Ich konnte das Meer schon von weitem rauschen hören. Obwohl ich noch mehrere hundert Meter davon entfernt war, rauschte es zum Ferienhaus von Lennox‘ Eltern hinüber. Mit pochendem Herzen nahm ich die Beine in die Hand und rannte los.

Der kalte Nachtwind jagte mir eine Gänsehaut über den gesamten Körper. Langsam bereute ich es, dass ich nur den Hoodie an hatte. Aber der war alles, was ich geschafft hatte in meiner Panik anzuziehen.

Kaum war die Geschichte erzählt gewesen hielt ich es nicht mehr in einem Zimmer mit Junes aus. Viel zu sehr hatte ich Angst vor seiner Reaktion auf meine Vergangenheit. Meine Beine wackelten nonstop als ich die Treppe hinunter schlich. Ich versuchte so leise wie möglich zu sein.  Welche Uhrzeit wir gerade hatten wusste ich nicht. Und ob überhaupt jemand schon schlief – auch keinen Plan. Unten im Wohnzimmer brannte kein Licht mehr und der Fernseher war auch ausgeschaltet. Ich ging davon aus, dass Ella sich wohl Lennox geschnappt hatte. Reden und das ganze Drumherum.

Ich war kaum zwei Strassen entfernt von Lennox‘ Ferienhaus, schon fand ich das es Zeit für eine erste Zigarette war. Meine Schritte verlangsamten sich. Der Rauch stieg in den klaren Nachthimmel hinauf. Nervös inhalierte ich ihn ein. Meine Lungen füllten sich mit dem Teufelszeug. Langsam beruhigte ich mich. Nach einem weiteren Zug vom Glimmstängel nahm ich meinen Run wieder auf.

Völlig ausser Atem kam ich bei der Mauer an. Sie trennte die Häuser vom Meer. Ich war erstaunt, dass ich es mit einem Satz drüber schaffte und nicht nach unten taumelte. Wie gern hätte ich mir meinen Kopf aufgeschlagen. Mit der winzigen Hoffnung ich würde verbluten und müsste nie wieder Junes oder sonst jemandem unter die Augen treten.

Mit rasendem Herzen sackte ich in den Sand. Es fühlte sich so an, als ob meine Beine unter meiner gesamten Panik eingeknickt waren. Ich vergrub meinen Kopf in meinen Händen. Mit letzter Kraft schaffe ich es, meine Tränen zurückzuhalten. Jetzt hatte ich alles verbockt. Erneut. Und dabei hätte Junes ja mein Neuanfang sein sollen…

Mit zitternder Hand zog ich mein Handy aus meiner Hosentasche heraus. Während ich die Nummer wählte, zündete ich eine weitere Zigarette an. Es war das erste Mal seit langem, dass ich aufgrund des Rauches loshusten musste. Das Teufelszeug in meiner Lunge tat mir mit der gesamten Panik in mir drin nicht gut.

Als das Tuten an meinem Ohr aufhörte, liess ich die Person am anderen Ende gar nicht aussprechen. „Er weiss jetzt alles und am liebsten würd ich mich jetzt im Meer ertrinken. Ich kann ihm nicht mehr unter die Augen treten. Keinem kann ich mehr unter die Augen treten! Weisst du was? Am liebsten würd ich jetzt echt gern sterben und…“

„Atme, Flavien! Herrgott nochmal, Atme!“, brüllte Jula in mein Ohr. Ich hustete erneut, da ich mich vor lauter Aufgeregtheit am Rauch verschluckt hatte. Die Zigarette drückte ich so gut es ging im Sand aus und rieb mir die Augen. „Tut mir leid“, flüsterte ich. 

Ich hörte, wie Jula am anderen Ende verständnisvoll lachte. „Ich sollte langsam wissen, wie Du in solchen Situationen reagierst, Flavien.“ Ich zog eine weitere Zigarette aus der Schachtel. Jula schien hellhörig zu werden, als sie hörte, wie ich das Feuerzeug betätigte.

„Die wie viele Zigarette ist das nun?“ „Die Dritte“, brummte ich. Dieses Mal musste ich nicht aufgrund des Rauches losprusten. Dies erleichterte mich extrem. „Mit Zigaretten und Alkohol wirst Du deine Sorgen nicht los, Junge!“

„Ich trink nicht“, antwortete ich trocken. „Aber ich würde, wenn ich in diesem verdammten Ferienhaus eine anständige Flasche gefunden hätte.“ „Flavien! Du kannst nicht in anderer fremder Häuser über die Alkoholschränke gehen!“, zischte Jula. „‘tschldigung Mama“, seufzte ich lachend.

Nun war Jula es, die am anderen Ende der Leitung seufzten musste. „Flavien. Du kannst nicht ein Leben lang vor deinen Problemen davonlaufen. Du hast Junes nicht mal ausreden lassen. Woher willst Du wissen, dass er Dich aufgrund der Prügelei mit Fischer nun wie eine heisse Kartoffel fallen lässt?“

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