Kapitel 2

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Jessica betrat, gefolgt von ihrem Vater und ihrem Bruder sowie mit dickem Gepäck die geräumige Fünf-Zimmer-Wohnung in der Münchner Innenstadt in der sie künftig wohnen würde.

Begrüßt wurden sie von Christine und Anita, ihren beiden Mitbewohnerinnen.

„Hallo, schön dass du da bist, Jessie! Ich darf dich doch Jessie nennen, oder?“, erkundigte sich Anita, eine junge Frau von Anfang zwanzig die sich ihr Haar weißblond gefärbt hatte. Herzlich umarmte sie Jessica.

„Jessie ist in Ordnung,“ nuschelte diese und die Mitbewohnerin lachte ehe sie einen Blick auf Andy, den gerade sechzehn Jahre alt gewordenen Bruder der neuen Wohngenossin warf.

„Hallo, du bist doch bestimmt der Bruder, oder?“, fragte sie in einem koketten Tonfall der Jessicas und Andys Vater Falten auf die Stirn zauberte. Doch davon bemerkte Anita nichts. Statt dessen schüttelte sie zuerst Andy und dann seinem Vater die Hand.

„Ich bringe die Sachen in mein Zimmer,“ rief Jessica und schnappte sich eine große Reisetasche. 

Dann betrat sie den Raum in dem sie künftig leben würde. Er war etwas über zwölf Quadratmeter groß und wirkte recht gemütlich. Außer ihrem Bett gab es ein Sofa, ein Regal und einen Schrank. An den Wänden hingen einige Bilder die sie spontan als moderne Kunst bezeichnet hätte.

„Die habe ich gemalt, im Kunstkurs an der Uni,“ rief Anita und Jessica nickte. 

Sie wusste dass Anita irgend etwas nicht näher Bezeichnetes an der Universität studierte. Das gleiche galt für Christine, die sich bislang still im Hintergrund gehalten und fast schon schüchtern zu Boden geblickt hatte.

Christine studierte Tiermedizin und war zwanzig Jahre alt. Glücklicherweise stammten sie und Anita aus einem reichen Elternhaus und ihre Eltern zahlten ihren Mietantel für sie. All dies hatte Jessica bei ihrem ersten Besuch vor zwei Wochen, als sie sich die Wohnung angesehen hatte, von Anita erfahren.

„Ich weiß nicht so recht,“ murmelte ihr Vater als er seiner Tochter ins Zimmer folgte während Andy sich im Flur über Anitas Flirtversuche freute.

„Mir gefällt es hier, Papa. Die beiden sind  doch ganz nett! Und ich habe es auch nicht weit bis zur Arbeit, in zehn Minuten bin ich in Dr. Grützners Praxis!

Auch ihren künftigen Chef, den Zahnarzt Dr. Grützner hatte Jessica bereits kennen gelernt.

„Diese Anita...ich werde ihr jetzt einmal sagen dass mein Sohn erst sechzehn ist! Dann lässt sie hoffentlich diese Flirtversuche,“ sagte der Vater und verließ den Raum. Jessica konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken als ihr über fürsorglicher Vater Anita über das jugendliche Alter ihres Bruders aufklärte.

„Armer Andy. Da flirtet endlich mal ein Mädchen mit ihm und schon greift Papa ein. Der Arme!“, dachte sie.

Doch zwei Stunden später, als sie sich von ihrem Vater und ihrem Bruder verabschiedete, flossen heimliche Tränen. 

Von ihrer Mutter hatte sie sich bereits zu Hause verabschiedet, diese hatte es nicht ertragen können ihre Tochter in die feindliche fremde Großstadt zu begleiten.

„Arme Mama, das ist alles ein wenig viel für sie,“ dachte Jessica und umarmte ihren Vater liebevoll. Dieser gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Halt die Ohren steif, Kleines. Und wenn irgend etwas ist, dann ruf an. Ich hole dich sofort ab!“

„Es wird schon alles gut gehen, Papa!“, sagte Jessica und umarmte auch ihren jüngeren Bruder. Auch diesem fiel der Abschied schwer, selbst wenn er es nicht zugeben wollte.

„Und grüß diese Anita von mir,“ flüsterte er seiner Schwester beim Abschied verschwörerisch zu.

Noch lange sah Jessica dem davon fahrenden Auto nach ehe sie in die Wohnung,die im ersten Stock lag, zurück kehrte.

Ihre Mitbewohnerinnen saßen in der Küche und riefen sie hinein als sie die Wohnung betrat. Anita reichte ihr ein Glas mit Sekt.

„Jetzt stoßen wir erst mal auf deinen Einzug an. Auf ein gutes Zusammenleben!“, lachte sie und die drei jungen Frauen stießen miteinander an.

Dann grinste Anita. „Und jetzt kommen wir zur Hausordnung. Das Bad und die Küche werden nach dem Plan dort drüben,“ sie deutete auf ein großes Plakat,“ sauber gemacht. Der Fernseher steht im Wohnzimmer, abends nach elf gibt es keine laute Musik mehr. Außer uns wohnen auch noch ältere Leute im Haus und die regen sich dann auf. Auch wenn sie Hörgeräte tragen und sonst nichts mehr hören, das bekommen sie garantiert mit!“

Christine nickt. „Wenn du einen Freund hast kannst du ihn gerne mitbringen.....“

Anita grinste. „Es wäre sonst auch wirklich ein wenig schade.Ich habe nämlich seit zwei Wochen einen neuen Freund, der heißt Ralfi und ist wirklich süß! Ach ja, die wichtigste Regel. Die Freunde von einer von uns sind für die anderen absolut tabu!“

Jessica nickte. „Alles klar. Ich habe momentan gar keinen Freund. 

Ihre Gedanken wanderten zu Jonas, ihrem Ex-Freund aus der Heimat. Doch mit diesem war sie bereits seit längerem auseinander.

„Das kann sich hier sehr schnell wieder ändern. Nur Christine hat noch nie jemanden mitgebracht. Dabei lebt sie auch schon seit vier Monaten hier in der Wohnung!“, lachte Anita und zog Jessica zum Tisch und drückte sie dort auf einen Stuhl.

„Und jetzt kochen wir uns was Leckers, es gibt Spaghetti!“, sagte Anita und Christina zwinkerte Jessica verschwörerisch zu. „Das ist das einzige was sie kochen kann!“

„Na und, ist doch lecker,“ maulte Anita und holte eine Packung Spaghettis aus dem Küchenschrank.

Bis spät in die Nacht war Jessica mit dem Auspacken und Einräumen ihrer persönlichen Gegenstände beschäftigt. 

Als letztes packte sie einen Dolch aus und hielt ihn einen Augenblick in der Hand. In ihrer alten Heimat hatte sie Unterricht im Schwertkampf genommen und diesen Dolch hatte ihr damaliger Freund Jonas ihr überlassen.

„Mit dem kann man Dämonen bekämpfen,“ dachte sie und für einen Augenblick lief ihr ein Schauer über den Rücken. 

Doch dann legte sie die Waffe unter ihre Pullover in den Schrank.Er musste nicht unbedingt Anita oder Christine in die Hände fallen.

„Mit Dämonenstatuen komme ich den beiden am besten nicht,“ dachte sie mit einem schiefen Grinsen.

Nun lag ein neues, hoffentlich dämonenfreies Leben vor ihr.....

Dämonische Statuen  Jessicas GeschichteLies diese Geschichte KOSTENLOS!