„Also eine typische Dämonengeschichte,“ vermutete Jonas und Stefan nickte. „Ganz genau. So wie immer halt. Aber dann starb der Meier irgendwann an einem Herzinfarkt. Beim Einkaufen im Supermarkt, ohne Fremdeinwirkung und ohne Dämonen. Und er war das letzte Mitglied der Familie, er hatte keinen Angehörigen mehr. Also stand das Haus leer. Und wie ist das so bei neugierigen Fünfzehnjährigen? Richtig, die wollen gerne wissen ob was an den Gruselgeschichten dran ist.

Also sind wir eines Nachmittags, nicht bei Nacht, so blöd waren selbst Michael, Dirk und ich nicht, in das Haus geschlichen. Okay, genau genommen sind wir eingebrochen. Michael war da der Abenteuerlustigste, nennen wir es mal so. Er hat eine Scheibe im Keller eingeschlagen und wir sind eingestiegen. Und das Haus war wirklich so wie man es sich immer vorgestellt hat. Zumindestens der Keller. Der Rest war normal. Aber im Keller lagen zum einen mein Schwert und zum anderen mehrere Zauberbücher herum. Ich glaubte jedenfalls damals dass es Zauberbücher waren. Wir haben also den ganzen Krempel mitgenommen und in Michaels Zimmer verstaut. Seine Eltern interessierten sich nicht groß für ihn, das waren zwei Anwälte die den ganzen Tag beschäftigt waren. Da haben wir dann schnell gemerkt dass das meiste nur Bücher waren in denen es um Kräuterheilkunde ging. Nur zwei Bücher waren interessant. Darin ging es wirklich um schwarze Magie, Dämonen und solche Dinge. Es war auf Latein geschrieben. Aber das konnte und kann ich ganz gut, hatte es da schon eine ganze Weile in der Schule. Und um diese Bücher noch besser entziffern zu können habe ich sogar einen Lateinkurs für Fortgeschrittene bei der Volkshochschule besucht. Meine Eltern waren ganz begeistert. Die glaubten ich täte das um meine Note von zwei auf eins zu verbessern und dachten schon ich wolle Medizin oder so was studieren!“

„Und die Statue? Hat die euch mit den geklauten Sachen davon kommen lassen?“, erkundigte sich Jonas aber Stefan schüttelte den Kopf. 

„Nein, natürlich nicht. Was denkst du denn? Aber in den Büchern stand auch die würde sich mit ihrer Rache immer Zeit lassen. Also wenn sie nicht direkt angegriffen wird dann wird sie nur einmal im Jahr, im Monat November, lebendig und sammelt alle Missetäter ein. Dann ruft sie sich ihre Opfer. Bei näherem Überlegen fiel uns auch auf dass die Toten von denen wir wussten alle im November gestorben waren. Und nun war Oktober. Ich nahm mir die Bücher mit nach Hause und vertiefte mich immer mehr in sie. Ich spielte damals sogar schon mit dem Gedanken es mal zu versuchen, auch mal einen Dämon zu beschwören! Aber ich hatte gerade alles nötige dafür besorgt als meine Mutter ins Zimmer kam und mich erschrocken fragte ob ich in einer Sekte sei!“

„Du wolltest Dämonen beschwören? Spinnst du?“, fragte Jonas ungehalten. 

Wollte er sich das wirklich noch länger anhören? Doch Stefan lachte tatsächlich. 

„Nun schau nicht so entsetzt. Ich wollte ja klein anfangen. Nicht so einen wie die die in den Statuen leben. Sondern was Harmloseres. Aber ich habe es ja dann gelassen weil meine Mutter wer weiß für einen Aufstand machte und mein Vater mir einen Vortrag über die Gefahren des Okkultismus hielt. Also lies ich doch die Finger davon.

Aber dann kam Heike, für die ich damals schwärmte, auf die Idee mit einer ihrer damaligen Freundinnen die Statue mit Farbe zu beschmieren. Mittlerweile hatte man das Haus von Herrn Meier abgerissen und nur das Ding stand noch da. Man war sich nicht so sicher was man damit anfangen sollte. Und dann fand man eines Tages Heike tot auf. Es war mittlerweile November. Ein paar Tage später fand man auch ihre Freundin die mir kurz vorher noch erzählt hatte was für einen Spaß sie beim Beschmieren der Statue gehabt hatten! Bei so was reagieren die fast alle sehr empfindlich! Willst du eine aus der Reserve locken, dann schmier sie voll!“

„Ja, das kennen wir,“ antwortete Jonas. Er erinnerte sich an Lucas Schulkameradin. Und an Dennis der damals Dreck auf die Statue über der Kirche geworfen hatte.

„Und dann begann es halt. Michael, Dirk und ich bekamen es mit der Angst zu tun.“, fuhr Stefan fort. „Weil wir doch da eingebrochen waren und Michael der Statue in einem besonders mutigen Moment den nackten Hintern gezeigt hatte. Aber ich muss zu seiner Verteidigung sagen dass er da gekifft hatte. Das machte er manchmal. Dirk sprach mit seinen Eltern über den Dämon aber die hielten ihn für bescheuert! Also standen wir wohl oder übel allein da. Und wir hatten vom Tuten und Blasen keinen Ahnung. Nur dass das Schwert dazu da sei um Dämonen zu besiegen wussten wir aus den Büchern.

Wir sind also tatsächlich mit dem Schwert zu der Statue gegangen um ihr zuvor zu kommen. Und wir hatten noch ein paar andere Waffen dabei, Dirk seinen Baseballschläger und Michael eine Dose mit Pfefferspray. Und bevor ihr fragt, nein, das hat gar nichts genutzt. Es kam wie es kommen musste. Der Dämon erwachte zum Leben und griff uns an. Ich hab unbeholfen mit meinem Schwert nach ihm geschlagen und er hat mich ausgelacht und seine typischen Drohungen von wegen Seele holen und so ausgestoßen.Damals war ich da noch schwer beeindruckt und hab mir fast in die Hose gemacht. Und Michael hat darauf hin mit seiner Sprühdose nach dem Ding gesprüht aber sie hat ihn gepackt und ihm den Arm gebrochen. Dirk hat zaghaft mit seinem Schläger nach ihm geschlagen und ist danach abgehauen. Nachdem der Schläger in einige Teile zerbrochen ist. Und ich hab dann tatsächlich mein Schwert genommen während der Dämon hinter Dirk herlaufen wollte und es geschafft ihn zu enthaupten. Klingt jetzt alles ganz einfach, war es aber nicht. War eine ziemliche Sauerei und hat insgesamt bestimmt eine Viertelstunde gedauert! Dann war das Ding kaputt. Und da fing es schon an. Undank ist der Welt Lohn. Denn statt sich zu freuen dass es nun keine Dämonenstatue mehr bei uns gab kam die Polizei und hat uns mitgenommen. Michael kam ins Krankenhaus, Dirk und mich konnten unsere Eltern bei der Polizei abholen. Ich bekam Sozialstunden, auch weil Dirk, die feige Ratte, sagte dass ich das Ding kaputt gemacht hätte.“

„Tut mir leid das es so gelaufen ist,“ murmelte Jonas aber Stefan schüttelte den Kopf. 

„Braucht es nicht. Im Nachhinein war das eine wichtige Lektion. Erstens, verlass dich nicht auf angebliche Freunde, zweitens, niemand dankt dir das was du tust, drittens, wenn du besonderes Pech hast schadet es dir. Und ich wusste da noch nicht dass es nicht die einzige Statue oder vielmehr der einzige Dämon sein sollte dem ich begegnen sollte.“

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