Geburt

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Bei ihrer Rückkehr nach Deutschland war ihre Wohnung, die ihre Eltern ihr im Hinterhaus zur Verfügung gestellt hatten, noch nicht fertig. Anne musste notgedrungen mit anpacken und Fenster und Türen streichen. Es war drückend heiß und die Schwangerschaft verursachte zusätzlich gesundheitliche Probleme. Unter anderem waren ihre Fußknöchel bis auf Elefantenfuß-Größe angeschwollen. Sie musste sich immer wieder hinlegen, damit das Wasser aus ihren Füßen ausgeschwemmt wurde. Ihre Schuhe passten trotzdem nicht mehr. Sie brauchte neue, obwohl das Geld nun knapp war, da ihr Verdienst nun wegfiel. 

Schweren Herzens ging sie zum Sozialamt und beantragte Sozialhilfe, worauf ihr Vater zum Sozialamt einbestellt und gefragt wurde, warum er seiner Tochter keinen Unterhalt gewährte, obwohl er zwei große Häuser hatte und einen BMW fuhr. Ihr Vater argumentierte damit, dass er noch drei andere kranke Kinder habe, die er unterhalten müsse, weil sie keine Arbeit fanden. Damit war das Sozialamt zufrieden und gewährte Unterhalt und Mietzuschuss. Den Beitrag zur Krankenversicherung musste sie selbst aufbringen.

Eines Tages, etwa zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin war Anne gerade dabei, ihre Wohnung zu putzen, als es zwischen ihren Beinen nass wurde. Sie dachte, sie hätte sich eingenässt, doch die Flüssigkeit war klar, nicht gelb. Anne wusste nicht, was das war und fragte ihre Mutter. Die alarmierte sofort ihren Vater, der sie umgehend ins Auto packte und ins Krankenhaus fuhr. Die Fruchtblase war geplatzt und die Geburt stand unmittelbar bevor.

Anne wunderte sich, weil sie keine Wehen hatte, während die anderen Frauen auf der Station, die ihre Kinder bekamen, sich vor Schmerzen krümmten, ging Anne im Garten spazieren. 

Am späten Nachmittag war es dann auch bei ihr soweit; die Wehen setzten ein und Anne wurde in den Kreißsaal verlegt. Dort lag sie Stunde um Stunde, während die Wehen mit der Zeit immer heftiger wurden und in immer kürzeren Abständen kamen. 

Abends um halb Sieben wurde der Schmerz schließlich unerträglich und Anne durfte endlich durch Pressen mithelfen, das Kind auf die Welt zu befördern. Doch das Kind wollte nicht....

Da gerade Urlaubszeit und weit und breit kein Frauenarzt erreichbar war, musste einer aus 20 km Entfernung kommen, um das Kind zu holen. Ein Dammschnitt wurde gemacht, dann half der Arzt nach, indem er den Unterarm auf Anne's Bauch drückte und das Kind in Richtung Ausgang schob. Anne fluchte vor Schmerz und schlug den Arzt sogar, aber schließlich war das Kind da. Es war ein Junge, knapp fünf Pfund schwer und mit langen, schwarzen Haaren. Die Hebamme fragte Anne, wie der Kleine denn heißen solle. Anne, die fest damit gerechnet hatte, dass sie ein Mädchen bekommen würde, hatte keinen Namen für einen Jungen. So nannte sie den ersten Namen, der ihr einfiel; RAINER, nach ihrem treuen Jugendfreund.

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