Kapitel 27 - eine neue Seite von Blake.

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"Warum?", fragte ich ihn. Ich hatte keine Ahnung was für eine Antwort er von mir verlangt. Ist Okay, es macht mir nichts aus, dass du mich zum Rand meiner Nerven treibst? Ganz sicher nicht. "Was warum?", fragte er mich und neigte den Kopf ein wenig. "Warum kommt jetzt plötzlich diese Entschuldigung? Du hast mir zig mal gedroht mich zu töten. Du hast mich im Wald zurück gelassen und du hast mir Sachen an den Kopf geworfen, die das hier nicht leichter macht. Also warum?", sagte ich gerade heraus. Ich war gespannt, was er jetzt zu sagen hat. Menschen verändern sich nicht von einem Tag auf den anderen. Vor allem Blake nicht. "Ich entschuldige mich," fing er an und betonte jedes Wort mit merkwürdig ehrlich gemeinter Stimme. "weil ich eingesehen habe, dass wir zusammen arbeiten müssen. Die privaten Probleme sollen keine große Rolle spielen, denn wenn irgendwas passiert, müssen wir zusammen halten und zusammen arbeiten." Ich zog eine Augenbraue hoch. "Du tust mich also trotzdem noch hassen?", frage ich. "Ich hasse dich nicht, ich komm nur mit deiner Art nicht klar und keine Sorge, dass wird sich auch nicht so schnell ändern. Ich werde mich jetzt nur zurück halten und dich nicht mehr als meine persönliche Rivalin ansehen. Wir sind ein Rudel, ein Team und das sollte über uns stehen.", meinte er. Ich war trotzdem noch ziemlich verwirrt. Es war einfach nicht Blakes Art, die Dinge so zu sehen. Es war ihm nie wichtig gewesen ob wir uns jetzt gegenseitig hassen oder nicht. Ich war mir nicht so sicher, dass er seine eigenen Worte einhalten wird aber man konnte ja mal hoffen.

"In Ordnung und was willst du mir zeigen?", wechselte ich das Thema. Er nickte und ging weiter. Ich folgte ihm, wagte es aber nicht, neben ihm her zu laufen oder noch irgendwas zu sagen.

Ob wohl doch etwas gutes in ihm steckt? Warten wir es ab.

Wir kamen an ein großes Gelände. Es war anscheinend eine Art Schrottplatz aber ietzt war es einfach nur ein großer Garten indem ein kleines Haus stand.

Wir krochen durch ein Loch im Zaun und gingen durch.

Blake drehte sich zu mir um und breite die Arme aus. "Das wird unser neues zu Hause. Wir müssen zwar noch einiges daran machen aber es ist perfekt.", meinte er lächelnd. Seit wann hatte er ein Lächeln auf den Lippen, dass nicht hämisch oder ironisch war?

"Hast du das Grundstück gekauft?", fragte ich und ließ meinen Blick darüber gleiten. Er schüttelte den Kopf. "Es gehört niemanden und niemanden interessiert es, dass es noch hier steht. Vor ein paar Jahren, war das hier ein Schrottplatz aber da er mitten im Wald steht, haben sich die grünen Leute eingeschaltet und das Zeug musste weg. Siehst du?", er zeigte auf ein Tor. "Man sieht gar nicht mehr, dass hier Autos rein gefahren sind. Es ist alles wieder bewachsen, auch der Boden obwohl man dort nichts mehr einpflanzen könnte.", meinte er und strahlte übers ganze Gesicht. "Werde ich auch hier wohnen müssen?", fragte ich skeptisch. "Vorerst nicht, wir werden erst daran arbeiten aber danach ja aber auch nur solange bis wir den Seelentreiber beseitigt haben. Keine Sorge wir werden ihn nicht töten.", fügte er hinzu als er mein Gesicht sah. Ich atmete erleichtert aus.

"Hast du es den Anderen schon erzählt?", fragte ich dann und er schüttelte den Kopf. "Ich wollte erst deine Meinung einholen. Immerhin sind wir Partner, oder?"

Ich verdrehte die Augen. Würde er diesen Spruch jetzt jedes Mal bringen? "Ich finde das Grundstück ist passend für uns. Wir können hier auch trainieren.", meinte ich dann. Er nickte nachdenklich.

"Der Zaun muss auf jeden Fall weg.", beschloss er und sah sich um. "Wieso? Das ist eigentlich ja ein Schutz gegen Eindringlinge?", sagte ich und sah ihn an. Er zuckte mit den Achseln. "Wir sind keine Tiere. Der Käfig ist nicht nötig. Sie würden sowieso rein kommen können."

Wir diskutieren nicht weiter darüber, sondern betraten das Haus, dass in der Mitte stand. Es war nicht sonderlich groß und hatte wahrscheinlich nur Büros darin aber wir würden schon was daraus schaffen.

Zu unserer Verwunderung, gab es auch eine Küche und Toiletten und das Wasser lief noch. Irgendwas war hier faul. Ich sah zu Blake. "Sicher, dass du das Grundstück nicht gekauft hast? Die hätten sicher die Wasserleitungen abgeschaltet.", meinte ich. Ich sah mich um und fand dann auch einen Lichtschalter. Ich klappte ihn um und das Licht ging an. Blake sah mich Ahnungslos an. "Ich hab nichts gekauft.", meinte er. "Ich wars", ertönte eine Stimme hinter mir. Bevor ich mich umdrehte, sah ich Blakes Gesicht. Er biss die Zähne zusammen und zog seine Augenbrauen wütend zusammen.

Ich drehte mich um und sah, dass Royce vor mir stand. "Woher wusstest du von dem Grundstück?", knurrte Blake. Royce zuckte mit den Achseln. "Es war nicht schwer dir zu folgen. Außerdem kannst du mir dankbar sein, du hast andere Sorgen als so was.", meinte Royce ernst. Blake sah ihn angepisst an. "Wir gehen", sagte er bestimmend zu mir. Ich sah ihn fragend an und lächelte Royce leicht zu als ich an ihm vorbei ging.

Blake rannte schon fast, ich kam nicht mehr mit. "Blake warte doch!", schrie ich ihm hinter her. Er hörte gar nicht drauf, sondern lief immer schneller. Ich gab es auf und blieb seufzend stehen. Die privaten Probleme mit seinen Bruder gehören wohl nicht dazu.

Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Ich drehte mich ruckartig um und sah in Royce Gesicht. "Kannst du ihm sagen, dass ich alles regeln werde? Ich werde die Zäune abreißen lassen und das Haus bewohnbar machen während ihr in der Schule seid.", bat er und sah zurück zum Haus. "Ich denke das ist keine gute Idee. Du hast ja gesehen wie er gerade reagiert hat", meinte ich und sah ihn an. "Versuchs einfach", sagte er und ich nickte.

Ich drehte mich um und lief den Weg zurück, den wir her gelaufen sind. Blake war nicht mehr zu sehen. Ich musste also allein nach Hause.

Der Tag heute, ist einer der merkwürdigsten in meinem Leben. Ich hätte nie gedacht, dass Blake so eine Seite in sich hat. Obwohl es mich schon früher gewundert hat, wie oft er seine Emotionen wechseln kann. Wer weiß, was für Seiten noch in ihm stecken.

Ich beschloss, da ich schon lange nicht mehr dort war, zu meiner Grandma zu gehen. Es würde zwar eine Weile dauern bis ich dort hin komme aber so entfliehe ich der Mannschaft in meinem Haus für eine kurze Zeit. Zwar hatten Blake und ich uns jetzt zusammen gerauft aber er würde wieder wegen seinem Bruder total ausflippen.

Als ich im Krankenhaus war, ging ich zuerst zu den Ärzten und sprach mit ihnen über ihren Zustand. Wieder wurde mir gesagt, dass er sich nicht gebessert hat und dass sie bald entscheiden müssten, ob die Geräte ausgemacht werden oder nicht. Ich hatte aber überhaupt nichts zu sagen, ich war noch keine 18 und meine Grandma hatte hier sonst keine Verwandte. Ich hoffe einfach, dass sie so lange mit der Entscheidung warten, bis ich alt genug bin.

Ich ging in ihr Krankenzimmer und sah sie dort liegen. Keinen Unterschied zum letzten Besuch. Es sah alles gleich aus, nur die Blumen die ich gebracht hatte, wurden weg geworden.

Ich setzte mich zu ihr an den Bettrand und nahm ihre Hand. "Ach, Grandma. Ich wünschte du wärst hier. Ich wünschte, ich hätte alles von dir erfahren was es mit mir auf sich hat. Es ist alles so verwirrt. Niemand beantwortet mir wirklich meine Fragen. Du würdest mir alles erklären und mir jede Geschichte erzählen.", sagte ich seufzend. Ich erzählte ihr alles was passiert war und wie ich mich dabei gefühlt habe aber als Antwort bekam ich ein leises Piep zurück der ihren Herzschlag hörbar machte.

Irgendwann beschloss ich mich auf den Weg nach Hause zu machen. Ich drückte ihr einen Kuss auf die Wange und verließ das Krankenhaus.

Ich erinnerte mich, als mir Royce irgendwas mit meiner Grandma gesagt hatte aber mir kam nicht in den Kopf was er gesagt hatte. Hatte er nicht nur wirres Zeug geredet? Ich weiß es nicht.

Endlich kam ich dann zu Hause an und ging nach drinnen als ich die Tür aufgesperrt hatte. Ich sah mich im Wohnzimmer um und dort fand ich Blake auf der Couch. Ich ging drum herum um zu sehen was er machte und wunderte mich, als ich sah, dass er schlief.

Er hatte wohl vor meiner Tür auf dem harten Boden nicht wirklich Schlaf bekommen. Ich musste mir mein Kichern zurück halten. Blake sah ziemlich niedlich aus, wenn er schlief aber auch friedlich und sorglos.

Under the woods [Band 1]Lies diese Geschichte KOSTENLOS!