„Es war nicht einfach für dich, nicht wahr?“, fragte Julia vorsichtig. 

Gerrit schüttelte den Kopf. „Es hätte schlimmer kommen können!“

Ungläubig sah sie ihn an. Noch schlimmer hätte es kommen können? Julia war mit einem Mal froh, dass sie damals nicht hatte leben müssen.

Kurz nach fünf Uhr am Morgen verließ Ingo Köln und fuhr mit seinem Wagen auf die Autobahn auf.

„Jetzt geht es endgültig los! Die anderen werden froh sein wenn sie zu Hause ins Bett fallen können,“ seufzte Ingo und gähnte. 

Er hatte keinen richtigen Schlaf finden können und würde das in Raichelbach nachholen müssen.

Gerrit saß neben ihm auf dem Beifahrersitz während Lucas und Jonas hinten im Wagen Platz genommen hatten. 

Jonas hatte, auch wenn es ihm peinlich war, einen Eimer neben sich stehen. Noch immer fühlte er sich nicht wohl auch wenn sich sein Magen mittlerweile ein wenig beruhigt hatte.

Jessica hatte ihm zum Abschied ein Kissen hinter den Kopf geschoben und sich traurig von ihm verabschiedet. Gerne wäre sie mitgekommen jedoch leider konnte sie sich keinen Urlaub nehmen. 

Zumindestens würden sie und die anderen Daheimgebliebenen sicher vor den Statuen und dem Direktor sein da dieser nichts von ihnen und ihrer Bekanntschaft mit Jonas wusste.

„Hoffentlich haben wir Glück und kommen gut durch,“ sagte Ingo.

Aufgrund der frühen Stunde war die Autobahn fast frei von anderen Fahrzeugen. Lediglich einen LKW überholte Ingo jetzt.

Lucas hatte seinen Kopf an die Scheibe gelehnt und döste vor sich hin währen Gerrit aus dem Fenster sah. Alles was er sah war neu für ihn.

„So schnell fuhr früher kein Wagen,“ sagte er fasziniert und Ingo konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. „Wir fahren auch über 100!“

Gerrit nickte und schloss ebenfalls die Augen. Er zitterte und Ingo drehte die Heizung höher.

Zwei Stunden später fasste Gerrit sich an den Bauch. Er wirkte noch blasser als gewöhnlich.

„Was ist los, ist dir nicht gut?“, erkundigte sich Ingo besorgt und warf eine Blick nach hinten. Jonas und Lucas saßen schweigend dort und hingen ihren eigenen Gedanken nach.

„Nein, mein Bauch tut nur ein wenig weh! Es ist weil ich nichts gegessen habe aber das geht schon noch....“, sagte Gerrit verlegen und Ingo begriff was los war.

„Du hast Hunger? Schade dass Julia das nicht mitbekommt! Die hat sich deswegen schon Sorgen gemacht! Wisst Ihr was, ich halte am nächsten Rasthof an und ich hole uns ein paar belegte Brötchen!“

„Gute Idee,“ stimmte Lucas zu während Jonas gequält das Gesicht verzog. Der Gedanke an Essen behagte ihm überhaupt nicht. 

Auch sonst fühlte er sich nicht gut. Während der Fahrt war seine Übelkeit zurück gekehrt, außerdem breitete sich ein brennender Schmerz über seine gesamte Schulter aus. Die Wunde hatten die anderen zwar verbunden aber als Lucas nachsah stellte er fest, dass frisches Blut durch den Verband gesickert war.

Jedoch am meisten machte ihm noch immer das Gefühl zu schaffen dass irgend etwas nicht mehr so war wie es sein sollte.....

Kurz darauf hielt Ingo an einem Rasthof an und kehrte mit drei belegten Brötchen sowie Bechern in denen sich Kakao und Kaffee befanden zurück.

Einen Kakaobecher und ein Brötchen reichte er Gerrit.

„Iss das! Da ist Fleischwurst drauf! Und sag das nächste Mal sofort Bescheid wenn du Hunger hast!“, forderte Ingo ihn auf.

Gerrit biss in das Brötchen, jedoch mehr als ein paar Bissen bekam er nicht herunter. Er steckte den Rest wieder in die Tüte. „Das ist für später! Vielleicht gibt es so bald nichts mehr!“

Ingo seufzte und startete den Motor.

Sie fuhren den Rest der Strecke ohne eine Pause einzulegen. Im Laufe des Vormittages füllte sich die Autobahn und Jonas sah dass viele der Autofahrer Skier und Schlitten auf dem Dachgepäckträger befestigt hatten. „Die fahren alle in den Winterurlaub,“ dachte er.

In Köln hatte kein Schnee mehr gelegen jedoch je näher sie ihrem Ziel kamen desto verschneiter wurde die Landschaft. Schließlich erreichten sie die Gegend in Bayern die Jonas von seinem letzten Besuch noch gut kannte.

„Wir sind bald da, nicht wahr?“, fragte er erleichtert. Hoffentlich würde er sich dort ein wenig ausruhen können. 

„Ja, dort drüben ist schon das jetzt statuenfreie Raichelbach!“, bestätigte Ingo Jonas Aussage jedoch dieser zuckte zusammen.

„Orte Statuenfrei machen, das war einmal,“ murmelte er. „Das ist vorbei durch meine Dummheit!“

Lucas sah ihn erschrocken an. „Sag so was nicht! Du konntest doch nicht wissen dass deine Mutter mit dem Direktor unter einer Decke steckt! Außerdem was soll das heißen du wirst keine Orte mehr statuenfrei machen? Nicht dass ich es dir nicht gönnen würde Ruhe davor zu haben aber....moment, meinst du weil dieses Mal an deiner Schulter....“

Jonas nickte unglücklich. „Es fühlt sich anders an als vorher!“

Unterdessen stoppte Ingo den Wagen vor dem Gasthof von Frau Huber und lächelte als er diese das Haus verlassen und auf sich zukommen sah. 

Schnell stieg er aus und begrüßte die Frau die ihn herzlich umarmte.

Anschließend öffnete er die Beifahrertür und half Gerrit heraus. Jonas verließ den Wagen mit Lucas Hilfe. Noch immer war er wackelig auf den Beinen was Frau Huber mit einem besorgten Blick bemerkte.

„Das Gepäck bringe ich gleich rein,“ sagte Ingo und führte Gerrit ins Haus. Die anderen folgten ihnen.

Frau Huber führte ihre Gäste in die Gaststube in der sonst niemand saß. 

„Die Mittagszeit ist um! Jetzt sind sie alle auf den Pisten! Seitdem der Franzl weg ist kommen auch mehr Gäste und die Maria und die Resl vermieten jetzt Zimmer an Urlauber!“, erklärte sie und sah Jonas und Gerrit besorgt an.

Dann umarmte sie den erstaunten Jonas herzlich. „Um dich und den anderen Bub kümmern wir uns schon! Das wird wieder!“, sagte sie und wandte sich an Gerrit. „Und dich päppeln wir auch auf! Wart mal, bis du meinen Schweinsbraten probiert hast!“

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