„Ich weiß es nicht. So genau will ich das auch gar nicht wissen. In dem Fernsehbeitrag sagten sie dass vor 350 Jahren oder so eine ganze Familie zu Tode kam. Danach gab es nur noch selten Tote, auch weil das Schloss seither leer steht. Und es glaubt auch niemand wirklich daran, in dem Beitrag haben sie das ganze Schloss, natürlich bei Tag, gefilmt aber nirgendwo eine Dämonenschlange gesehen. Es sah eher aus wie ein verfallenes Märchenschloss....“

„Wie romantisch,“ sagte Lucas und verdrehte die Augen. Seit seinem Ärger mit Meike wollte er von romantischen Dingen nichts mehr hören. Statt dessen war er am Vorabend mit Andy ins Kino gegangen und hatte sich einen knallharten Actionfilm der eigentlich erst ab 18 Jahren freigegeben war angesehen. Aber irgendwie konnte es die dort vorkommenden Aliens in keinster Weise mit einer Dämonenstatue aufnehmen....

„Und wir sollen tatsächlich draußen warten?“, erkundigte sich Julia mit Unbehagen. 

Jonas nickte. Er fühlte sich in Julias Gegenwart bei weitem nicht mehr so unbehaglich wie zu Schulzeiten. Immerhin musste er nun nicht mehr fürchten dass sie ihm Reißzwecken auf den Stuhl legte oder sich sonstige Bosheiten ausdachte.

„So ist es besser. Bei dieser Schlange weiß ich gar nicht womit ich es genau zu tun bekomme. Und da ist es wirklich besser wenn ihr draußen wartet. Und ich hoffe dieses Mal haltet ihr euch auch daran, vor allem du, Lucas!“, sagte Jonas aber Lucas war damit nicht einverstanden.

„Ich stehe dir schon nicht im Weg herum. Aber wenn ich meine ich müsste rein kommen dann komme ich rein! Davon hält mich diese Verräterin da auch nicht ab!“, sagte er und deutete auf Julia die zusammen zuckte.

Jonas stöhnte. „Wenn wir irgendwie zusammen arbeiten wollen dann müssen wir damit aufhören uns gegenseitig fertig zu machen.“

„Ich bin ja schon ruhig,“ antwortete Lucas, warf aber trotzdem noch einmal einen bösen Blick auf Julia. 

Diese starrte vor sich hin. „Lucas hat ja nicht unrecht. Ich habe wirklich unsagbaren Mist gebaut,“ dachte sie. „Das kann ich doch gar nicht mehr gut machen, ganz egal was ich jetzt tue!“

Da sie ihr damaliges Vergehen ein wenig gut machen wollte hatte sie sich dazu bereit erklärt Jonas und seinen Bruder zu begleiten. 

„Das ich mal mit dem größten Verlierer der Schule nach Berlin fahren würde hätte ich mir auch nie denken lassen,“ dachte sie mit einem bitteren Lächeln und warf eine Blick auf Jonas.

„Aber er hat sich verändert. Er ist anders als damals, zu Schulzeiten. Ich glaube dieser Jonas hätte sich weit weniger gefallen lassen!“

„Einen Hinweis auf diese Dämonenschlange habe ich damals schon in dem Buch meiner Nachbarin gefunden,“ erinnerte sich Jonas am nächsten Abend an ein früheres Ereignis. Damals hatte er noch nicht wirklich an die Existenz von Dämonenstatuen geglaubt und sich ein Buch der alten Nachbarin ausgeliehen.

„Sie zeigt sich so weit ich weiß um Mitternacht, seit der Zeit des dreißigjährigen Krieges. 

Jonas stand neben Julia und Lucas vor dem alten Schloss. 

„Ihr beiden geht bitte zum Auto zurück. Setz du dich ans Steuer, Julia. Und fahr weg sobald irgend etwas auf euch zukommt das auch nur entfernt an eine Riesenschlange erinnert! Ich will nicht dass es euch so geht wie Ingo!“

Julia nickte während Lucas mit dieser Anweisung seines Bruders in keinster Weise einverstanden zu sein schien. 

Trotzdem setzte er sich neben Julia auf den Beifahrersitz. „Vielleicht muss Jonas schnell abhauen, lassen wir lieber die Türen auf. Und hoffen wir dass nicht irgend etwas hier rein kriecht!“

Julia schwieg, öffnete aber die Zentralverriegelung. Schweigend starrte sie auf das Schloss das bei Tageslicht, als sie es sich bereits angesehen hatten, einen malerischen Eindruck machte.

Doch jetzt wirkte es einfach nur noch unheimlich und die Uhr im Auto zeigte fast Mitternacht an. Sie hatten das Schloss bei Tage durchsucht, dabei etliche „Betreten Verboten-Schilder“ ignoriert und keine Spur eines Dämons gefunden.

Lediglich eine verblasste Zeichnung auf einer Mauer, die eine Riesenschlange zeigte welche eine Frau verschlang deutete auf etwas Unheimliches hin.

„Das Schloss ist so baufällig. Jonas hat zwar seine Taschenlampe mit, trotzdem ist es gefährlich. Was ist wenn ihm ein Stein auf den Kopf fällt oder so?“, stellte Lucas beunruhigt fest.

„Es wird schon gut gehen,“ antwortete Julia leise aber Lucas sah sie wütend an. „So wie es damals gut gegangen ist? Als du uns verraten hast und Gerrit zurück zu Engelmann musste? Weißt du eigentlich was du ihm da angetan hast?“

„Ich weiß,“ sagte Julia leise. „Und es tut mir leid. Ich wollte nicht dass es dazu kommt und würde es gerne ungeschehen machen. Euch wenigstens warnen. Aber damals.....ich habe mich einfach nicht getraut und dachte es geht schon irgendwie gut.“

„Ist es aber nicht. Mittlerweile geht es Gerrit so weit wieder ganz gut. Er sagt es zumindestens und er meinte er habe so viele Jahrhunderte bei Engelmann verbracht. Da käme es auf ein paar Wochen mehr auch nicht an. Aber ob das wirklich so ist?“, überlegte Lucas, dieses Mal allerdings nicht mehr so unfreundlich wie zuvor.

„Weiß er dass ich es wahr die.....“, stammelte Julia aber Lucas schüttelte den Kopf. 

„Jonas und ich haben es ihm nicht gesagt. Vielleicht hat Engelmann was gesagt aber Gerrit hat nichts dergleichen erwähnt. Das musst du vielleicht selbst irgendwann mit ihm klären, falls überhaupt. Ich weiß nicht ob es für ihn noch eine Rolle spielt.“

Julia nickte schweigend und beide sahen sie aus dem Fenster zur Richtung des alten Schlosses.

Jonas schlich, sein Schwert in der einen und eine Taschenlampe in der anderen Hand haltend, durch die Gänge des halb verfallenen Schlosses. Es roch nach Rosen und er erinnerte sich dass diese überall wild um das Schloss herum wucherten. Es hatte wirklich, zumindestens bei Tageslicht, etwas von einem alten Dornrösschenschloss.

„Aber statt einer schönen Prinzessin schläft hier ein widerlicher Dämon,“ dachte Jonas und gelangte zu der Stelle an der die Zeichnung der Schlange die die Frau fraß zu erkennen war. Er fragte sich kurz wie alt dieses Abbild wohl war und ob es die tatsächliche Größe des Dämons wiedergab.

„Ich wüsste gerne wo das Ding sich bei Tag aufhält. Wir haben das ganze Schloss doch durchsucht und eine Statue die eine ungefähr zehn Meter lange und einen Meter breite Schlange darstellt wäre uns doch sicherlich aufgefallen! Gibt es hier irgendwo einen geheimen Keller oder so was? Gibt es die Statue vielleicht schon gar nicht mehr?“

Doch auf einmal hörte Jonas ein Geräusch und er huschte schnell hinter ein breite Säule an der sich bereits große Löcher befanden und die aussah als würde sie jeden Augenblick umfallen. Schritte näherten sich und Jonas erkannte eine dunkle Gestalt die auf ihn zu sprang und ihn grob zu Boden riss.

Jonas schlug nach dem anderen, der ihm deutlich überlegen war, und traf ihn ins Gesicht doch dieser wich im letzten Augenblick aus so dass er nicht die volle Wucht des Schlages zu spüren bekam.

Statt dessen spürte er einen Tritt gegen sein Schienbein und trat seinerseits nach dem Bein des Angreifers ehe dieser ihn überraschend los lies.

Schnell erhob Jonas sich und griff beim Aufstehen nach seinem Schwert und seiner Taschenlampe die ihm aus der Hand gefallen waren.

„Ich bin zu unvorsichtig, aber der Kerl war so schnell,“ dachte er und zuckte zusammen als er den anderen erkannte. „Stefan? Was machst du hier?“

„Das sollte ich dich eher fragen!“, antwortete Stefan unfreundlich. „Ich habe hier einen Job zu erledigen. Der nette Herr Baron dem das Schloss heute gehört hätte Interesse daran dass es demnächst dämonenfrei ist. Er hat vor ein paar Jahren die Schlange mal gesehen und will sie gerne los werden. Und ich bekomme 10.000,00 Euro dafür. Eigentlich viel zu wenig wenn ich bedenke wie reich der Kerl ist. Aber für mich eine Menge Schotter und es gibt da so ein hübsches Auto das ich gerne hätte....“

„Also wie üblich, du hast einen Sponsor gefunden und kämpfst darum jetzt gegen diese Schlange!“, stellte Jonas fest und Stefan nickte. „Ganz genau. Und du verschwindest jetzt vielleicht besser schnell von hier. Gleich ist Mitternacht und dann wird es wirklich gefährlich hier. Das ist eine Nummer zu groß für dich!“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!