Kapitel 117

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Es war bereits spät am Abend und Jonas hatte seinen Vater angerufen und ihm mitgeteilt dass Lucas bei ihm übernachten würde da er sich nicht wohl fühlen würde. Er bat darum ihm für den nächsten Tag in eine Entschuldigung für die Schule zu schreiben.

„Also offiziell hast du eine Magen-Darm-Grippe und ich bringe dich morgen Abend nach der Arbeit nach Hause. Papa lässt dir gute Besserung ausrichten,“ sagte Jonas an seinen Bruder gewandt. 

„Womit man sich so herum schlagen muss wenn man lästige kleine Geschwister hat,“ bemerkte Stefan spöttisch und Jonas warf ihm einen bösen Blick zu.

Sie saßen in seinem Hotelzimmer. Doch hatte Jonas geglaubt dass Stefan in einer kleinen Pension leben würde so hatte er sich getäuscht. In einem der teuersten Hotels in der Kölner Innenstadt, in der Nähe des Doms, hatte dieser sich niedergelassen.

„Ich habe auch eine Wohnung, in der Nähe von Stuttgart! Aber wenn ich schon mal unterwegs bin dann will ich es bequem haben!“, sagte Stefan und Jonas dachte sich seinen Teil. „Natürlich wird die Rechnung für seine Tätigkeit dann um einiges teurer! Ich will nicht wissen was eine Übernachtung hier kostet.

Sein Schwert hatte Stefan mittlerweile in einem länglichen Koffer verstaut. Außer dem Schwert befanden sich noch ein Dolch und zwei Messer dort drin.

„Sind das alles Waffen mit denen man gegen Dämonen kämpfen kann?“, erkundigte sich Lucas und Stefan nickte. „Ja, die eigenen sich alle dafür. Aber mit dem Schwert erzielt man die größten Erfolge! Fass nichts davon an! Es war schwierig genug an die Dinger heran zu kommen! Und die sind nichts für Kinder!“

Lucas wollte protestieren jedoch Jonas hielt ihn zurück und legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm.

„Warst du das vor ein paar Tagen, an der Nordsee?“, erkundigte er sich statt dessen und Stefan nickte mit einem Anflug von Stolz.

„Ja, das war sogar in den Nachrichten! Dabei war das eigentlich kein allzu schwieriger Dämon. Er war recht groß aber wie fast alle Dämonen hat er den Fehler gemacht mich zu unterschätzen. Dann hat er den üblichen Mist erzählt! Dass er mich töten würde, meine Seele stehlen und sie in die Hölle schicken würde. Die kapieren meistens bis zum Schluss nicht dass die Sache dieses Mal anders läuft! Trotzdem sind sie gefährlich und man sollte sie  nie unterschätzen. Ein falsche Bewegung und das war es! Und manchmal ist ein Gegner dabei der ein anderes Kaliber hat!“

Das letzte sagte Stefan mit einem gemeinen Grinsen an Lucas gewandt. „Darum sollte man so was den Profis überlassen und keine Kinder mitnehmen. Oder Freunde die einem nur im Weg stehen! Oder noch besser, seine feste Freundin. Nicht wenn man sie hinterher noch....“

„Ich hab schon verstanden,“ sagte Jonas ungehalten. „Aber Lucas hätte nicht gestört. Und im Übrigen ist das nicht das erste Mal dass er gegen einen Dämon gekämpft hätte! Einen hat er sogar zusammen mit einem anderen Kind, wie du ihn ja so nett nennst, getötet. Gemeinsam mit einer Schulkameradin!“

„Ach, wirklich? So ähnlich hat es bei mir damals auch angefangen,“ antwortete Stefan und für einen Augenblick huschte ein bitteres Lächeln über sein Gesicht.

„Willst du es uns erzählen?“, erkundigte sich Jonas. Obwohl er sich sicher war dass er und Stefan ganz bestimmt niemals gute Freunde werden würden interessierte es ihn wie jemand dazu kam Dämonen zu jagen. Wegen des Geldes? Aus Langeweile?

„Du bist ziemlich gut mit deinem Schwert! Also ich hätte so schnell keine drei Dämonen töten können,“ fügte Jonas hinzu. „Wo hast du gelernt so zu kämpfen? Ich glaube ich könnte jahrelang trainieren, da hin käme ich nicht.“

„Nein, Training allein ist das auch nicht,“ murmelte Stefan kaum hörbar ehe er sich in einem bequemen Sessel zurück lehnte.

„Ein schönes Zimmer, nicht wahr? Wenn man bedenkt dass ich eigentlich von Hartz IV lebe ist das doch was! Aber ich arbeite halt nebenbei schwarz! Dazu kann ich euch wirklich eine Geschichte erzählen! Mein Sachbearbeiter beim Arbeitsamt hatte irgendwie raus bekommen dass ich doch recht gut für einen Hartz IV Empfänger lebe. Dass ich mir eine neue Stereoanlage und einen teuren Fernseher leisten konnte. Das war so ein Exemplar, der war der Meinung dass man in meiner Situation doch bitte dreckige Kleider aus der Mülltonne und gebrauchte Schuhe tragen solle. Also alles bitte angemessen. Es hat ihm keine Ruhe gelassen, das war so in mieser kleiner Paragraphenreiter und er kam zu dem Schluss dass ich heimlich irgendwo arbeiten müsse!“

„Und dann?“, fragte Jonas. Er konnte sich schon denken was nun kam. „Er wollte herausfinden wo du arbeitest, richtig? Und es war keine Kneipe oder keine Disko wo du als Türsteher was dazu verdienst. Und auch keine Baustelle!“

Stefan lachte. „Nein, ganz und gar nicht. Und ich habe auch nicht heimlich als Frisör gearbeitet oder so. Er hat sich also auf die Lauer gelegt und dachte jetzt kann er mich dran kriegen. Mich hatte der sowieso immer schon auf dem Kiecker! Also ist er mir eines Abends nachgefahren als ich zwei Dämonen in einer alten Burg unschädlich gemacht habe. Mit alten Burgen haben die es übrigens irgendwie. Ich hab die Dämonen besiegt, der Sachbearbeiter hat es gesehen und seitdem ist er selbst auf finanzielle Unterstützung angewiesen da er nicht mehr arbeitsfähig ist. Armer Kerl....“

„Der tut mir wirklich irgendwie leid,“ murmelte Jonas. „Sicherlich hat er sich zu Tode erschrocken!“

„Hat er,“ stellte Stefan genüsslich fest. „Aber das kommt halt davon wenn man seine Nase in Dinge steckt die einen nichts angehen. Musste er mich denn nach Feierabend verfolgen statt sich mit einem Bier vor seinen Fernseher zu setzen?“

Jonas und Lucas hatten auf einem Sofa das, genau wie der Sessel, an einem niedrigen Tisch stand, Platz genommen.

„Und du bekommst jedes Mal Geld dafür, wenn du Dämonen tötest?“, wechselte Jonas das Thema. Er hatte bereits gemerkt dass Mitgefühl mit Mitmenschen nicht zu Stefans hervorstechenden Eigenschaften gehörte und er ihnen nicht aus Menschenfreundlichkeit half.

„Natürlich nehme ich Geld dafür! Solltest du dir übrigens auch mal überlegen, sonst dankt es dir ja doch keiner was du machst! Oder hat dich irgend jemand herzlich dafür umarmt dass du Max und Moritz in München zerstört hast? Damit hast du mir übrigens ein Geschäft vermasselt! Ich wollte gerade in Verhandlung mit einer Frau treten die ich ein paar Tage beobachtet habe weil sie von den Mönchen verfolgt wurde nachdem sie ihnen einmal knapp entkommen war. Es wäre nur eine Frage der Zeit gewesen bis sie sie zu sich gerufen hätten! Aber das weißt du ja wahrscheinlich selber.“, antwortete Stefan.

„Und woher weißt du dass diese Mönche hinter der Frau her waren?“, erkundigte sich Jonas mit einem scharfen Unterton in der Stimme.

Er ahnte es, konnte es aber nicht wirklich glauben dass jemand so eine Situation dermaßen ausnutzen würde.

Stefan lächelte wieder spöttisch. „Woher schon? Wenn ich weiß dass es irgendwo einen Dämon gibt dann lege ich mich schon mal auf die Lauer und sehe ob jemand von diesem belästigt oder verfolgt wird. Dann wende ich mich an denjenigen und biete ihm netterweise an gegen eine kleine Aufwandsentschädigung das Problem zu lösen! Von dem Dämon an der Nordsee erfuhr ich übrigens aus einem zehn Jahre alten Fernsehbeitrag wo es um Tourismusgebiete ging. Da sagte ein Einheimischer, wahrscheinlich ist er inzwischen längst tot, dass wegen dem lieben Bernhard all die lieben Kinderlein gestorben seien.“

„Und das war dann ein lohnendes Geschäft für dich, oder?“, fragte Lucas und sah Stefan wütend an.

„Was regst du dich auf? Die Statue ist nicht mehr. Und warum sollte ich nicht auch was davon haben? Die Leute waren mir trotzdem unsagbar dankbar. Sie haben mir Blumen geschenkt, jeder wollte mir die Hand schütteln.....das sie mich nicht zum Dorfheiligen erklärt haben oder mir das Amt des Bürgermeisters angeboten haben ist auch alles!“, antwortete Stefan gut gelaunt. 

„Und da es nur eine Statue war und ich mich über die Blümchen gefreut habe habe ich statt 2500,00 Euro nur 2000,00 Euro verlangt!“

„Warum 2500,00 Euro? Ich denke eine Statue kostet 1000,00? Gibst du ab einer bestimmten Anzahl Mengenrabatte?“, fragte Jonas nun seinerseits spöttisch.

Stefan schüttelte den Kopf. „Nein, natürlich nicht. Aber diese war größer als die anderen und stärker! Wenn wie gesagt auch nicht allzu intelligent. Das langweilt langsam wirklich. Ich bin sogar zu dem guten Bernhard hingegangen, hab mich nett vorgestellt, gesagt wer und was ich bin und dass mein Schwert bestens geeignet sei um Dämonen zu töten. Und, hat er das kapiert? Nein. Er stellte während des Kampfes erst fest dass er meine Seele nicht so leicht würde holen können wie die seiner üblichen Opfer, Kinder von acht Jahren.“

Dämonische StatuenLies diese Geschichte KOSTENLOS!