*15. Der schönste Tag*

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Ich würde wohl nie vergessen, wie Cynthias Hand sich in der meinen anfühlte. Nie, wie es sich anfühlte, wenn sie ihren Kopf auf meiner Schulter ablegte und genauso wenig würde ich wohl jemals vergessen, wie es war, als ich sie zum Essen ausführte. Es war der Tag, an dem ich alles gut machen wollte, was ich verbockt hatte.

Cynthia Barrow. Das gewaltige Geheimnis. Die Gerüchte um ihr früheres Leben, ihr Leben bevor sie versucht hatte sich umzubringen, kursierten bereits an der Schule. Aber wieviel davon war wirklich wahr?

Cynthi eine Schlampe? Eine hinterhältige Kuh? Nichts von dem war ich über sie gehört hatte, schien wirklich auf das Mädchen zustimmen zu wollen, dass mich dazu gebracht hatte, im Regen zu tanzen.

Ich bezweifle, dass ich wirklich viel über das Mädchen erfahren habe, dass mir so ans Herz gewachsen war. Cynthia war auch später noch immer geheimnisvoll und ruhig.

Doch der Tag an dem wir zusammen essen waren, in einem richtigen Restaurant, sollte alles verändern. Es sollte ein Tag voll von ihren Wünschen werden. Ein Tag, an dem sich die Welt um sie drehte, um Cynthia Barrow.

Kathrine hatte mir die Wünsche besorgt, nicht alle waren machbar, doch Kath half mir die Dinge zu planen. Sie suchte uns ein Restaurant raus, zu dem Zeitpunkt hatte ich nicht einmal gewusst, dass Cynthia Essen gehen wollte.

Es wurde der schönste Tag, jedenfalls einer der schönsten in meinem gesamten bisherigen Leben.

Vielleicht würde ich ihre Hände, ihr Lachen und den Tag deswegen nie vergessen. Weil es einer der besten war.

Davor hatte ich nicht einmal gewusst, was mir an ihr lag. Wieso ich mir die Mühe machte, ein Mädchen glücklich zu machen, dass sich tot stellte. Cynthia war bloß ein Mädchen, eins von Millionen anderer. Gut, ihre Eltern hatten einen gewaltigen Betrag auf den gesetzt, der den Knacks in ihrem Schädel wieder grade biegen würde. Obwohl das der anfängliche Grund gewesen war, wieso ich sie angesprochen hatte, war ich nie wirklich überzeugt von der Sache gewesen. Geld hatte nie eine große Rolle in meinem Leben gespielt und was als Scherz begann, entpuppte sich bereits nach kurzer Zeit zu viel mehr als einem Spiel. Kathrine hatte sich schon im ersten Moment zu sehr in die Sache hineingesteigert, drohte allen, die Cynthia zum Sprechen zwingen wollten, mit Grausamkeiten von denen vor allem Jesse und ich wussten, dass sie ernst gemeint waren. Cynthia war in wenigen Tagen zu mehr als einem Geldsack geworden.

Sie war Leben und Tod zugleich. Menschen besaßen die unterschiedlichsten Vorlieben, doch noch nie hatte ich jemanden getroffen, der so versessen darauf gewesen war, zu sterben. Und doch war sie von allem so begeistert gewesen.

Die Erinnerung an sie schmerzt mehr als ich erwartet hatte. Ich erinnere mich an ihr Gesicht in dem dämmrigen Licht des Restaurants. Ihre Handschrift und das Lächeln. Die Tatsache, dass Cynthia Salate hasste und mir ihren abgab. Das Frage-Antwort-Spiel auf ihrem Collegeblock.

Ich schließe meine Augen und lasse zu, dass die schönsten Momente mit Cynthia mich einholen und niederdrücken. Ihre Augen mir den Atem rauben und mein Herz sich schmerzhaft zusammenzieht. Ein winziger Teil von mir, will sie hassen für das, was sie mir angetan hat, doch es ist nicht möglich. So schmerzhaft ihr Tod auch ist, es wird niemals möglich sein, sie zu hassen.


Cynthia Barrow - Alle meine WünscheLies diese Geschichte KOSTENLOS!