55. Essen

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Es war einer von diesen Ausnahmetagen, wo Stegi mal keine Mütze trug, was Tim direkt als Möglichkeit sah ihm durch die Haare zu wuscheln. Genervt sah Stegi zu ihm rauf. "Dein Ernst?" "Jap." Er nahm Stegis Hand und sie liefen gemeinsam zur Schule. "Ich hab mal so gar keine Lust auf Englisch bei der alten Hexe. Die betont eh immer wieder, dass wir zu nichts fähig sind und wir es eh nicht zum Abschluss schaffen. Sie ist so lächerlich!" Tim lachte leicht auf. "Echt?" "Ja. Aber die wird schon sehen. Ich mache meinen Abschluss mit zwei Komma irgendwas und dann zeige ich ihr den erhobenen Mittelfinger." "Ja, ja mach das mal Stegi." Tim lachte noch mehr, denn Stegi war zu süß, wenn er sich aufregte. Murrend lief Stegi neben Tim her und betrat mit ihm das Schulgelände. "Ich gehe zu Tobi. Bis nachher." Stegi küsste Tim auf die Wange und verschwand dann im Schulgebäude, wo er direkt auf Tobi zu steuerte, der vor der Englischklasse wartete. "Morgen, du ohne Mütze? Ist irgendwas?", lachte er und schlug kurz mit Stegi ein. Dieser schmunzelte bloß und zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Hatte keine Lust auf meine Mütze." Tobi sah ihn gespielt schockiert an. "Oh mein Gott!" Stegi rollte grinsend mit den Augen und zog Tobi dann am Arm etwas Abseits von den anderen Schülern. "Ich muss dir was erzählen, aber das darf niemand wissen!" "Okay worum gehts?" "Tim und ich wurden im Krankenhaus vertauscht. Es steht fest wir haben vor drei Wochen einen Vaterschaftstest gemacht und gestern kamen die Ergebnisse." Tobias Augen weiteten sich. "Also wärst du quasi Tim und Tim Stegi?" Stegi lachte und stimmte ihm zu. "Ja so wäre es." "Und jetzt?" "Na ja es muss mit dem Amt geklärt werden und dann muss ich von meinen, beziehungsweise Tims eigentlichen Eltern adoptiert werden, denn auch wenn sie nicht meine leiblichen Eltern sind will ich nicht von ihnen weg. Mama is eben Mama und Papa eben Papa." Tobi lächelte. "Das ist doch gut oder?" Stegi nickte grinsend und erzählte ihm noch von dem Essen heute Abend und wie er sich das vorgestellt hatte bis seine Englischlehrerin kam und die Klasse aufschloss.

Stegi saß auf dem Bett und musterte den Brief in seinen Händen. Irgendwie war es noch so surreal, dass Tims Mutter eigentlich seine war und umgekehrt. Er hatte sich die Testergebnisse schon ein paar mal durchgelesen, aber trotzdem wollte es nicht in seinen Kopf.
Er seufzte und fuhr sich durch die Haare. Andächtig legte er den Brief auf seinen Nachttisch und schaltete etwas Musik ein. Er musste auf andere Gedanken kommen und wie ging das besser als mit Musik?
Er hatte den Nachmittag lang mit seiner Mutter das Essen vorbereitet und war die ganze Zeit kein bisschen nervös gewesen, warum musste er dann jetzt langsam nervös werden. Erneut seufzte er und fuhr sich durchs Gesicht. Wann kam denn endlich Tim mit seiner Familie? Stegi konnte es kaum noch aushalten und wollte gerade sein Buch nehmen als er die Klingel hörte. Er sprang vom Bett, stolperte so halb über den Teppich und rannte die Treppe runter. Mit einem Schwung riss er die Tür auf und lächelte. "N'Abend, kommt rein und geht durch.", lächelte er und ließ Tim mit seiner Familie durchgehen. Allerdings blieb Tim zur bei Stegi um diesen einen flüchtigen Kuss auf die Wange zu geben. Stegi kommentierte das bloß mit einem verlegnen Lächeln und kam dann Tim hinterher. Selbst die Geschwister der beiden waren anwesend.
"Hast du den Brief?", flüsterte Tim seinem Freund zu, als sie alle am großen Esstisch saßen. Der blonde schüttelte den Kopf. "Hol' ich dann.", murmelte er leise und wünschte allen, wie die Erwachsenen, eine guten Appetit. Dann begangen sie alle zu essen.
Am Anfang redeten die Eltern und die älteren Schwestern der beiden über irgendwelche belanglosen Dinge, wie die Arbeit oder das Studium. Als es jedoch nichts mehr zu bereden gab und die meisten schon aufgegessen hatten, wand sich Tims Mutter an die Jungs. "Was wolltet ihr eigentlich erzählen?" Tim sah zu Stegi und nickte diesem zu. Sein Freund stand auf und lief nach oben um die Testergebnisse zu holen.
Etwas verwirrt waren alle Blicke auf sie gerichtete, als Stegi wieder am Tisch saß. "Also... ähm... ich hab dich ja mal gefragt ob ich adoptiert bin Mama und du hast gesagt nein, aber irgendwie hat es mir doch keine Ruhe gelassen warum ich so anders aussehe als ihr." Stegi schluckte kurz nervös und Tim legte zur Beruhigung eine Hand auf seinen Oberschenkel und strich mit dem Daumen über die Stelle. "Na ja mir ist dann aufgefallen wie ähnlich Tim Papa sieht und dann habe ich angefangen Familien Fotos von den beiden Familien zu vergleichen. I-ich hab es Tim erzählt und ähm.... dann ja..." Er legte den Brief auf den Tisch. "Wir haben einen Vaterschaftstest gemacht. Es ist rausgekommen, dass Tim eigentlich euer Kind ist Mama, Papa und ich ähm... ja bin dann wohl euer Kind.", erklärte er nervös und warf einen flüchtigen Blick zu Tims Eltern. Er reichte den Brief seinen Eltern, die ihn nahmen und durchlasen. Danach wurde er weiter an Tims Eltern gereicht, die ihn ebenfalls lasen und beide Elternpaare sahen ziemlich geschockt aus. Es herrschte Totenstille und sogar Max war leise und sah neugierig zwischen den Leuten umher. "Was ist?", fragte er dann doch und Marcella deutete ihrer Tochter mit ihm nach oben spielen zu gehen. Chrissy folgte den beiden.
"Wie habt ihr das gemacht? Also wie seid ihr an denn Speichel von euren Vätern gekommen?" Marcella schien die einzige zu sein, die sich relativ schnell wieder gefangen hatte. "Na ja also... wir haben einfach den Rand eurer Tasse oder eines Glases mit diesen Wattestäbchen abgewischt.", erklärte nun Tim. "Und das Geld, wie habt ihr das aufgetrieben?" "Ich hatte noch ein bisschen und den Rest haben wir durch Zeitung austragen verdient." Nun war es Stegi der erklärte. "Wessen Idee war es?" Stegi sah schuldig auf den Tisch und hob seine Hand. Marcella seufzte angestrengt. "Du bist aber auch einer Stegi und du auch Tim!", lächelte sie sanft. Auch die anderen lächelten nun. Und wie habt ihr euch das jetzt vorgestellt?", sprach nun auch Tims Vater. "Na ja, also ich sehe halt einfach meine Eltern als meine Eltern und nicht euch als meine Eltern und ich denke Tim geht es genauso deshalb würde ich sagen wir bleiben in den Familien." Tim stimmte ihm mit einem Kopfnicken zu und ergänzte noch: "Ihr müsst das jetzt bloß mit dem Amt klären und mich und Stegi adoptieren, weil wir ja nicht eure leiblichen Kinder sind." "Da hat sich aber jemand informiert.", schmunzelte Pablo und fing an die Teller zu stapeln. "Aber das klingt nicht schlecht. Geht ihr jetzt erstmal hoch. Wir regeln den Rest.", lächelte Tims Vater und ehe er das ausgesprochen hatte, waren die Jungs schon oben in Stegis Zimmer.

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Hallo meine Früchtchen^^

Endlich ist es raus. \-/
Wie fandet ihr das Kap? Ist auch mal wieder etwas länger.^^'

Bis denn meine Früchtchen<3
~Maddi

»Vertauschte Leben« Stexpert Lies diese Geschichte KOSTENLOS!