Bürgerkrieg, Teil 2

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Ein anderes Problem, das alljährlich zur Sommerzeit wiederkehrte, waren die Oranier-Märsche. Ähnlich organisiert wie die Schützenvereine in Deutschland, zogen die Oranier-Orden jedes Jahr auf einer seit Jahrhunderten festgelegten Route durch die Stadt. Diese Routen führten teilweise auch durch Gebiete, die von Katholiken besiedelt waren und diese empfanden das Durchmarschieren der protestantischen Oranier als eine einzige Provokation. Jedes Jahr schlugen sich Katholiken und Protestanten aus diesem Anlass die Köpfe ein. Vor allem in den Abendstunden und in der Nacht hörte man brutalen Ausfälle des aufgebrachten Mobs auf den Straßen und die in endlosen Schleifen kreisenden Hubschrauber. Am anderen Morgen sah Anne bei einem Rundgang durch die Stadt, welche Häuser in der Nacht zuvor durch Brandsätze abgefackelt worden waren.

Katholiken und Protestanten vermischten sich im Alltag selten und Anne hörte sogar von einem besonders krassen Fall, wo ein gemischt-konfessionelles Liebespaar von der IRA in ihrem eigenen Bett ermordet worden war. 

Nicht überall in Nordirland wütete der Bürgerkrieg! - Es gab durchaus sehr schöne Orte und Plätze, wo man gefahrlos ausspannen und Urlaub machen konnte; z.B. entlang der Küste. Belfast, Derry, Portadown..., alles schlimme Orte, denen vernunftbegabte Menschen möglichst fern blieben in damaliger Zeit.

Aber zurück zu der Bombenexplosion in Portadown im Mai 1993. Die Aufräum-Arbeiten  nach der Bombe dauerten viele Monate lang. So lange war auch die Innenstadt gesperrt. Bauarbeiter mussten mit schwerem Gerät anrücken, um den ganzen Schutt zu beseitigen. 

Durch Anne's Wohnzimmer ging ein tiefer Riss, durch den Wasser ins Wohnzimmer eindrang. Hinter der Couch wuchsen Pilze in ansehnlicher Menge. Anne nahm einen davon mit zur örtlichen Bibliothek und fragte nach, ob man sie essen könne.  Die Antwort war negativ. Richtig eklig wurde es, als Anne ein Stück vom nassen Teppichboden ablöste. Tausende von Kellerasseln tummelten sich darunter. Überall waren die Viecher; sogar in Anne's Blumentöpfen. Angewidert informierte sie ihren Vermieter. Der versprach, für Abhilfe zu sorgen. Er schlug ihr vor, eine Woche lang in Urlaub zu fahren, während er Anne's Wohnung renovierte. Anne willigte ein. Ihren Bügel-Service konnte sie unter diesen Umständen nicht weiterführen und die Leute in Portadown hätten auch gar kein Geld gehabt, um jemanden zu bezahlen, der ihre Wäsche bügelte. Überall in Portadown gab es "Bomb - Sales" mit bis zu 90% Rabatt. Aus den Nachbarstädten Lurgan und Armagh kamen die Leute in Massen und kauften in Portadown alles leer.


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