Türen. Vollkommen überfordert zeigte ich auf das ganz links. Meine Entscheidung war ohne jegendliche Bedeutung.

"Schlechte Wahl" lachte er teuflisch auf und riss die Tür auf. Mit einer Handbewegung schubste er mich rein und schloss die Tür, wobei ich das Schloss zufallen hörte. Ich rannte zur Tür. Ich klopfte gegen die Tür, schrie mir die Seele vom Leib und flehte ich an mich frei zu lassen. Aber wie erwartet, brachte dies nicht wirklich viel.

Schlussendlich schaute ich mich in meinem 'neuen' Zimmer um. Es sah vollkommen normal aus. Altmodisch. Das Mondlicht schien durch ein Fenster, der Wind blies durch die Vorhänge geisterhaft nach vorne fegen. Das Bett stand in der Mitte der Wand. Es glich einem Himmelbett. Mit langsamen Schritten steuerte ich auf das Bett zu. Meine Hand fuhr über den Seidenen Stoff. Ich liess mich auf dieses fallen und schloss die Augen.

*Traum*

"Avery..Avery..".

Meine Augen öffneten sich flatternd. Ein Schatten stand vor mir, ich war in dem gleichen Zimmer. Ich stand auf und lief zu dem Schatten, er zog mich wie auf magischer weise an. "Wer bist du? Woher kennst du meinen Namen?" fragte ich ins nichts und stand mitten im Zimmer. "Ich bin dein grösster Alptraum" ertönte es von dem Ding.

Plötzlich liessen meine Beine nach und ich fiel zu Boden. Die Luft schien stickig zu werden und ich fing an wild zu husten. "Atmet ein" hörte ich den Schatten rufen. Es war wie Gift das sich in meinen Lungen ausbreitete, wobei ich noch mehr anfing zu husten. Ich schaute in mein Spiegelbild, dass sich mir offenbarte und sah wie meine Augen sich schwarz färbten. Ich schrie ab mir selber und sah wie Blut aus ihnen strömte. Ich hielt mir die Hände davor und schrie erneut. "NEEEIIIN!"

***

A/N

Hallo liebe Leute!

Ich weiss der Schluss ist eeeeeetwaaaas verstörend xD Aber es hat alles einen Grund ;)

UND BOAAAH BEREITS 1K READS UND 100 VOTES INSGESAMT!!!!!! D A N K E !!!!

:')

Ich werde immer eine Widmung machen, geschweige jemand hinterlässt ein Kommentar..

Ich hoffe es hat euch gefallen und wenn Ja hinterlässt doch ein Vote das würde mich seeehrr freuen :)

Nochmals DANKE an allen!

-BYE! <3

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