Kapitel 2

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Isabella

"Ich werde ihn umbringen!" schreit Luca und ich glaube es ihm.

"Beruhig dich."

"Wie soll ich mich beruhigen, wenn irgendein Schwein meine Freundin umgebracht hat?" Er brüllt mich an.

Wieder kommen mir die Tränen.

"Hey, es tut mir leid, ich weiß auch nicht, aber es ist so viel." sagt er in versöhnlichem Ton und nimmt mich in den Arm. Er riecht gut.

Durch das klingeln meines Handys lösen wir uns voneinander.

"Ja ?"

"Wo bist du ?" Mam klingt leicht hysterisch

"Keine Sorge, ich brauchte ein bisschen frische Luft."

"Sei bitte um vier zu Hause, wir haben einen Termin mit der Polizei."

"Okay, tschüss"

"Pass auf dich auf."

Luca sieht mich fragend an.

"Meine Mutter, ich hab gleich einen Termin bei der Polizei. Ich werde sagen müssen, das du mit Anna zusammen bist."

"Warst." Korrigiert er mich und sieht dabei so unglaublich verletzlich aus.

"Ich vermisse sie auch. Es ist so unwirklich. Als würde ich gleich aufwachen und Anna würde mich in den Arm nehmen und mir sagen, dass alles okay ist."

"Krieg ich deine Handynummer ? Nur das wir wegen Anna in Kontakt bleiben. Falls was neues über ihren Tod rauskommt."

Er begleitet mich bis zur Haustür und nimmt mich in den Arm.

"Darf ich dich anrufen wenn ich jemanden zum reden brauche?" ich weiß nicht, warum ich ihn frage, aber es platzt einfach so aus mir heraus.

"Natürlich, ich glaube es ist wichtig, wenn wir uns zum reden haben."

Wieder steige ich mich auf mein Rad und fahre los.

Anna ist Tod. Der Gedanke ist so unwirklich, meine Trauer und meine Wut, ich kann es nicht in Worte fassen.

Ich sperre mein Fahrrad ab und klingle. Mam öffnet die Tür.

"Schatz, du brauchst gar nicht rein kommen, wir müssen los." sagt sie und streicht mit über den Kopf.

Wir brauchen nur zehn Minuten bis zum Polizeipräsidium. Mir wird schlecht.

Zwei uniformierte Polizisten in schwarzen Lederjacken kommen uns entgegen als wir hineingehen. Hinter einer Glaswand mit Sprechfenster sitzt ein Mann. Mama fragt nach Frau Strauß.

"Gehen sie den Gang gerade aus, Zimmer 304."

"Danke"

Wir stehen vor dem Zimmer.

"Soll ich mit rein kommen?"

"Nein Ma, passt schon"

Ich klopfe und trete ein.

Hinter einem Aktenbeladenen Schreibtisch sitzt eine junge Frau. Die Schulterlangen schwarzen Haare hängen ihr ins Gesicht. Sie wirkt sympathisch. Als sie mich sieht, steht sie auf und reicht mir die Hand.

"Polizeiinspektorin Strauß." stellt sie sich lächelt vor. " du musst Isabella sein."

"Ja, hallo."

Sie bietet mit einen Platz an und setzt sich auf die andere Seite des Tisches.

"Ich habe ein paar Fragen an dich. Du warst die beste Freundin von Anna Hauptmann."

"Ja"

"Wie alt bist du?"

"16, wie Anna." Die Tränen fangen schon wieder an zu laufen, dabei hatte ich mir fest vorgenommen, nicht zu weinen.

Strauß reicht mir ein Taschentuch. Dankend nehme ich es an.

"Hatte Anna einen Freund?"

"Ja. Luca. Luca Radic."

Die ganze Zeit kritzelte Frau Strauß etwas auf einen kleinen Notizblock.

"Hatte sie Feinde?"

"Nicht das ich wüsste. Anna war sehr beliebt."

Nachdem ich all ihre Fragen so gut ich konnte beantwortet habe, kann ich gehen.

"Ich habe noch eine Frage."

"Ja?"

"Woran ist Anna gestorben?"

"Willst du das wirklich wissen ?"

"Ja"

"Sie wurde erst mir einem harten Gegenstand bewusstlos geschlagen und dann erwürgt. Der Mörder hat ein ein Meter tiefes Grab für sie ausgehoben, Anna hineingeworfen, eine rote Rose hinterher und sie dann begraben."

"Wann ist sie gestorben?"

"Noch am Tag ihres Verschwindens."

"Danke."

Ich reiche Frau Strauß meine Hand und gehe.

Auf dem nach Hause weg will Mam wissen, wie es gelaufen ist.

"Passt." ich habe wirklich keine Lust auf ein Gespräch.

"Schatz, am Mittwoch ist die Beerdigung von Anna." sie flüstert nur. Auch für sie ist es schlimm. Sie war Annas Patentante. Juliane, Annas Mutter und meine kennen sich schon aus der Schulzeit.

"Wäre es okay für dich, wenn Papa und ich später zu Torsten und Juliane gehen ?" fragt meine Mutter mich.

"Klar."

Als wir zu Hause sind, gehe ich gleich in mein Zimmer. Heute will ich nichts und niemanden mehr sehen.

Es klopft an meiner Tür.

"Wir gehen dann jetzt. Ruf an wenn was los ist. Und bleibe bitte heute zu Hause!"

"Ja Papa."

Als ich höre, wie die Wohnungstür sich schließt, hole ich Anna und meine Kiste unter meinem Bett hervor.

All unsere Wünsche haben wir aufgeschrieben und in diese Kiste gesteckt. Fotos von uns sind auch drin.

Eins nehme ich in die Hand. Anna küsst mich auf die Backe. Ich muss lächeln. Aber dann kommen auch schon wieder die Tränen.

"Anna, ich vermisse dich so sehr. Bitte, komm zurück. Ich will nicht ohne dich leben müssen."

Ich drehe das Foto um. Sie hat was darauf geschrieben.

'Meine Bella, ich hoffe wir bleiben für immer Freundinnen. Aller beste Freunde für immer und ewig bis das der Tod uns scheidet.'

Jetzt gibt es für mich kein halten mehr. Ich kann nicht mehr. Die Tränen laufen und laufen. Anna hätte nicht gewollt, das ich wegen ihr weine.

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