„Ruf ihn noch einmal!“, befahl der Schuldirektor wütend und der Henker folgte seinem Befahl. 

„Er ist nicht dort!“, sagte er mit dumpfer Stimme und der zweite Henker der sein Schwert in der Hand hielt bestätigte diese Aussage. „Er ist geflohen und seiner Strafe entkommen!“

„Das darf nicht wahr sein,“ fluchte Herr Engelmann und zertrat seinerseits ein Stiefmütterchen. Sein treuer Henker mit dem Schwert hingegen war ernsthaft wütend. 

Er schlug mit dem Schwert gegen die Hauswand und traf dabei den Briefkasten der dort  befestigt war. 

Mit einem lauten Scheppern fiel dieser zu Boden und fast sofort ging im Hausflur das Licht an.

Die Henker verschwanden schnell in den Schatten jedoch bevor der Direktor sich nach einem Versteck umsehen konnte wurde die Haustür aufgerissen und Georg Schneider stand wütend im Morgenmantel vor ihm.

Nun kehrte zu allem Unglück auch noch der Nachbar mit dem Dackel zurück und dieser bellte erneut als er die Dämonen witterte.

„Herr Engelmann? Was haben Sie denn mitten in der Nacht hier zu suchen? Wir warten darauf dass Lucas nach Hause kommt! Aber warum schleichen Sie mitten in der Nacht hier herum?“, fragte Herr Schneider unfreundlich.

Seine Frau Hedwig stieß ihren Mann nun zur Seite. Sie trug einen blauen Morgenrock, Puschen und hatte sich Lockenwickler in ihr Haar gesteckt.

„Was machen Sie denn hier Herr Direktor! Und verlassen Sie auf der Stelle mein Blumenbeet! Die habe ich neulich erst frisch gepflanzt!“, sagte sie und kreischte auf als sie den Briefkasten sah der zu Boden gefallen war.

„Was ist denn mit dem Briefkasten passiert? Der war teuer! Das darf doch nicht wahr sein!“, rief sie mit lauter Stimme.

„Ist alles in Ordnung? Haben Sie einen Einbrecher überrascht?“, erklang eine Stimme von der Straße.

Der Nachbar mit dem kläffenden Dackel stand dort und zog ein Handy heraus. „Soll ich die Polizei rufen?“

„Nein, das ist der Schuldirektor meines Sohnes Lucas,“ sagte Georg Schneider und sah diesen wütend an. „Was haben Sie meinem Sohn erzählt? Haben sie ihm mit irgend etwas gedroht so dass er davon gelaufen ist?“

„Ihr Sohn Lucas? Aber der ist doch ein armes Heimkind das sie aufgenommen haben!“, erkundigte sich der Nachbar erstaunt und eine weitere Tür neben dem Haus der Schneiders öffnete sich. Ein älteres Paar trat heraus.

„Dann ist er der Sohn von Georg? Das hättet ihr aber ruhig sagen können! Er ist doch ein lieber Junge und hat mir neulich geholfen die Mülleimer wieder in den Garten zu bringen trotz seines gebrochenen Arms,“ sagte die ältere Nachbarin die ebenfalls ein Nachthemd trug.

„Georg, musste das sein? Jetzt wissen sie alle dass dieses Stück Dreck dein Sohn ist! Morgen weiß es die ganze Straße! Denkst du eigentlich einmal auch an mich?“, keifte Hedwig ihren Mann an.

Dieser wurde rot im Gesicht und wandte sich an seine Frau.„Es reicht Hedwig! Im Augenblick denke ich an meinen Sohn und daran dass er noch nicht nach Hause gekommen ist! Und daran dass der Schuldirektor Nachts um unser Haus schleicht! Am liebsten würde ich wirklich die Polizei rufen!“

„Nein, das ist nicht nötig,“ sagte Friedrich Engelmann der nichts mehr fürchtete als aufs Polizeirevier gebracht zu werden.

„Ich wollte mich nach ihrem Sohn erkundigen, deshalb bin ich gekommen und gegen den Briefkasten gestoßen....,“ stammelte er und hoffte dass sich die Eltern mit der Erklärung zufrieden geben würden.

„Mitten in der Nacht?“, erkundigte sich der Nachbar mit dem Hund. „Ich finde das seltsam! Und was heißt hier Schuldirektor? Meine Großnichte hat von so einem schrecklichen Mann erzählt der jetzt sein Unwesen an ihrer Schule treibt! Sie geht in die 6.Klasse und hat neuerdings Angst da hin zu gehen! Die erzählt Geschichten.....der neue Rektor ist offenbar nicht ganz normal!“

„Ich glaube ihm dass er sich nur Sorgen gemacht hat! Georg, nicht der Direktor sondern Lucas ist hier der Verbrecher!“, keifte Hedwig und zog ihren Mann am Ärmel. Offenbar wollte sie nichts lieber als sich im Haus verkriechen.

„Ich glaube ich gehe jetzt besser! Ich werde Sie morgen früh einmal anrufen, Frau Schneider! Den Briefkasten ersetze ich Ihnen natürlich,“ verabschiedete sich der Schuldirektor und verließ wütend den Vorgarten.

Er sah dass sich auch die Nachbarn und die Schneiders ins Haus zurück zogen und die Lichter gelöscht wurden. Hoffentlich rief dieser Herr Schneider nicht doch noch die Polizei an.....

Doch die Schrecken der Nacht waren für Friedrich Engelmann noch nicht vorbei. Denn mit einem Mal ging ein Krampf durch seinen Körper und er schrie auf. 

„Gerrit! Er ist entkommen! Wie konnte das geschehen? Niemand kann seine Ketten durchtrennen...“

Einer der Dämonen fing ihn auf als er zusammen brach. Nachdem die Menschen in die Häuser zurück gekehrt waren gesellten sie sich wieder an seine Seite.

„Das ist nicht möglich,“ sagte der Henker mit dem Schwert und eilig kehrten sie zur Schule zurück.

Wenig später stand Friedrich Engelmann fassungslos vor dem leeren Sockel. Die Ketten hingen lose herab und sein dritter Dämon lag zerstört vor ihm auf dem Boden. 

„Wer hat das getan!“, erklang die wütende Stimme eines der Henker und hasserfüllt starrte Friedrich Engelmann zum Himmel hinauf.

„Das durfte nicht geschehen! Wie konnte jemand meinen Dämon besiegen? War es der Bruder von Lucas? Hat dieser ihn gewarnt und er ist mir zuvor gekommen? Aber am schlimmsten ist es dass er Gerrit befreien konnte!“

Der Schuldirektor wandte sich an seine Dämonen. „Gerrit muss so schnell wie möglich an seinen Platz zurück kehren! Ihr wisst was geschehen könnte?“, fragte er aufgebracht.

„Ja, sobald er frei ist beginnt er wieder wie ein Mensch zu leben und zu altern! Er beginnt dort wo er damals aufhörte und sein Statuenkörper ist zu einem wahren menschlichen Körper geworden!“, antwortete der Henker mit der Axt und schwang diese bedrohlich.

„Das ist nicht das Schlimmste! Cornelius dieser verfluchte Dämonenbeschwörer, sein Ende war verdient qualvoll, hat mich damals rein gelegt. Denn als er Gerrit zu dem machte was er heute ist verband er unser beider Schicksal. Wenn er wieder altert dann altere ich auch! Ich habe in dieser Nacht meine Unsterblichkeit verloren und werde sie erst wieder erlangen wenn Gerrit an seinem Platz ist. Und ich darf nicht daran denken was geschieht wenn meine Feinde erst dahinter kommen wie sie mich und damit auch euch beide mit einem Schlag vernichten könnten!“, fluchte Friedrich Engelmann und deutete auf den zerstörten Henker.

„Räumt das da in den Keller! Es ist nutzlos für mich geworden und ihr beiden kehrt an euren Platz zurück!“

Er würde den Lehrkräften und Schülern erzählen dass sich die anderen Statuen in einer Steinmetzwerkstatt zu Reparatur befanden. 

„Du wirst mir nicht auf Dauer entkommen, Gerrit,“ fluchte er laut und fügte hinzu: „Und du Jonas Schneider, denn ich bin mir sicher dass du dahinter steckst, wirst es auch noch bereuen dich mit mir angelegt zu haben!“

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