Die Ohrfeige schallte. Ich sank auf dem Marmorboden zusammen.

Meine ganze rechte Gesichtshälfte wurde taub. Eine violette Träne rollte aus meinem Augenwinkel, obwohl es nicht wehtat.

Meine Mom machte das oft. Ich war es gewöhnt, aber jede dieser Ohrfeigen zerstörte mich innerlich.

"Was sollte das? Warum schließt du die die ganze Nacht in deinem Zimmer ein? Du törichtes Kind! Was fällt dir ein? Du darfst die Tür nicht vor mir verschließen, oh nein! Ich bin deine Mutter und solange du unter meinem Dach lebst, hast du mir zu gehorchen! Und solange du mir gehorchst, bist du Nichts!"

Diese Worte klangen wie die, einer Irren. Ich schluckte. Ich konnte Mom nicht widersprechen. Sie würde sonst noch wütender und vielleicht würde sie mich ja sonst komplett zerschmettern.

Ich sah weg. Wollte nicht in Mom's besessene Augen schauen, nicht sehen, was sie in mir sah.

So blieb ich in der Ecke sitzen, zusammengekauert und allein gelassen. So wie immer.

Wie konnte ich Idiotin nur daran denken, glücklich zu sein. Die Jungs waren nicht real. Genau so weinig wie mein Glück. Dabei war es so schön gewesen, dass mich jemand beachtet hatte.

Ich hatte mir das wahrscheinlich auch alles nur eingebildet, von wegen Glück. Ich würde niemals glücklich sein können. Meine Welt verbot es mir.

"Du Nichts!", brüllte meine Mom gerade.

Mein Kopf schmerzte. Ich schloss meine Augen ganz fest, wollte nicht sehen, wie wütend sie war. Eine weitere Ohrfeige knallte.

"Schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!"

Ich hob den Blick und konnte den alkoholischen Atem meiner Mom riechen. Warum musste sie nur so oft trinken?

"Wieso musste ich dich nur behalten? Warum habe ich dich nicht abgegeben, oder getötet? Warum musste ich mir das antun?"

Diese Worte taten weh, aber ich hielt aus. Ich hatte gelernt, diese Sachen zu verkraften, auch wenn es schwer war. Ich fühlte, dass meine Wange dunkelblau und dick wurde. 

Meine Lippen mussten mittlerweile wieder diesen hässlichen violetten Ton angenommen haben. Ich war wieder ich, als hätte es diese Momente in meiner Welt nie gegeben.

Als hätten die Jungs mich nie kennengelernt. Auch das Gefühl der Freude und Geborgenheit war weg. Ich fühlte mich sogar noch dreckiger und verlassener als jemals zuvor.

Warum musste ich das auch nur mit ansehen, damals? Mit ansehen, was für keine Augen bestimmt war. Nicht einmal für die Augen, die das veranstaltet hatte. Warum musste das auch passieren?

Ich fühlte meine Welt kommen. Sie überkam mich in dem Moment, in dem meine Mom folgenden Satz sagte: "Sophie wäre enttäuscht von dir."

Und dieser Satz zerbrach mich endgültig in tausende Splitter...

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