Kapitel 122

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Es dämmerte bereits als Sebastian sich vorsichtig der St. Andreas Kirche näherte. Er hatte beschlossen sich, wie häufig empfohlen, seinen Ängsten zu stellen und sich noch einmal davon zu überzeugen dass es den Dämon nicht mehr gab.

Zwar wusste er dies aber er wollte es wirklich noch einmal mit eigenen Augen sehen.

Mittlerweile, es war neun Uhr Abends und ein wunderschöner Maitag ging zu Ende, gelangte er zu einer Stelle von der aus man die Dämonenstatue früher immer sehr gut hatte erkennen können.

Sebastian lächelte erleichtert als über dem Eingang der Kirche nur noch die nackte Mauer zu erkennen war. Keine Statue gab es dort und sie würde niemals mehr zurück kehren.

„Genau wie die Statuen von Engelmann, die sind auch zerstört. Und er selbst ist nun in einer Anstalt, das weiß ich von Julia. Jonas hatte es ihr neulich noch mal erzählt. Da gehört er auch hin. Und ich glaube nicht dass sie ihn da wieder heraus lassen. Von den Statuen ist nur noch Gerrit übrig geblieben und er ist anders. Er soll mir nicht über den Weg laufen, meinetwegen aber sein Leben leben.....“, dachte Sebastian und sah noch ein letztes Mal zu der leeren Stelle über der Kirche.

„Hier mit dem Dämon fing der Alptraum an. Hier ist auch Katja gestorben. Aber es ist vorbei. In dieser Stadt gibt es nun hoffentlich keine Dämonen mehr und vor allem dieser kann niemandem mehr etwas tun.“

Sebastian humpelte nach Hause. Sein Bein tat ihm nach wie vor weh und er hoffte das das im Laufe der Zeit noch besser werden würde.

Georg saß in Hedwigs Wohnzimmer und ging mit ihr einige Unterlagen durch. 

„Wenn wir das Haus verkaufen dann bekommen wir zum Glück beide einiges heraus. Du kannst dir von dem Erlös eine kleine Eigentumswohnung kaufen. Zum Glück war das Haus bereits abbezahlt,“ sagte Georg und Hedwig sah ihn, mit Tränen in den Augen, an.

„Dieses Haus war unser Lebenstraum. Wir haben es damals gebaut und wollten hier alt werden. Und Jonas sollte es eines Tages bekommen. Bist du dir im Klaren darüber dass du deinen eigenen Sohn gerade um sein Erbe bringst? Aber nach dem heutigen Recht hätte wahrscheinlich auch Lucas noch irgend welche Ansprüche an dich stellen können. Wenigstens er wird nichts von diesem Haus haben!“

„Hedwig, lass bitte meine Söhne da raus. Mir tut es auch leid dass ich Jonas kein Haus hinterlassen kann. Und Lucas den Teil der ihm von mir davon zustehen würde.“, antwortete Georg bedrückt.

„Und was soll im Fall einer Scheidung eigentlich aus mir werden? Ich bin seit Jonas Geburt nicht mehr berufstätig. Glaubst du mit fünfzig bekomme ich noch eine Stelle? Heute arbeiten die doch überall mit Computern. Das war vor einundzwanzig Jahren noch nicht so. Soll ich vielleicht im Supermarkt an einer Kasse arbeiten? Ich war mal eine Vorzimmerdame! Das ist nun der Dank von dir. Ich bin zu Hause geblieben, habe deinen Sohn groß gezogen und deinen Seitensprung ertragen. Sogar aufgenommen habe ich Lucas und für ihn gesorgt. Und jetzt ende ich als Sozialfall!“

„Du wirst natürlich Unterhalt von mir bekommen. Und deinen Anteil aus dem Hausverkauf,“ wandte Georg ein aber seine Frau schüttelte den Kopf. 

„Es geht doch nicht nur um das Geld. Es geht doch auch darum dass du mich unmöglich machst. Alle reden sie hier über uns. Das Jonas mich nicht mehr besucht, dass du mit dem Ergebnis deines Seitensprungs zusammen lebst. Wie kannst du nur einfach so alles weg werfen?“

„Ich habe nichts einfach so weg geworfen. Aber du hast versucht unseren Sohn zu vergiften. Da kann ich doch nicht einfach drüber hinweg gehen. Und auch sonst hatten wir uns nicht mehr allzu viel zu sagen. Ich bin jetzt Anfang fünfzig. Das will ich mir nun wirklich nicht die nächsten verbliebenen dreißig Jahre antun,“,antwortete Georg und schweren Herzens nickte Hedwig.

„Dann gibt es für uns keine gemeinsame Zukunft mehr? Es ist dir egal dass ich ein Sozialfall werde? Dass ich das Haus um das ich mich so liebevoll gekümmert habe aufgeben muss? Und das alles nur wegen einer kleinen Dummheit, damals bei Jonas? Er hat es doch überlebt und es geht ihm gut. Und ich wollte ihm nicht wirklich schaden. Georg, willst du es dir nicht doch noch einmal überlegen?“

Georg schüttelte den Kopf. „Nein, ich überlege es mir nicht mehr. Es ist einfach zu viel vorgefallen. Und erinnerst du dich noch daran dass du mich seit unserer Trennung bei meinen Kollegen und meinem Chef lächerlich gemacht hast? Das du ernsthaft vorgeschlagen hast dass ich meinen jüngeren Sohn in ein Heim stecke?“

„Lucas kann von mir auch wieder hier wohnen. Vielleicht freunden er und ich uns sogar noch an,“ wagte Hedwig einen letzten Versuch aber ihr Mann schüttelte den Kopf und schließlich nickte sie. „Dann muss ich mich wohl damit abfinden dass du deine Meinung nicht mehr ändern wirst. Ich werde mein Heim verlieren und ein Sozialfall werden.....“

Hedwig öffnete einen Aktenordner den Georg mitgebracht hatte und in dem sich Bankunterlagen über das gemeinsame Haus befanden.

„Das dauert lange bis wir das durchgearbeitet haben. Ich mache uns jetzt erst mal einen Kaffee,“ sagte sie und verließ den Raum während Georg sich im Wohnzimmer umsah. 

Auch er erinnerte sich an die großen Pläne die in dem gemeinsamen Heim steckten. Aber er hatte sehr vieles falsch angefangen. 

„Ich hätte mehr für Jonas da sein müssen. Ich weiß nicht ob ich das wieder gut machen kann. Aber ich war immer so sehr in meinen Beruf eingespannt. Nach Feierabend wollte ich dann meine Ruhe haben und Hedwig hat mir immer versichert dass Jonas ein schwieriges Kind sei. Ich hätte genauer hinschauen müssen.....“

Doch da war auch immer das Gefühl gewesen dass er Hedwig etwas schuldig war wegen seines Seitensprungs mit Anita. Seit diesem Tag an dem sie es erfuhr hatte sie ihn irgendwie in der Hand gehabt. Zumindestens hatte er es so empfunden. 

Hedwig kehrte mit dem Kaffee zurück und Georg nahm einen Schluck. Dann machte er sich daran zum ehemaligen Kaufvertrag des Grundstückes zu blättern. „Ich habe schon mit der Bank gesprochen,“ meinte er. „Der Grundstückspreis in der Gegend ist gestiegen und vielleicht können wir da beim Verkauf noch etwas heraus schlagen.

„Natürlich, Georg. Wir werden einen Gewinn machen. Komm, trink noch was von deinem Kaffee,“ sagte Hedwig mit einem Lächeln.

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