Ich bin am Ende. Oder anders gesagt stand ich ihm noch nie so nah. Alles ist grau, die Drogen betäuben meinen Körper und ich habe seit Tagen nichts gegessen. Mein Kopf dröhnt. Es ist ein stätiges Dröhnen, erst ganz leicht, fast wohltuend und dann hat es mich umgehauen. Wie eine Welle, ein Meer in dem ein Sturm aufzieht.
Meine Handgelenke sind aufgescheuert, das Blut läuft an meinen Armen herunter. Schmerz. Seit Tagen nichts anderes mehr. Blut und Schmerz.
Der Kerker liegt unter einer Burg, einer Festung in der Hauptstadt. Ich weiß nur noch bruchstückhaft wie ich herkam. Ein Schlag auf den Kopf und dann wurde ich durch endlose Korridore aus nacktem, kalten Grau geschleppt, vorbei an Schmerzensschreien und Folterkammern. Sie öffneten eine Zelle und ketteten mich an die Wand. Sie ist kalt. Wie alles hier. Sonderbarer Weise störte mich das nicht, ich kannte mich mit Kälte aus, besser als die meisten anderen.
Der Leichengeruch ist noch nicht ganz verflogen und die Zelle ist eigentlich zu groß für eine Person. Ich stand bis jetzt unter zu starken Einfluss der Drogen um das wirklich zu registrieren, aber nun bemerke ich es.
Ich höre das Knacken von Schlüsseln, ein Werter. Doch ich bin zu müde zum Reagieren. Er schiebt mir die Haare aus dem Gesicht, fast führsorglich. Eine Schüssel berührt meine aufgeplatzten Lippen. Suppe. Eine dünne Suppe ohne Geschmack und nur wenig, aber das erst was ich sein Tagen esse. Leer. Zu schnell, es war grade genug das ich überhaupt etwas wie Hunger bekomme.
„Weiter kann ich dir nicht helfen, Mädchen." sagt er. Ist da Bedauern in seiner Stimme? „Schade um so junges Blut." Tatsächlich. „Du hast deinen ersten Termin" erklärte er, „du bist gut wenn du fünf schaffst, die meisten sind nach drei erledigt und wenn man Pech hat schafft man nicht mal den Ersten."
Das rostige Schloss, was die Ketten meiner Handgelenke hält, knarzte als er den Schlüssel umdrehte. Ich war überrascht von dem Gewicht das nun auf meinen Beinen lastet. Ein stechender Schmerz schoss in meine Knie, die Wirbelsäule hinauf. Ich sacke weg. Unglaublich, wie schnell man hier abbaut. Ich knie nun auf dem kalten Boden und spüre meine Arme nicht. Das überraschte mich hingegen nicht. Seit Tagen sind die Nerven abgeklemmt und ich spüre nur wie sie gegen meinen Körper schlagen. Ich schaue auf den Boden und sehe alte Blutspuren. Meine Haare hängen mir nun wieder in klammen, eingedrehten Strähnen im Gesicht.
„Komm!" mehr sagte er nicht und zog mich auf die Füße. Ich wanke, ich darf nicht fallen und so etwas wie alter Stolz zieht sich in mir hoch und gibt mir Halt. Ich blicke auf. Zum ersten Mal seit Tagen. Ich sah ihm in die Augen. Ich weiß nicht was für ein Bild ich grade abgab, ich merkte nur meinen schweren Zopf im Nacken, die Haare, die mir in die Augen vielen und einen bleiernen Schmerz im Nacken. Und ich sah ihm in die Augen. Er zuckte. Er war nicht alt, aber auch nicht besonders jung. Ich kann dunkles Haar unter seinen Helm erkennen und er ist nicht größer als ich. Eine starke Statur und warme blaue Augen. Ich denke er macht den Job schon lange, aber nicht gerne. Ein einfacher Wachmann der Essen bringt und Gefangene zum Verhör führt. Ich kann noch ein Parr tiefe Lachfalten um seine Augen sehen, nein, das ist kein Job für ihn.
Wir gehen los. Los in die Hölle...
***
Ich gehe zu meiner ersten Zelle und sehe, dass wir einen neuen Insassen haben. Nein, eine Insassin. Es war ein Mädchen von vielleicht 15 Jahren. Groß und schlank gewachsen, athletisch gebaut. Sie hat dunkle Haare, die genaue Farbe erkenne ich nicht. Strähnen hängen ihr ins Gesicht. Sie trägt eine zerschlissene Hose, ein kurzes Oberteil. Keine Schuhe, keine Jacke welche ihre mit Narben bedeckten Arme und Schultern verbergen könnte. Ein sehr ungewöhnlicher Stil, vor allen für eine Frau. Dunkler Schorf hat sich an ihren Handgelenken gebildet und grade rinnt frisches Blut an ihren Armen hinab. Ich habe Mitleid mit ihr. Ich weiß nicht warum, vielleicht erinnert sie mich an meine Tochter, auch wenn sie ihr nicht ähnlich sieht. Noch hat sie die Augen geschlossen, auch als ich was zu ihr sage rührt sie sich nicht. Ich flöße ihr die Suppe ein, eine kleine Stärkung wird sie brauchen. Ich löse ihre Fesseln. Sie schlägt auf die Knie. Die Arme hängen bewegungslos an ihrer Seite.
Und auf einmal steht sie vor mir. Sie wankt nicht mehr und hebt den Kopf. Unerschütterliche Ruhe geht von ihr aus. Ich merke dass ich zucke. Sie schaut mir in die Augen, ich schaue zurück, fasziniert von diesem Mädchen. Tiefe Augen, ein unendlich kalter Blick. Sie versucht nicht zu fliehen. Sie steht nur da und wartet. Sie sagt kein Wort, versucht nicht mal sich den Fesseln zu entziehen. Ich führe sie einfach weg und sie lässt es einfach zu.
Doch nun will ich es wissen. Was macht dieses Mädchen so gefährlich Warum war sie hier, was hat sie verbrochen? Warum ist sie so wertvoll oder unter den Staatsfeinen Nummer eins? Was machte sie zu dem was sie jetzt war?
ŞİMDİ OKUDUĞUN
Elementenspiele
Fantastik"Bist du denn wahnsinnig?" Ich überlege kurz. Dann wäge ich alles noch mal genau ab und überdenke meine Entscheidung. "Ja", sage ich "durchaus möglich." Ich springe.
