Kapitel 3

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Die erste Nacht in der neuen Wohnung verlief für Jessica sehr unruhig. Zwar schienen auch ihre beiden Mitbewohnerinnen auf einem ruhigen Schlaf zu bestehen und weder der Fernseher noch das Radio waren angestellt.

Trotzdem schreckte die Neu-Münchnerin immer wieder aus Alpträumen hoch.

In einigen kamen Statuen mit roten Augen vor. Eigentlich war dies nicht so verwunderlich, hatte ihr damaliger Freund Jonas nicht immer wieder mit diesen zu tun gehabt? Auch ihr Großvater hatte  mehrere Aktenordner mit Informationen über die Dämonen gefüllt. Doch sie selbst hatte niemals eine Dämonenstatue zu Gesicht bekommen.

„Warum träume ich jetzt davon? Das ganze liegt schon ein paar Monate zurück und ich hatte doch noch nie Alpträume deswegen. Ist es die neue Umgebung? Oder weil ich gestern mit dem Dolch da stand und nachgegrübelt habe?“, stellte sie ein paar Überlegungen an ehe sie Schluffel, ihren kleinen braunen Stoffhasen in den Arm nahm und die Augen schloss.

„Natürlich bin ich durcheinander. Ich war noch niemals allein so weit weg von zu Hause und ich habe noch niemals allein gewohnt. Ich muss mich außerdem erst mal an das fremde Bett gewöhnen. Dann wird es schon gehen! Ab dem 1. Juli fange ich bei der neuen Stelle an, auch deswegen kann man sich Gedanken machen, ich hab ja keine Ahnung wie die da so sind. Und morgen werde ich Ralfi, Anitas Freund kennen lernen. Er muss ja ganz witzig sein wenn man ihr so zuhört!“

Endlich, es war schon gegen Morgen, schlief Jessica ein und dieses Mal wurde ihr Schlaf nicht mehr von Alpträumen gestört.

Alptraumhaft waren auch die folgenden Tage nicht. Statt dessen stellte sie fest dass sie mit ihren beiden Mitbewohnerinnen sehr viel Spaß haben konnte. Vor allem Anita steckte alle mit ihrer guten Laune an. 

Ralfi, Anitas Freund, bekam Jessica leider nicht mehr zu Gesicht denn am Tag nach ihrer Ankunft trennten sich die beiden.

Am Abend hatte Jessica noch versucht die andere zu trösten und sie wunderte sich darüber dass sich Christine diese Mühe gar nicht erst machte. Doch dann lachte Anita, nachdem sie zehn Minuten in ihr Taschentuch geschluchzt hatte, ein wenig gequält. „Auf ein Neues! Die Welt ist voller hübscher Jungs die nur darauf warten mich kennen zu lernen!“

Verwundert sah Jessica ihre Mitbewohnerin an und ihre gequälte Fröhlichkeit wich innerhalb der nächsten Stunde einer tatsächlichen. War Anita so schnell über ihren Liebeskummer hinweg gekommen?

Am nächsten Tag hatte sie sich bei Christine deswegen erkundigt und diese sah verlegen zu Boden. „Eigentlich rede ich nicht schlecht über andere. Aber bei Anita und ihren Traummännern ist das so eine Sache. Sie lernt oft und gerne welche kennen. In die verliebt sie sich dann. Und ich würde sagen sie denkt jedes Mal dass es der Richtige ist. Derjenige den sie heiratet und mit dem sie Kinder kriegt. Und mit dem sie in ein Reihenhaus zieht und irgendwann wenn sie groß ist Spießer wird. Aber meistens dauert die große Liebe ungefähr eine Woche und dann weint sie einen Abend lang. Aber mach dir darum keine Gedanken. Bald hat sie einen neuen Freund! Ich habe in den vier Monaten die wir zusammen leben schon Thomas, Mark, Eddi, Wolle und jetzt halt Ralfi kommen und gehen sehen!“

„Verstehe,“ murmelte Jessica und mit einem Mal beneidete sie Anita sogar. Sie wünschte sich manchmal sie könnte über solche Dinge so locker hinweg gehen wie die Mitbewohnerin. 

Statt dessen litt sie wirklich unter Liebeskummer seit ihrer Trennung von Jonas auch wenn dies im Laufe der letzten Wochen ein wenig besser geworden war. 

„Na, sagt dir die liebe Christine in umständlichen Worten dass sie mich für ein Flittchen hält?“ erklang mit einem Mal Anitas Stimme hinter ihr und dann legte die andere ihr den Arm um die Schulter.

„Die Christine ist ein Partymuffel. Die sitzt abends lieber da und liest wie die Innereien einer Kuh aussehen. Sie nimmt alles viel zu Ernst. Und wenn das so weitergeht wird sie erst dann einen Freund finden wenn sie Tierärztin ist und jemand mit einem kranken Hund in ihre Praxis kommt. Aber wie sieht es mit dir aus, Jessielein? Du kommst doch heute Abend mit ins Techno-Wunderland, oder? Und keine Angst, die spielen da nicht nur Techno. Der Name ist nur ein nostalgisches Bleibsel aus den wilden 90ern!“

Jessica wusste nicht so recht was sie sagen sollte. Sie wollte Anita nicht direkt am Anfang ihres Zusammenlebens vor den Kopf stoßen. 

Eine große Diskogängerin war sie eigentlich genau so wenig wie Christine. Doch es war vielleicht die einfachste Möglichkeit neue Leute in München kennen zu lernen.

„Na gut, ich komme mit,“ stimmte sie schließlich zu und Anita strahlte sie an. „Gute Entscheidung, die wirst du ganz bestimmt nicht bereuen! Und warte mal ab, in spätestens einer Woche hast du einen neuen Freund und allen Liebeskummer vergessen. Es lohnt sich nicht sich damit herum zu schlagen. Das hat noch niemandem geholfen und man sollte zur richtigen Zeit eine Schlusstrich ziehen und sich wieder der Welt, insbesondere der Männerwelt, zuwenden!“

„Als ob man in der Disko den Mann fürs Leben kennen lernen würde,“ murmelte Christine kopfschüttelnd und schloss die Tür zu ihrem Zimmer hinter sich um sich in ihre Lehrbücher zu vergraben.

Anita seufzte. „Die arme Christine. Die nimmt das Leben viel zu ernst. Man hat doch nur eins und da sollte man so viel Spaß wie möglich hinein stopfen. Auf jeden Fall werde ich mich auf dem Totenbett lieber an nette Jungs erinnern als an Kuhmägen!“

Dämonische Statuen  Jessicas GeschichteLies diese Geschichte KOSTENLOS!