24.- Nicht einfach

68 7 12

«i run away when things are good and never really understood the way you laid your eyes on me in ways that no one ever could. and so it seems i broke your heart, my ignorance has struck again. i failed to see it from the start and tore you open til the end»

Aidans Sicht

Zusammen mit Batman sitze ich draußen auf der Terrasse von Graham und schaue auf die grünen Hügel vor mir. Ich höre über mir Dean und Xenia irgendein Lied von Taylor Swift singen und Vögel zwitschern. Die Sonne ist am untergehen und es wird langsam kälter, aber ich will nicht reingehen. Ich will hier sitzen und alleine sein und nachdenken. Über alles. Alles was geschehen ist. Nicht nur in diesem Urlaub, sondern auch die Wochen davor. Gestern sind wir von unserer Rundreise in Schottland zurückgekommen und doch fühlt es sich an, als wären die letzten Tage nur an mir vorbeigezogen. Wie ein Nebel, in dem ich eingehüllt bin und nicht rauskomme.
Ihre blonden Haare. Ihre Augen. Mit jeder Berührung spüre ich sie. Und wenn ich meine Augen schließe, dann sieht sie aus wie sie.
Sophie hat sich heute schon den ganzen Tag in ihrem Zimmer versteckt, um ihren Artikel zu Ende zu schreiben. Und irgendwie bin ich dankbar dafür, dass ich sie heute nur kurz gesehen habe. Lange halte ich es nicht mehr aus. Es fällt mir so schwer nicht ihren Namen vor ihr zu erwähnen. Es tut weh an sie zu denken, doch ich kann nichts dagegen tun. Sie ist immer bei mir und geht nicht mehr weg. Gedankenverloren spiele ich mit meinem Handy in meinen Händen, ich bin so kurz davor sie einfach anzurufen. Ihre Stimme zu hören. Auch wenn unsere letzten Gespräche und vor allem das letzte, sehr kühl verlaufen waren, habe ich das Gefühl wenn ich sie jetzt anrufe, dass alles so wie vorher ist. Das ihre Stimme ein wenig hoch geht, wenn sie sieht, dass ich es bin, der anruft- dass ich ihr Lächeln durch die Leitung hören kann und im Hintergrund irgendein dämliches Lied von Lana Del Rey läuft. 
Doch dann denke ich an eben diesen letzten Anruf. Wir haben nicht viel gesagt, doch ich habe gespürt, was sie mir sagen wollte. Ihren Schmerz habe ich still gespürt, als wäre es mein eigener.
Dabei hatte ich es nicht vergessen. Ich hatte sie nicht vergessen. Und schon gar nicht meine Liebe zu ihr. Ich würde es nie vergessen.
Als dieser Urlaub angefangen hat, muss ich komplett verrückt gewesen sein. Es war nie meine Absicht gewesen, sie allein zu lassen und mich in Sophie zu verlieben. Doch  bin ich das überhaupt? Bin ich verliebt?
Ich atme tief ein und aus. Ich war nicht in sie verliebt. Ich war in die Idee verliebt, in sie verliebt zu sein. Mit ihr schien alles einfach zu sein. Doch was ist schon einfach?
„Liebe ist nie einfach, Aidan. Und das Leben erst recht nicht." Ich höre Scarletts Stimme in meinem Kopf, als würde sie neben mir sitzen. Die Hügel vor mir verschwinden und ich sehe mich und sie auf dem Dach des Krankenhauses sitzen. Die Sonne geht gerade auf und ich halte ihre Hand in meiner. 

Die Sonne verschmilzt mit dem dunklen grün und dem blau der Highlands. Die Liebe ist nicht einfach. Und das Leben erst recht nicht. Wie oft musste ich das in den letzten Jahren am eigenen Leib erfahren? Wie viel Schmerz muss ich noch ertragen, damit es besser wird. Vielleicht habe ich mit Sophie nur gedacht, dass es einfacher wird. Dass ich irgendwann so sein könnte wie Dean mit seiner Xenia.

Ich liebe sie. Ich habe nie aufgehört. Nicht vergessen.
Schmerz. Schuld. „Shay", flüstere ich und sehe mir den Sperrbildschirm meines Handys an, dass sie und mich auf der Hollywoodschaukel in meinem Garten zeigt. „Was hab ich dir nur angetan..."

Unwillkürlich muss ich an diesen einen Sonntagabend zurück denken an dem wir auf meinem Sofa saßen und Kuchen gegessen haben während der Regen durch die offene Gartentür in mein Wohnzimmer fiel, aber keiner von uns aufstehen wollte, um sie zu schließen. Es war schön, einfach nur mit da zu sitzen und sich für nichts verantwortlich zu fühlen. „Wäre ich jetzt fünf würde ich dich fragen, ob du mit mir rauskommst, um im Regen zu spielen.", habe ich gesagt. Daraufhin hat sie den Teller weggestellt und mich angesehen. „Wieso nur, als du fünf warst?" Und dann ist sie aufgestanden und hat mich an der Hand genommen und mit nach draußen gezogen. Der Boden war rutschig unter meinen Füßen und ich hab aufgepasst, denn das letzte was ich wollte, war vor ihr hinzufallen. Ich hatte noch immer ihre Hand in meiner und sie begann zu lachen und über die Wiese zu rennen. Ich folgte ihr – immer noch darauf bedacht, nicht hinzufallen. Und ihr Lachen hat mich angesteckt und wir sind durch den Garten getanzt bis wir ganz nass waren. „Jetzt ist mir kalt.", hat sie gesagt und mich angesehen. Ich habe sie in meinen Arm genommen und fest gehalten.
„Wir wollen nächsten Monat nach Schottland fahren.", habe ich gesagt. „Wer ist wir?" Ihre Augenbrauen verdichteten sich. „Dean, Xenia und ich." „Aha. Wie...schön" „Ist schon lange her, dass wir alle mal was zusammen unternommen haben, ohne das irgendwas dazwischen gekommen ist." „Was meinst du damit?" Shay löste sich aus meiner Umarmung und sah mich fast schon vorwurfsvoll an. „Naja, wie mit ...du weißt schon. Und letztes Jahr und alles. Ich hoffe nur, dass wir mal etwas Zeit miteinander verbringen können, ohne dass es verdorben wird." „Stimmt.", hat sie gesagt, „Ehm, Aidan, ich muss jetzt auch mal wieder los. Wird so spät sonst. Muss morgen früh los." Und mit diesen Worten war sie wieder reingegangen, hat sich ihre Tasche genommen und Schuhe angezogen und stand bereit an der Haustür. „Ich kann dich auch fahren, wenn du willst." „Nein, nein. Ist schon okay, ich nehm' die U-Bahn. Mach dir keine Umstände." Shay drehte sich um, ohne ein weiteres Wort mit diesem seltsamen Lächeln im Gesicht, dass ich in letzter Zeit immer öfter sah. Es war nicht ihr echtes Lächeln. Es sah aufgesetzt aus. „Shay, ich", meinte ich und sie drehte sich um. „Was?" In ihren Augen lag irgendwas, dass ich nicht ganz einordnen konnte. War es Freude oder Traurigkeit, die ich sah? „Ehm, denkst du an meine Jacke? Die, die ich am Freitag bei dir vergessen habe.", führte ich meinen Satz anders aus, als ich ihn vorher geplant hatte. Und schon wieder lächelte sie so seltsam. „Ja, klar." Und dann drehte sie sich wieder um und lief weg. Im Regen. Allein. Noch nicht einmal einen dämlichen Schirm hatte sie dabei. Und ich ließ sie einfach so gehen. Weil ich nicht sagen konnte, dass ich sie liebte. Immer wenn ich das tat, passierte etwas. Ich konnte Shay nicht antun, dass irgendwas zwischen uns kam. Denn das würde es, wenn ich ihr sagen würde, wie sehr ich sie doch liebte. Einmal hatte ich es ihr gesagt und zwei Tage später war sie verschwunden.

All I ever feel (Aidan Turner ff)Lies diese Geschichte KOSTENLOS!