Jenny POV

Ich fand mich auf dem dreckigen Boden eines Clubs auf. Überall lagen Bierflaschen, Sektgläser, benutzte Kondome und Behälter mit ausgedrückten Joints darin. Mein Kopf brummte schrecklich und ich konnte mich nicht daran erinnern, was ich gestern gemacht hatte. Ehrlich gesagt, interressierte  es mich auch nicht. Wie in Trance stand ich auf und betrachtete mich in der mit Fingerabdrücken übersähten Tischplatte. War das wirklich ich? Meine Schminke zog sich verschmiert über mein Gesicht, die Haare waren zerzaust und unter meinen Augen zogen sich zwei tiefe Augenringe. Ich entsperrte mein Handy. Meine Mutter hatte mich kein einziges Mal angerufen. Mich wunderte das nicht, denn sie hatte sich noch nie um mich gekümmert oder in irgendeiner Weise gesorgt. Nach langem Erwägen beschloss ich nach Hause zu gehen, um nicht in noch mehr Schwierigkeiten zu gelangen. Der Raum war ein typisch gedimmter Raum, in der Ecke stand ein altes Sofa.

"Hey Jenny, du warst gestern mal wieder super!", schrie ein Typ, den ich nur vom Sehen kannte.

"Hör zu, ich kenne dich nicht, lass mich bitte in Ruhe, Bastard.", wägte ich ab und drückte den kahlrasierten Jungen von mir weg. 

"Gestern hast du doch noch jeden rangelassen, warum dann jetzt nicht mich?", lallte er bedrängend.

Schon landete meine Hand mit Schwung in seinem Gesicht und er fiel zu Boden. Er war geschwächt, sonst hätte er wahrscheinlich noch etwas gesagt aber er lag nur da, mit leerem Blick wie ein Toter. Keine Ahnung, wie ich mich gestern Nacht verhalten hatte und ob das was er behauptete, wirklich stimmte. Langsam schwankte ich weiter durch den Raum und lehnte mich an dem roten Sofa ab, ein Mädchen antippend. 

"Was willst du von mir?! Ich will schlafen.", fuhr das rothaarige Mädchen hoch und schaute mich mit erzorntem Blick an.

"Wo sind wir hier?", sagte ich ruhiger, weil ich gerade in der Lage war, mit irgendjemandem zu streiten.

"Keine Ahnung, verdammt.", zischte sie und legte sich wieder hin.

Verwirrt über so viel Aggression, bahnte ich meinen Weg nach draußen und stand planlos auf ein wenig befahrenen Straße. Der Wind bließ meine Haare durcheinander. Ich war froh, dass der Februar nicht mehr so kalt war wie der Januar oder der Dezember. Trotzdem war es morgens dunkel und noch ziemlich frisch. Nachdem ich mich umgesehen hatte, zog ich meine Spitzenstrümpfe etwas höher, richtete meinen Rock und zupfte an meinem engen Oberteil, dass meine Bauch nur sehr betonte. Mein linker High Heel fehlte. Ich hatte ihn vergessen und ging nochmal zurück in den Club, um ihn zu suchen. Lange scannte ich den Boden ab, ohne Erfolg. Viele verschiedene Kleidungsstücke lagen dort aber nicht mein Schuh.

"Portland, wir haben um diese Zeit geschlossen, das weißt du doch.", brummte der schmierige Clubbesitzer an dessen Namen ich mich gerade nicht erinnern konnte.

Ich war viel unterwegs und eigentlich nicht sehr oft an dem selben Ort feiern. Jeder kannte mich aber, weil wir aus einem großen Netzwerk von Jugendlichen, die hier im Ghetto leben, bestanden. Wirklich jeder hatte ein schlimmes Schicksal, ziemlich alle gingen nur selten zur Schule. Abgeschirmt von dem Rest der Welt, eine reine Party-Generation, wenn man es so nennen will.

"Hey Griffin.", brummte ich, nachdem ich seinen Namen in komischer Schrift von seinem Buttonhemd abgelesen hatte. "Hast du meinen Schuh gesehen? Ein schwarzer High Heel."

"Einen schwarzen High Heel? Ja, den habe ich gerade in auf einer Theke gesehen. Da drüben.", sagte er und deutete auf die Theke.

Da stand er wirklich und ich rannte dorthin, um ihn anzuziehen.

"Danke. Ich mach dann mal einen Abflug.", grinste ich und klopfte ihm auf die Schulter.

"Auf ein Wiedersehen, Jenny. Ich zähle auf meine Stammkunden.", zwinkerte er und verschwand in ein Hinterzimmer.

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