2 || "Schön langsam, Sweetheart."

13.4K 628 98

Seitdem der komische Junge weggegangen war, wusste ich nicht, über was ich mir jetzt mehr Sorgen machen sollte. Meine Gedanken drehten sich im Kreis. Erst wanderten sie zu Niall. Ich wusste nicht, was ihn dazu veranlasste schlecht von mir zu denken. Ich hatte ihm nie etwas getan.

Vielleicht war ja auch das, das Problem.

Ich hatte nie mit ihm geredet. Vielleicht lag auch darin meine Schuld. Meine Schüchternheit hielt mich davon ab, ihn anzusprechen. Es konnte auch daran liegen, dass er einfach viel zu selbstbewusst für mich auftrat und ich Angst hatte, dass wenn ich ihn anredete, er mich einfach auslachen und vor der ganzen Klasse runtermachen würde. Ich wusste es nicht so genau.

Dann war da auch noch dieser schwarzhaarige Junge, dessen Name ich gar nicht wusste. Warum hatte er mir seine Hilfe angeboten? Ich wollte sie nicht.

Okay, vielleicht war das gelogen.

Eine Seite in mir wollte unbedingt die Hilfe von ihm annehmen und dann gab es da noch meine Angst, die die andere Seite widerspiegelte. Ich wusste nicht, was passieren würde, wenn ich einfach nicht auftauchte. Dafür müsste ich Mathe schwänzen – und ich konnte mir genau das nicht erlauben. Zwar war ich gut in der Schule – mit einem stolzen 1,4 Notendurchschnitt – trotzdem konnte ich nicht so einfach schwänzen. Obwohl ich vortäuschen konnte, das ich krank war. Nein. Das würde bedeuten, dass ich lügen würde und wenn ich sage, dass ich nicht lügen konnte, dann konnte ich das auch nicht. Also fiel diese Option aus.

Wenn ich wirklich schwänzen würde, dann würde eh niemand wissen, wo ich gerade steckte. Niemand hatte meine Telefonnummer und wenn es meine Mutter erfahren würde, wäre es ihr im Prinzip egal. Sie interessierte sich nicht dafür, was ich in der Schule schaffte. Die einzige Bedingung von ihr war, dass ich nie mit einem guten Erfolg nach Hause kam, sondern mit einem ausgezeichneten. Immer musste ich besser als der Durchschnitt sein. Wenn ich es dann aber schaffte, dann wurde ich nicht gelobt. Außer von meiner Großmutter, die ich nur selten sah.

Ich starrte die restliche Zeit geradeaus. Nach Hause wollte ich auf gar keinen Fall, also blieb ich einfach sitzen und blickte gen Himmel. Dichte Wolken breiteten sich aus und ließen die Sonne kaum durch. Es wurde etwas kälter im Schatten und die Kälte ließ mich leicht frösteln. Die dünne Jacke gab kaum Schutz und so musste ich mich mit meinen Armen wärmen, die ich verschränkte. Gleich darauf entschied ich mich doch dazu, nach Hause zu gehen.

Eigentlich würde es nur zwanzig Minuten dauern, wenn ich die U-Bahn nahm. Doch ich wollte, wie ich schon erwähnt hatte, nicht so schnell nach Hause. Das einzige Problem war nur, dass mir kalt war und ich Hunger hatte. Mein Geld reichte nicht, um irgendwohin essen zu gehen, außer zum McDonald’s, oder einer anderen Fast Food Kette, doch ich wollte nicht dick werden.

Ich legte schon über eine halbe Stunde Fußweg zurück, als ich unser Haus erblickte. Es lag in einer schöneren Gegend, die ich verabscheute. Hier lebten nur eingebildete Leute, die meinten, sie würden sich alles leisten können und zu meinem Pech war das auch so. Bis auf unsere Familie, wir hatten nur eine Menge Geld und genau dieses Haus vererbt bekommen, als mein Großvater starb. Er hatte eine eigene Firma geleitet, die meine Mum übernommen hatte, also war sie auch dementsprechend nicht sehr oft zu Hause.

Nicht, dass es mir was ausmachen würde.  

Meine Schritte verlangsamten sich. Ich hatte nicht besonders große Lust schon zu Hause herumzusitzen. Doch auch wenn heute eigentlich ein warmer Tag war, breitete sich jetzt ein kalter Wind aus, der in meine Richtung wehte. Eine Gänsehaut überzog meine Arme und auch wenn ich es eigentlich vermeiden wollte, ging ich dann doch so schnell ich konnte die letzten paar Meter. Es dauerte nicht einmal eine halbe Minute, bis ich die Stiegen hinauf stieg und die Tür mit meinem Schlüssel aufsperrte.

teach me | ziam/niamLies diese Geschichte KOSTENLOS!