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Pen Your Pride

Kapitel 120

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Jonas betrat müde das Büro und unterdrückte auf dem Weg zu seinem Schreibtisch nur mühsam ein Gähnen.

„Ach, warst du wieder Dämonen jagen?“, erklang eine gehässige Stimme und Jonas sah Ingo mit einem Stapel Unterlagen auf sich zu kommen. 

„Aber zum Faulenzen ist keine Zeit! Ich sehe nicht ein dass ich auch nur das Geringste hier für dich mache! Das hier ist ab jetzt deine Aufgabe!“, sagte Ingo und drückte ihm die Unterlagen in den Arm. „Viel Spaß damit!“, wünschte Ingo ihm mit einem boshaften Unterton und grüßte im gleichen Augenblick eine junge Kollegin sehr freundlich.

„Jonas, ist alles klar?“, fragte diede nachdem sie Ingos Gruß erwidert hatte. Doch noch bevor Jonas antworten konnte schüttelte Ingo den Kopf. 

„Nein, es ist nicht alles klar. Er macht die Nächte durch und beschwert sich hinterher dass er hier nichts auf die Reihe kriegt!“

„Ingo, halt die Klappe!“, fuhr Jonas, dessen Verständnis allmählich am Ende war, ihn an.

„Was ist denn das für ein Tonfall? Herr Schneider, reißen Sie sich bitte zusammen. So kenne ich Sie nicht,“ forderte Herr Cremer der gerade den Raum betrat, ihn auf. „So was ist nicht gut fürs Betriebsklima!“

„Finde ich auch,“ stimmte die Kollegin den anderen zu während Ingo Jonas triumphierend ansah.

Jonas zog es vor nicht mehr darauf einzugehen und setzte sich an seinen Schreibtisch während Herr Cremer den Raum verließ. Ingo drehte sich ebenfalls um und verließ das Zimmer fast schon fluchtartig.

„Als ob ich ihm etwas tun würde. Hatte Stefan am Ende Recht und ich kann Ingo abschreiben? Zumindestens was unsere Freundschaft angeht? Ich will das aber nicht.....“, dachte Jonas traurig und stöhnte als das Telefon klingelte und er die Nummer seiner Mutter erkannte.

„Ja, was ist?“, fragte er und seine Mutter schwieg einen Augenblick beleidigt. „Was ist? Dein Vater hat mich verlassen! Das ist los!“, sagte sie dann und Jonas verdrehte die Augen.

„Ja, weiß ich. Das ist ja nun schon eine Weile her!“, antwortete er und wollte auflegen. Seine Mutter war nun wirklich nicht der Mensch mit dem er sprechen wollte.

„Und es ist deine Schuld dass ich nun allein da stehe und wir das Haus verlieren. Und die von Georgs Bastard!“, fuhr Hedwig ihren Sohn an. 

„Du sprichst von Lucas nehme ich an. Dann nenn ihn auch so,“ forderte Jonas seine Mutter mit einem bissigen Unterton auf. 

Aber diese dachte nicht daran. „Warum sollte ich? Ich sage doch nur wie es ist. Hätte sich diese Anita damals nicht an einen verheirateten Mann heran gemacht dann....“

Jonas legte den Hörer auf. Er wollte und konnte es nicht mehr hören. 

„Jetzt fehlen nur noch meine beiden Freunde von der Polizei. Dass sie kommen und mir irgend etwas anhängen wollen. Dass sie mich mal wieder nach einem Alibi fragen!“, dachte er und schloss einen Augenblick die Augen. 

Am liebsten hätte er seinen Kopf auf den Schreibtisch gelegt und geschlafen. Er dachte an Stefan. War dieser bereits abgereist? Er hoffte es denn Stefan war ihm nicht ganz geheuer gewesen.

Zur gleichen Zeit verließ Jonas ehemalige Freundin Jessica den Behandlungsraum in dem sie ihre Chefin, der Zahnärztin Frau Dr. Ungemann, geholfen hatte den Zahn eines Patienten zu überkronen.

Frau Dr. Ungemann verabschiedete sich von dem Mann ehe sie sich an Jessica wandte. „Frau Hügel, ich muss etwas mit Ihnen besprechen!“

Jessica nickte und folgte der Ärztin zurück in den Behandlungsraum. Dort schloss diese die Tür hinter sich und bat Jessica sich hinzusetzten. 

„Frau Hügel, ich habe leider keine guten Nachrichten für Sie! Sie haben es sicherlich auch schon bemerkt, wir hatten im vergangenen Jahr weniger Patienten. Und ich will es kurz machen, aber ich kann Sie nach der Ausbildung leider nicht übernehmen! Ich dachte bislang dies wäre möglich aber leider geht es wirklich nicht. Es tut mir wirklich sehr leid. Aber ich habe bereits eine Ganztags- und eine Halbtagskraft. Dazu werde ich ab August eine neue Auszubildende für das erste Lehrjahr einstellen. Da ist leider nichts zu machen!“

Jessica nickte. Sie war blass geworden und Frau Dr. Ungemann griff nach ihrem Arm. „Es macht mir wirklich keinen Spaß Sie gehen zu lassen! Aber ich sage Ihnen lieber jetzt Bescheid als nach der letzten Prüfung. Die findet ja Anfang Juni statt. Doch ich hätte da vielleicht eine Möglichkeit für eine neue Stelle für Sie!“

Jessica sah ihre Chefin hoffnungsvoll an. „Eine andere Stelle? Ich weiß von einigen Schulkameradinnen die sich bereits bewerben dass im gesamten Raum Köln, Aachen und auch darüber hinaus kaum Stellen zu finden sind!“

Frau Ungemann nickte., „Das ist richtig. Leider werden Sie im Umkreis nur sehr schwer etwas finden. Aber ich spreche von einem alten Studienfreund von mir. Ein Herr Dr. Detlef Gürzel. Er hat sich in München niedergelassen und sucht händeringend ab Juli nach einer guten Kraft. Ich telefonierte erst gestern mit ihm und er meinte falls Sie Interesse hätten könnten Sie ihm Ihre Unterlagen zuschicken.“

Jessica sah die Ärztin zweifelnd an. „München ist so weit weg,“ murmelte sie. 

Sie war vor wenigen Tagen neunzehn Jahre alt geworden und hatte noch niemals alleine gelebt. Und ein Umzug nach München war ein großer Schritt für sie. Doch war es nicht das was in der heutigen Zeit verlangt wurde? Flexibilität? 

Dieses bestätigte auch Frau Dr. Ungemann. „Mein alter Bekannter zahlt recht gut und er ist ein freundlicher Mensch. Ich glaube als Chef wäre er erträglich. Sie sollten auf alle Fälle über diese Möglichkeit einmal nachdenken sobald sie ihre Prüfungsergebnisse vorliegen haben. Ich habe Dr. Grützel gebeten die Stelle noch nicht zu vergeben.“

„Ich werde darüber nachdenken,“ versprach Jessica.

Ganz wohl fühlte sie sich bei diesem eventuellen Schritt nicht und es kam alles auch sehr überraschend für sie. 

Als sie am Abend ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Andy von dieser Jobmöglichkeit berichtete waren sie nicht allzu begeistert.

„Schatz, bist du dir auch ganz sicher? München ist so weit weg!“, stellte die Mutter besorgt fest.

Jessica nickte. „Ich weiß., Aber in der heutigen Zeit kann man nicht allzu wählerisch sein. Ich habe den ganzen Tag darüber nachgedacht. Und ich werde mich bewerben. Aber noch habe ich die Stelle ja nicht, also keine Panik!“

Jessicas Vater drückte seine Tochter an sich. „Meine Kleine zieht von zu Hause aus! Aber dann brauchst du auch eine schöne Wohnung und in München sind die Mieten hoch!“

„Zieh doch in eine WG,“ schlug Andy vor. „Partys ohne Ende, laute Musik, Jungs, noch mehr Jungs, du stellst mich deinen Mitbewohnerinnen vor....“

„Andy! Das ist nicht komisch!“, wies der Vater ihn zurecht aber Andy grinste nur. „Da kannst du deinen Liebeskummer wegen Jonas endlich hinter dir lassen. Ist ja nicht mehr auszuhalten, deine ewige Trauermiene!“

Auf ihren Ex-Freund wollte Jessica nun ganz und gar nicht angesprochen werden. Sie hatte mit diesem Kapitel abgeschlossen und ging nicht einmal mehr zum Schwertkampftraining. Sie wollte ihm  nicht mehr über den Weg laufen und lediglich sein jüngerer Bruder Lucas erinnerte sie bei den Besuchen bei ihrem Bruder an ihn.

„Auch unabhängig von Jonas, es wäre ein Neuanfang. Bewerben werde ich mich auf alle Fälle und die Sache mit der WG ist gar nicht mal so schlecht,“ dachte Jessica und hatte ihre Entscheidung damit getroffen.

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