Kapitel 1

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Kapitel 1

Es war die elfte Stunde und mein Kopf hämmerte wie ein Presslufthammer. Unser Lehrer erklärte jetzt zum 4-mal ein und dieselbe Herleitung für eine Formel. Ich saß ganz hinten allein im Klassenraum, da keiner neben mir sitzen wollte, aber da hatte ich mich schon dran gewöhnt. Ich tippte immer wieder mit meinem Füller auf den Tisch um wenigstens etwas Beschäftigung zu haben, Platz genug hatte ich ja. Meine Gedanken waren schon wieder ganz woanders und zwar im Theater. Seit ich in der 2. Klasse einmal bei einem Stück mitgespielt hatte war ich ein leidenschaftlicher Schauspieler geworden. Es gefiel mir dass die Aufmerksamkeit auf mich gerichtet war und das ich ein anderes Leben führen konnte. Eines was nicht so schlimm war wie mein jetziges. „Und damit ist x 26!“, ich horchte auf. Was erzählte dieser Lehrer da? Das war doch vorkommender Blödsinn! Ich meldete mich worauf meine Mitschüler genervt stöhnten. „Ja, Lucifer? Was hast du denn nun schon wieder?“, sprach unser Lehrer der keine Ahnung von dem hatte was er erzählte. Ich setzte an:“ Ähhhhh nun ja ihre Formel“ – ich wurde unterbrochen. „Man halt doch mal deine scheiss Fresse!“, rief Kevin. Ich schluckte. Immer wenn ich etwas sagte wurde ich dumm angemacht. Wie sehr ich das hasste. Unsern ach so tollen Lehrer schien das aber wenig zu interessieren. Ich sprach mit leiser Stimme weiter:“ Also ihre Formel ist nicht ganz korrekt... dürfte ich die richte herleiten?“ Er schaute mich wütend an. „Bitte! Wenn du meinst es besser zu können!“ Ich ging zögerlich zur Tafel und schrieb mit zitternder Hand eine sehr lange Rechnung an die Tafel. Mein Lehrer kochte vor Wut weil ich seine Thesen mit Leichtigkeit widerlegt hatte. Ich war mir sicher, dass er mich am liebsten durchs Abi rasseln lassen würde, aber das konnte er nicht. Ich war die einzige die den ganzen Mist konnte. Ich weiß nicht wieso aber für mich war es noch nie ein Problem gewesen zusammenhänge festzustellen oder generell etwas auf der geistigen ebene zu tun. Aber genau das war mir zum Verhängnis geworden. Ich ging wieder zurück zu meinem Platz und versuchte auf die dummen Bemerkungen der anderen nicht zu hören. Aber es verletze mich, egal wie sehr ich versuchte es zu unterdrücken. Endlich klingelte es. Ich packte meine Sachen in meinen kleinen schwarzen Rucksack. Zögerlich ging ich aus dem Raum raus. Wieder lachten sie. Was hatte ich ihnen getan? Ich beschleunigte meinen Schritt und versuchte einfach nur möglichst schnell aus dem Gebäude raus zu kommen. Als ich an der Treppe stand spürte ich wie jemand meine schultern packte und mich mit einem Schwung die Treppe hinunter beförderte. Ich stolperte drei stufen konnte mich aber noch ganz knapp an dem Geländer festhalten. Wieder schallendes Gelächter. Ich hätte mich wehren sollen, aber ich traute mich nicht. Kevin lachte am lautesten. Ich bückte mich und wollte mein Physik Buch aufheben was aus meiner Tasche heraus gefallen war, doch Kevin trat es mit einem bescheuerten Grinsen die Stufen hinunter und es kam wie es kommen muss. Die Treppe war eine Wendeltreppe und das Buch rutschte in die Mitte der Treppe und fiel so die Stockwerke herunter. Wir waren jetzt im 5. und nun lag mein Buch im Keller. Sie konnten sich kaum noch vor lachen halten. Ich blickte stumm geradeaus und lief schneller. Als wir im Erdgeschoss waren rief Kevin:“ Lucifer? Warum gehst du den weiter? Ach ja du bist ja so ein Opfer das ihr Buch noch holen muss! Und später gehst du dich bei Mami ausheulen?“ Die Menge hinter ihm grölte noch irgendeinen Mist den ich aber nicht mehr wahrnahm. Mein Blick war zum Boden gesenkt, als gäbe es auf der Welt nichts Schöneres als die dreckigen Stufen. Ich wollte keinem von ihnen in die Augen schauen, sie sollten nicht bemerken wie eine träne aus meinem Auge lief und meine Wimperntusche verschmierte. Ich stolperte fast über die Letzte Stufe und ich hob mein Buch auf. Mit hängenden Schultern ging ich die Treppe wieder hoch. Zum Glück war nun keiner mehr da. Ich blickte auf meine Uhr viertel vor sechs. Als ich nach draußen ging spürte ich wie ein eisiger Windzug mein Gesicht straff, es war entsetzlich kalt. Ich kämpfte mich bis zu meinem Rad vor und schloss es auf. Erst als ich losfahren wollte bemerkte ich dass meine Reifen zerstochen waren. Ich holte mein Handy aus der Tasche und beleuchtete den Vorderreifen um mir den Schaden genauer an zu sehen. Zwei lange Schnitte- den Reifen konnte ich vergessen. Ich schob leicht weinend mein rad vom Schulhof. Die Kälte war kaum auszuhalten. Als ich zu hause ankam waren 80 Minuten vorbei und ich fühlte mich als wäre mein Blut gefroren.

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