Der achte Tag

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Tag Nummer 8 oder wie man Musik hört zu hören.

Am Mittwoch wachte ich in einem Haufen Notenblätter und mit Collegeblockschnipseln in den Haaren auf. Ich konnte gar nicht mehr genau sagen, wie lange ich auf gewesen war und an meinem Song gearbeitet hatte, aber er war fertig. Er hatte sogar einen einigermaßen strukturierten Aufbau. Also musste es entweder lange gedauert haben oder ich war im Flow gewesen.

Ich quälte mich aus dem Bett und schlurfte die Treppe hinunter in die Küche. Die Muße, mir die Papierfetzten aus den Haaren zu sammeln hatte ich nicht.

In der Küche bedachte ich das, sich langsam wiederaufrichtende, Basilikum mit einem stolzen blick und schüttete mir teilnahmslos ein paar Cornflakes und etwas Milch in eine Schale. Dann tapste ich die Treppe müde wieder hoch.

Mein Vater war bereits zur Arbeit gefahren und hatte die Monster vorher erneut bei Tante Katie abgeladen. Diesmal hatten sie aber Übernachtungszeug dabei, denn sie würden bis Donnerstagabend dort bleiben. Insgeheim bemitleidete ich Tante Katie ein bisschen, aber sie musste es ja selber wissen.

Mein Vater würde auf Geschäftsreise sein. Er und seine Kollegen stellten irgendein Produkt seiner Frima vor. Was genau er vorhatte wusste ich nicht, aber ich hatte ihm trotzdem viel Glück gewünscht und ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt. Er würde das schon schaukeln.

Ich hatte also quasi sturmfreie Bude.

In meinem Zimmer schlang ich im Turbogang die Cornflakes hinunter und machte mich dann daran, das Chaos bestehend aus Notenblättern und weiteren Collegeblockschnipseln zu beseitigen und in meine Geheimniskiste zu stopfen.

Dabei räumte ich auch gleich ein bisschen Schmutzwäsche weg und saugte die Collegeblockschnipsel aus dem Bett und vom Boden.

Ich schaffte es sogar trotz der Bücherstapel einigermaßen Platz zu schaffen. Sofern das eben möglich war, angesichts der Tatsache, dass ich erst vor kurzem weitere Bücher von Granny hergeschafft hatte. Ich Dummerchen! Junia sagte immer, ich solle einfach ein paar Bücher verkaufen, aber das brachte ich nie über mich. Sie bedeuteten mir einfach zu viel. Ich hatte sogar versucht Junia das Prinzip anhand ihrer Makeup-Kollektion zu erklären, aber sie sah meinen Punkt immer noch nicht ein.

„Von meiner Makeup-Sammlung werde ich nicht im Schlaf erschlagen Babe.", hatte sie gesagt und ich hatte nur die Augen verdreht.

Nach meiner Aufräumaktion brachte ich die Müslischüssel wieder in die Küche und saß hinterher eine Weile einfach nur am Küchentisch und starrte die Wand an.

Die Tapete über der Abzugshaube war alt und mit einem Rosen-Blumenmuster, das mein Vater echt furchtbar fand, von dem ich aber sagte, dass es einen gewissen Charme versprühte, obwohl es absolut nicht zum Rest der Küche passte.

Es hatte etwas an sich, dass ich nicht genau beschreiben konnte, von dem ich aber fand, dass es in ein altes, kleines, verwinkeltes Häuschen wie unseres passte.

Als ich um halb 11 auf die Uhr guckte merkte ich, dass ich absolut keine Ahnung hatte, wann er kommen würde, weil wir überhaupt keine Uhrzeit ausgemacht hatten, und dass ich mich eventuell lieber fertigmachen sollte. Nur um sicher zu gehen.

Ich sprintete die Treppe hoch in mein Zimmer, schnappte mir meine Klamotten, bestehend aus einem alten GreenDay T-Shirt, das ich mir mit 15 mal auf einem Konzert gekauft hatte und einer etwas zerfledderten Jeans, und rannte gleich weiter ins Badezimmer.

Das T-Shirt hatte ich mir damals nur gekauft, weil ich einen Typen hatte beeindrucken wollen, der mega auf die Band abfuhr. Ich kleiner Trottel. Aus uns war nichts geworden, dafür pflegte ich seit diesem Tag eine anhalten Liebe zu GreenDay und hatte dem ganzen Desaster wenigstens etwas Gutes abgewinnen können.

12 Tage AprilWhere stories live. Discover now